Zeitschrift

Jüdisches Leben in Baden-Württemberg

Möglichkeiten der Begegnung

 

Vorwort des Herausgebers

 


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Inhaltsverzeichnis


Es gibt viele wichtige Themen, welche die Grenzen der Schulfächer übersteigen. In solchen Fällen ist es erstrebenswert, über die Fachgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Auch das erste der fächerverbindenden Themen für Klasse 10 - Juden in Deutschland - gehört zu dieser Kategorie.

Die Schülerinnen und Schüler können bei einem solchen Projekt am Ort oder in ihrer Region auf historische Spurensuche gehen, jüdische Gemeinden besuchen, Synagogen, Gottesdienste, Feste und Bräuche des Judentums kennenlernen und - wo immer dies möglich ist - mit Juden, vielleicht sogar mit jüdischen Mitschülerinnen und Mitschülern ins Gespräch kommen. Es versteht sich von selbst, dass dabei die Geschichte der Entrechtlichung und Vernichtung der Juden in der Nazi-Zeit nicht ausgeblendet werden darf, andererseits wäre es verfehlt, junge Juden und Christen, Israelis und Deutsche auf vorgegebene Opfer- und Täterrollen festzulegen. Beide Seiten wollen das in der Regel auch nicht.

Der erste Baustein unseres Heftes zeigt, wie man den Besuch in einer Synagoge planen, vorbereiten und durchführen kann. Hilfestellung für die Spurensuche am Heimatort gibt der zweite Teil dieser Ausgabe von "Politik und Unterricht". Die Bilder und Texte, hier am Beispiel Haigerlochs, fordern dazu auf, an den jüdischen Spuren in unserer Umgebung nicht achtlos vorüberzugehen, sondern sie zu entdecken und zu verstehen. Der dritte Baustein enthält viele Texte darüber, wie Juden heute in Deutschland leben. Die Beschäftigung mit Aussagen von Menschen verschiedenen Alters können auch dort zum besseren Verstehen beitragen, wo persönliche Begegnungen mit Juden nicht möglich sind. Die Lektüre der Texte ist aber auch eine gute Vorbereitung für das Gespräch mit Juden, die heute bei uns leben. Ein Projektbericht besonderer Art schließt diese Ausgabe ab. Geschildert wird ein deutsch-israelischer Schüleraustausch zwischen Ludwigsburger Gymnasien und Schulen in Israel. Die Tagebuchnotizen und Protokolle sowie die Reflexionen der begleitenden Lehrkräfte zeigen anschaulich, was zu bedenken ist, wenn man einen solchen nicht alltäglichen Schüleraustausch verwirklichen will.

Der deutsch-jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat darauf vertraut, dass Menschen, wenn sie persönlich miteinander zu tun bekommen, das gemeinsam Verpflichtende spüren. Unser Heft über jüdisches Leben in Baden-Württemberg will dazu beitragen, solche fruchtbaren Begegnungen möglich zu machen. Grundsätzlich sollten dabei nicht nur der Religions- und Ethikunterricht, sondern auch die Fächer Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde einbezogen werden.

Siegfried Schiele

Direktor der Landeszentrale für politische Bildung

Baden-Württemberg

 


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