Zeitschrift

Jüdisches Leben in Baden-Württemberg

Möglichkeiten der Begegnung


Baustein D
Deutsch-israelischer Schüleraustausch

D1 - D2 Begegnungen der Jugendlichen


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Inhaltsverzeichnis


D 1 Aus israelischer Sicht

Berichte über den Austausch zwischen der Einot Yarden High School im Oberen Galiläa und dem Ellental-Gymnasium Bietigheim (Übersetzung aus dem Englischen)

Noa: Im Jahre 1994 fuhr unsere Gruppe zum zweiten Teil des Schüleraustauschs nach Deutschland. Diese Reise haben wir zwei Jahre lang vorbereitet: wir wurden zu Experten auf dem Gebiet des Holocaust, in deutscher Politik und ihren Problemen, auch dem der Neo-Nazis. In Deutschland erfuhren wir Genaueres über die verschiedenen Schultypen, über die "deutschen" ökologischen Probleme und das Recycling. Am wichtigsten jedoch war der persönliche Kontakt zu unseren Gastgebern. Die Gastfreundschaft in den Familien unserer Austauschpartner war unglaublich und wir kamen den deutschen Teilnehmern menschlich sehr nahe. Einige unserer deutschen Freunde haben uns seither in Israel wieder besucht. Zu Beginn unserer Reise - im Flugzeug - hörten wir mit Beklemmungen die deutsche Sprache und hatten große Befürchtungen davor, auf ältere Leute zu treffen, die möglicherweise am Zweiten Weltkrieg teilgenommen haben könnten. Doch diese Gefühle verschwanden, sobald uns unsere Gastgeber in Empfang genommen hatten. Eine unserer herausragenden Erfahrungen des Aufenthaltes war eine Diskussionsrunde in der Schule mit interessierten Schülern, die nicht am Austauschprogramm teilnahmen, und Eltern. Wir sprachen in der Öffentlichkeit über die israelische Politik, und die deutschen Schüler diskutierten über die Art und Weise, wie sie sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen sollten. In anderen interessanten Gesprächen fragten wir Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und einen Sozialarbeiter, der mit jungen Neo-Nazis gearbeitet hatte. Aber wir hatten auch viel Spaß zusammen, z.B. abends in den Discos, und wir verbrachten viel Zeit bei endlosen Gesprächen ... Wir alle betrachten dieses Austauschprogramm als eine unserer wichtigsten Aktivitäten während unserer High-School-Zeit.

Itai: Ich wollte gerne junge Leute aus dem Ausland treffen und hoffte auf lohnende Erfahrungen auch bei der Behandlung ernsterer Themen. Die Woche, die wir mit den deutschen Schülern verbracht haben, erfüllte meine Erwartungen vollkommen. Wir beschäftigten uns mit sehr ernsten Themen in der Schule und hatten eine Menge Spaß am Abend. Für mich war es wichtig, dass der Holocaust einbezogen wurde, weil dieser immer noch einen Schatten über die Juden wirft. Ich war froh, dass diese Diskussionen zum offiziellen Programm gehörten, denn es ist fast unmöglich, Themen dieser Art bei informellen Treffen mit Leuten anzusprechen, die man gerade erst kennengelernt hat. Letztendlich machten wir die Beobachtung, dass die deutschen Schüler, was Ansichten und Interessen betrifft, uns sehr ähnlich sind.

 

D 2 Aus deutscher Sicht

Bericht einer deutschen Schülerin über den Austausch mit der Einot Yarden High School

Andrea: Es ist interessant, mit Menschen zu sprechen, deren Vorfahren von unseren Vorfahren verfolgt und vertrieben wurden. Wenn man die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählt bekommt, ist dies zunächst äußerst erschütternd. Jedoch ist es schön, dass man versuchen kann, den heutigen Jugendlichen in Israel zu vermitteln, dass Deutschland sich gewandelt hat und dass für Juden heute keine Gefahr mehr besteht, nach Deutschland zu kommen. Auch das Land selbst mit seiner Kultur ist interessant: auf der einen Seite recht europäisch, auf der anderen jedoch total arabisch. Wenn man das Land besucht hat, kann man langsam anfangen zu begreifen, warum es zu innenpolitischen Spannungen kommt und warum keiner von seinem Standpunkt abweicht. Für mich hat der Israelaustausch viel an Erfahrungen und Lebenseindrücken gebracht.

 


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