Zeitschrift

Jüdisches Leben in Baden-Württemberg

Möglichkeiten der Begegnung


Baustein D
Deutsch-israelischer Schüleraustausch

D6 - D9 Eindrücke und Auswertung


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Inhaltsverzeichnis


D 6 Tagebuchnotizen

Tagesprotokolle deutscher Schülerinnen aus Ludwigsburg während des Aufenthalts in Israel

Verena, 8.7.1996: Schon um fünf Uhr morgens klingelte der Wecker. Widerwillig machten wir uns auf, fanden uns am Wasserturm ein und wurden zu den Bananenplantagen gefahren. Dort wurden wir angeleitet, an junge Bananenstauden gehäckseltes Holz hinzukicken, um das Unkraut auf natürliche Weise zu bekämpfen. Langsam stand die Sonne immer höher und obwohl die Arbeit nicht hart war, kam man ins Schwitzen. Nach einer Stunde wurden wir erlöst. Darüber waren wir froh, denn eigentlich hätten wir bis neun Uhr arbeiten sollen. Wir fuhren zurück zum Kibbuz, gingen erst mal frühstücken und duschen, um uns für einen Ausflug nach Tiberias frisch zu machen. Nachdem der Bus ausblieb, nahmen wir Taxis. Langsam schlenderten wir durch die vollen Gassen von Tiberias... Abends trafen wir uns wieder zu einem Vortrag über Ideologie und Struktur der Kibbuzbewegung. Zum Abschluss des Tages gab es noch eine "Party" am Pool. Man saß zusammen und lernte sich kennen, spielte Fußball oder nahm ein Nachtbad im Pool.

Bettina, 14.7.1996: Nach einem ausgiebigen Frühstück erwartete uns ein weiterer Eindruck über die Geschichte des jüdischen Volkes. Das erste Treffen mit Zeitzeugen stand uns bevor. Margit und Oskar haben uns ausführlich und mit erschreckenden Bildern ihr Leben unter dem Nationalsozialismus beschrieben und obwohl wir schon alle über die Greueltaten in diesen Jahren viel gehört hatten, war es doch aus dem Mund eines Überlebenden viel ergreifender als alles zuvor Erfahrene. Fast alle mussten die Tränen unterdrücken und einige ließen diesen auch freien Lauf. Die Betroffenheit stand allen regelrecht ins Gesicht geschrieben. Was ich aber gut fand war, dass beide am Anfang ihrer Erzählung erst einmal betont hatten, dass sie nichts gegen uns als Deutsche hätten und wir als Jugend die Träger der Zukunft seien.

 

D 7 Yitzhak Rabins Grab

Eine deutsche Schülerin legt einen Stein auf das Grab von Yitzhak Rabin, dem ermordeten israelischen Ministerpräsidenten.

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Bild: privat

 

D 8 Auswertung

Nir Atir, der israelische Projektleiter, befragte zum Abschluss des Austausches mit Ludwigsburg die deutschen und israelischen Schüler schriftlich über ihre Eindrücke. Die wichtigsten Ergebnisse sind hier von ihm zusammengefasst (Übersetzung aus dem Englischen).

Antworten der israelischen Gruppe

Programm in Israel. Die Organisation wurde überdurchschnittlich gut beurteilt. Die Besuche im Diaspora-Museum und in Massuah bekamen eine relativ schlechte Wertung ("langweilig" bis "überflüssig"). Der Besuch in Yad Vashem erhielt eine sehr hohe Bewertung. Bemerkt wurde, dass dieses der wichtigste Programmteil war.

Programm in Polen. Fünfzehn der Jugendlichen sind für eine gemeinsame Reise nach Polen, einer dagegen. Es wurde die Trennung der Gruppen bei den Besuchen der ehemaligen Konzentrationslager gefordert. Ebenso sollten die Gespräche nach den Rundgängen getrennt erfolgen.

Die Mehrheit der israelischen Schüler hielt gemeinsame Veranstaltungen für sehr wichtig und möchte, dass die deutschen Jugendlichen einen großen und aktiven Part dabei übernehmen.

Programm in Deutschland. Die Unterbringung und die Kommunikation mit den Deutschen bekam eine gute Bewertung. Die Organisation auf Seiten der Deutschen bekam eine niedrige Wertung. Hier kommt es darauf an, den deutschen Gastgebern die Botschaft zu übermitteln, im nächsten Jahr ein besseres und ausgefeilteres Programm zu organisieren. Die Frage der Unterbringung in Gastfamilien oder in der Jugendherberge bleibt offen, weil sich Gegner und Befürworter die Waage halten.

Antworten der deutschen Gruppe

Programm in Israel. Es bestand der Wunsch, sich stärker mit dem heutigen Israel auseinanderzusetzen (israelisch-arabischer Konflikt, Armee, Politik, Treffen mit Palästinensern). Tief beeindruckt und erschüttert waren die deutschen Jugendlichen vom Besuch in Yad Vashem. Die Vorträge über das Kibbuz wurden als interessant eingestuft. Die Gespräche mit Überlebenden bekamen eine hohe Note und wurden als interessant und bewegend bezeichnet. Die Gespräche hätten das Wissen über den Holocaust vermehrt und seien in ihrer Anzahl gut ausgewählt. Der Aufenthalt im Kibbuz bekam hohe Noten bezüglich der Unterbringung, der Kommunikation mit den Israelis und der Organisation vor Ort.

Programm in Polen. Die Diskussionen nach den Rundgängen erhielten schlechte Noten. Gefordert wurde die Aufteilung in Kleingruppen. Unentschieden wurde die Frage beantwortet, ob der Besuch in Polen die Beziehungen zwischen beiden Gruppen eher gestört oder gefördert hätte. Mit einer hohen Wertung sprachen sich die Deutschen für gemeinsame Veranstaltungen aus.

Programm in Deutschland. Die Mehrheit der Befragten ist für die Unterbringung in Familien.

 

D 9 Gedenken in Dachau

Gemeinsame Gedenkzeremonie der israelischen und deutschen Gruppe auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau

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Bild: privat

 


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