Zeitschrift

Jüdisches Leben in Baden-Württemberg

Möglichkeiten der Begegnung


Baustein A
Besuch in einer Synagoge

A4 - A8 Jüdische Feiertage und Feste


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Inhaltsverzeichnis

 


A 4 Schabbat feiern

Der Text darf leider nicht im Internet veröffentlicht werden.

Inge Auerbacher: Ich bin ein Stern. Weinheim/Basel: Beltz & Gelberg 1992, S. 28 ff.

 

A5 Menüvorschlag für Rosch Haschana

Rosch Haschana fällt in den September. "Rosch" bedeutet Kopf und Anfang, "Haschana" heißt Jahr, also bedeutet Rosch Haschana der Anfang des jüdischen Kalenderjahres... Das Festmahl ist ein traditioneller Bestandteil des jüdischen Neujahrsfestes. Der Tisch wird mit dem schönsten und feinsten Geschirr gedeckt. Die Speisen drücken durch ihre Form und Farbe unsere Wünsche für das kommende Jahr aus: Fisch, dessen Kopf (Rosch) mitserviert wird, als Symbol der Fruchtbarkeit, Karotten in Scheiben geschnitten (Zimmes) symbolisieren das Gold der Wohlhabenheit, und die Challot [Brot, geflochtene Mohnzöpfe] werden an diesen Tagen rund geformt und mit Zucker und Rosinen angereichert in der Hoffnung auf ein rundum gutes Jahr. Auf dem Festtagstisch dürfen Honig und Äpfel nicht fehlen in der Erwartung auf ein süßes und glückliches Jahr. Vor der Mahlzeit werden die Apfelscheiben in den Honig getaucht und nach einem entsprechenden Segensspruch verspeist. Granatäpfel, die bekanntlich viele Kerne haben, bedeuten die Erfüllung der vielen Wünsche und Hoffnungen. Saure oder bittere Speisen werden an diesen Tagen nicht verzehrt. Zu den symbolträchtigen Speisen des Rosch Haschana gehört der Honigkuchen - Honiglekach.

Menüvorschlag

Challa - Apfelscheiben mit Honig

Gesülzter Karpfen

Hühnerbrühe mit Kreplach

Gebratene Ente - Kartoffelkneidlach - Zimmes

Obstsalat

Honig-Kuchen

 

Rezept für Challa, Mohnzopf für Schabbat und Feiertage

Zutaten: 1 kg Mehl, 1 Ei, 2 TL Salz, 1/2 Glas Zucker, 1 Glas Öl, 2 Würfel Hefe (in einem Glas warmem Wasser [0,2 l] auflösen), ca. noch 1 Glas lauwarmes Wasser.

1. Mehl mit der aufgelösten Hefe mit dem Knethaken rühren.

2. Alle Zutaten hinzufügen und ca. 1 Glas lauwarmes Wasser zugeben. Teig so lange kneten, bis er glatt und glänzend wird.

3. Mit einem Küchentuch zudecken, 2 Stunden gehen lassen.

4. Entweder zu 2 Zöpfen flechten oder zu 2 Schnecken formen.

5. Auf Backblech legen, mit Eigelb bestreichen und mit Mohn bestreuen.    Stunde backen bei 175-200­ C

Noemi Berger: Das koschere Kochbuch. Stuttgart 1995,

S. 9 f. u. S. 181. Bezug über WIZO-Gruppe Württemberg e.V.; Tel. (0711) 2264901; Fax (0711) 2283618; Preis 29,00 DM

 

A 6 Rosch Haschana in der Stuttgarter Synagoge

Edith Baer erzählt ihre Jugend in Stuttgart in literarischer Verfremdung. Ihre Hauptfigur, Eva Bentheim, wächst im schwäbischen "Thalstadt" (= Stuttgart) auf und besucht zum jüdischen Neujahrsfest die Synagoge (= die alte Stuttgarter Synagoge in der Hospitalstraße).

Ihr eigenes Jahr begann im frühen Herbst, mit Rosch Ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, das festlich und ernst zugleich war. Daran schloss sich Jom Kippur* an, ein noch heiligerer Tag, an dem Buße getan und gefastet wurde. An den Abenden, die diese ehrfurchtgebietenden Tage einleiteten, holten die Cousinen sie nach dem Essen zur Synagoge ab...

Die Synagoge mit der blau-goldenen Kuppel war voller festlich gekleideter Menschen mit Feiertagsgesichtern. Ella trottete nach oben auf die Empore, wo sie mit ihrer Mutter bei den Frauen Platz nahm. Eva und Uschi gingen an der Reihe dunkel gekleideter Männer vorbei und schlüpften auf die Mädchenbänke, die gegenüber der Lade mit den Thorarollen standen. Der reich bestickte Samtvorhang war schon beiseite gezogen, damit die mit goldenen Kronen geschmückten Rollen in ihren purpurfarbenen, silberdurchwirkten Hüllen zu sehen waren - als präsentiere man den Gästen zur Feier des Tages die schönen, wohlbehüteten Kinder des Hauses. Die Orgelmusik schwoll an, der Chor sang inbrünstig. Eva hörte, wie der feine Mezzosopran ihrer Mutter in die Lieder einstimmte, und sie tat es ihr nach und passte die ihr kaum verständlichen Worte den vertrauten Feiertagsmelodien an...

Der Kantor in seiner langen Robe hob den gefüllten Kidduschkelch**, um die Segenssprüche zu singen; seine Stimme perlte dunkel wie der rote Wein in dem runden Silbergefäß, und der Schofar, das uralte Widderhorn, ließ seinen durchdringenden Ruf zur Buße schallen, urtümlich und klagend wie der Schrei eines verwundeten Muttertieres, das nach seinem verirrten Jungen blökt. Der bärtige, hagere Rabbi Gideon erhob seine Gelehrtenhände über der Kanzel. Er bat Gott um Vergebung für die Sünden des vergangenen Jahres, aber auch um Beistand für den Reichspräsidenten Hindenburg, "den greisen Mann, der die Geschicke unseres Staates lenkt..." Dann sprach er den priesterlichen Segen über die geneigten Köpfe: "Der Ewige wende sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden."

Als Eva Arm in Arm mit den Eltern die Synagoge verließ - ihr Vater, ein seltener Gottesdienstbesucher, trug seinen gefalteten Gebetsschal und sah mit dem feierlichen Zylinder schön, aber zugleich nicht ganz dazugehörig aus -, fühlte sie sich von den Segnungen des Rabbi so wohlig und sicher umhüllt wie von einem schützenden Umhang. Draußen auf der laternenbeleuchteten Straße traten Freunde und Familien kurz zusammen, schüttelten sich die Hände und murmelten: "Mögest du für ein gutes neues Jahr eingeschrieben sein."

* Jom Kippur: Versöhnungstag

** Kiddusch: wörtl. Heiligung, Segensspruch; hier: über den Wein

Edith Baer: Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht. Frankfurt/Main: Fischer 1995, S. 57-60

 

A 7 Speisegesetze und Sabbatruhe I

Israel M. Lau ist der Oberrabbiner des Staates Israel. In seinem Buch "Wie Juden leben" erläutert er praktische Fragen zum jüdischen Alltag aus orthodoxer Sicht.

Selbstverständlich wird jemand, der bei sich zu Hause die Kaschrut-Vorschriften (= Speisegesetze) befolgt, sie auch außerhalb des eigenen Hauses und auch im Ausland wie zu Hause befolgen. Beweisen wir uns und den anderen, dass wir allen augenblicklichen Wünschen und Genüssen entsagen und auch den kleinen Verlockungen widerstehen können. Die Kaschrut ist Kennzeichen und Schutzmauer des jüdischen Hauses. Bewahren wir diese Mauer!

Das Verbot, [am Sabbat] gewisse Gegenstände zu bewegen, geht auf eine Entscheidung der Weisen zurück... Die Beschäftigung mit diesen Dingen wird vom Verbot des Gehens und des Sprechens über werktägliche Dinge am Sabbat hergeleitet. Ein weiterer Grund ist der, dass jemand, der werktägliche Gegenstände bewegt und sich mit ihnen beschäftigt, möglicherweise auch das Gebot der Thora missachtet, das ihm vorschreibt, am Sabbat zu ruhen... Alle vor allem für den Sabbat untersagten Arbeiten dürfen am Sabbat auf keinen Fall angerührt, noch dürfen alltägliche Dinge bewegt werden, damit derjenige, der sie anrührt oder bewegt, nicht zu ihrem Gebrauch verführt wird. Beispiele dafür sind ... Geld, Kraftwagen ... usw.

Israel M. Lau: Wie Juden leben. Glaube, Alltag, Feste. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 4. Aufl. 1997, S. 77, 152

 

A 8 Speisegesetze und Sabbatruhe II

Darf leider nicht im Internet veröffentlicht werden.

Frankfurter Allgemeine Magazin vom 7.2.1992 (Irene Mayer-List)

 


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