Baustein A

Freizeitgestaltung von Jugendlichen
(Ulrich Manz)


Freizeit zu haben ist etwas sehr Schönes. Die Beine hochlegen zu können, Musik zu hören, mit Freunden zusammen zu sein oder ins Kino gehen zu können darauf freuen sich die meisten Menschen nach getaner Arbeit. Freizeit, davon kann man nie genug ha ben. Und die Bevölkerung in der Bundesrepublik hat hiervon in der Vergangenheit reichlich bekommen. Jeder Bundesbürger verfügt heute über 70 Prozent mehr freie Zeit als noch vor 30 Jahren. Laut einer Studie der Forschungsgruppe Sportökonomie wächst die Freizeit eines Westdeutschen aufgrund der anhaltenden Verkürzung der Wochen-, Jahres und Lebensarbeitszeit auf 2887 Stunden im Jahre 2000 an. Im Jahre 1975 standen ihm jährlich noch 876 Stunden weniger zur Verfügung. Umgerechnet auf einen Tag bedeutet dies eine Zunahme der freien Zeit um nahezu zweieinhalb Stunden. Auch schul pflichtige Kinder und Jugendliche haben von diesem Trend profitiert.
Eigentlich sollte uns diese Tatsache freuen und keinerlei Anlaß zur Kritik geben. Doch die Freizeitwirklichkeit im allgemeinen und insbesondere bei jungen Menschen sieht leider nicht so erfreulich aus, wie wir uns das alle gerne wünschten.

Freizeitverhalten

Das Freizeitverhalten der jungen Generation zeigt derzeit zwei auffällige, aber gegenläufige Tendenzen. Da sind auf der einen Seite die jungen Leute, die mit der frei verfügbaren Zeit nichts oder nur sehr wenig anzufangen wissen. Sie erleben im Elternhaus Freizeit als eine langweilige, meist durch übermäßigen Medienkonsum ausgefüllte Angelegenheit. Diese Situation ist äußerst unbefriedigend, wie die beiden Zitate aus einer Umfrage unter Jugendlichen belegen:

"Viele Kinder und Jugendliche werden vernachlässigt und können mit ihrer Freizeit nichts Besseres anfangen als Quatsch zu machen."

"Viele Jugendliche wissen nicht, was sie in ihrer Freizeit tun sollen. Sie haben Langeweile; Klauen wird zum Zeitvertreib."

Aus beiden Aussagen ist der Vorwurf heraus zuhören: Hättet Ihr (Erwachsene) uns geholfen, dann wäre es nicht so weit gekommen. Viele Experten se hen zwischenzeitlich einen direkten Zusammenhang zwischen der fehlenden Freizeitkompetenz junger Menschen und der Zunahme der Kriminalität, Ag gressivität und Gewalt.

Schaubild 5: Wachsende Kinderkriminalität>

Schaubild 6: Freizeitplan einer sechzehnjährigen Schülerin

  Montag     Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag
14.00 Heimkehr von der Schule - Mittagessen
15.00 Gitarren-
unterricht
Schule x Schule x x
16.00 x Schule Konfirman-
denunter-
nicht
Schule Gruppen-
stunde
Handball-
spiele
17.00 Gruppen-
stunde
Handball-
training
x Handball-
training
x Handball-
spiele
18.00 x x Gitarren-
unterricht
x Ballett x
19.00 Ballett Babysitting
bis 22 Uhr
x x x x
20.00 x Babysitting x Babysitting
bis 22 Uhr
x x
x Stunden zur freien Verfügung (einschließlich Erledigung der Hausaufgaben)


Die Kehrseite der Medaille zeigt eine ganz andere junge Generation. Sie beklagt sich nicht über den Mangel an Freizeitbeschäftigung, sondern im Gegenteil über das Zuviel. Ihr Terminkalender ähnelt dem eines Managers. Sie hetzt von Termin zu Termin, um die von den Eltern oder die sich selbst auf erlegten Aktivitätspflichten zu erfüllen oder nicht zu verpassen. Freizeit wird zum absoluten Muß und zum Streß. Eine 16jährige Realschülerin beschreibt ihre Situation so: "Ich versuche fast immer, gleich nach dem Essen meine Hausaufgaben zu machen. Was ich dann nicht schaffe, erledige ich abends, oftmals auch beim Babysitten in der Nachbarschaft, womit ich mir etwas Geld verdiene. Es macht großen Spaß, mit Gleichaltrigen im Verein oder der Gruppe zusammen zu sein. Aber manchmal wächst mir die Sache schon über den Kopf, vor allem dann, wenn sich in einer Woche die Arbeiten häufen." (Nach Wirtschaftsspiegel 2/91: Die Zeit wird knapp, Deutscher Sparkassen Verlag, Stuttgart) (Vergleiche dazu Schaubild 6)

Durch die vielen Aktivitäten geht der Blick für das Wesentliche verloren. Man springt von Highlight zu Highlight, ist aber nicht mehr fähig, sich längere Zeit intensiv mit einer Sache zu beschäftigen. Der Frei zeitforscher Horst. W. Opaschowski bezeichnet deswegen die Jugendlichen von heute auch als "Konfettigeneration".

Schaubild 7: Jugend und Freizeit

Unbestritten ist: Kinder und Jugendliche benötigen Freiräume und Aktivitäten als Ausgleich zur Schule und Berufsausbildung. Vielen aber fehlt die notwendige Fähigkeit, die reichlich vorhandene Freizeit zu kanalisieren und für eine Selbstbestimmte, aktive Gestaltung des Lebens zu nutzen. Versagt haben in dieser Frage nicht nur die Elternhäuser, sondern ins gesamt unsere Gesellschaft. Sie hat die Problematik zu spät erkannt und nur halbherzig darauf reagiert. Es wird nicht einfach sein, die negativen Tendenzen aufzufangen und verloren gegangenes Terrain wiederzugewinnen.

Schaubild 8:  Buchstabierte Freizeit

F = Freude - Frust
R = Regeneration - Resignation
E = Erlebnis - Einsamkeit
I = Individualisierung - Illusion
Z = Zerstreuung - Zerstörung
E = Energie auftanken - Energie verschwenden
I = Interesse - Ideenlosigkeit
T = Träume - Trauma
In Anlehnung an Opaschowski  


Begründung und Intentionen

Unser Schulgelände2 mit dem Schulhof und einem angrenzenden Park entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche. Bei schönem Wetter in der Frühjahrs und Sommerzeit halten sich dort in der schulfreien Zeit oft weit über hundert junge Menschen auf. Während der Großteil der Kinder bis zu etwa 12 Jahren die freie Zeit noch aktiv zum Ballspielen und Radfahren nutzt, sitzen die meisten der über Zwölf jährigen und die Jugendlichen nicht selten ganze Nachmittage, gelegentlich bis in die späten Abend stunden, in kleinen Gruppen beisammen, neben sich die Cola-Dose und Knabbergebäck. Gespräche 2 Schiller-Schule Esslingen a. N., Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule kommen kaum zustande, da der laut dröhnende Radiorecorder die Rolle des Unterhalters übernimmt. Auf die Frage, ob es ihnen nicht langweilig sei, antworten sie, es gebe hier in der Nähe nichts Besseres und außerdem gefiele es ihnen so. Wenn sie nach Hause gingen, müßten sie arbeiten und auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen. Freizeit sei dort viel langweiliger als auf dem Schulhof. Hier träfen sie wenigstens ihre Freunde und sie könnten mit ihnen reden.

Die hier beschriebene Situation und eine Reihe weiterer Erfahrungen mit Jugendlichen und deren Um gang mit ihrer freien Zeit regten dazu an, ein Projekt über Freizeitverhalten und Freizeitgestaltung an der Schule anzupacken. Lernorte sollten dabei die Freizeiteinrichtungen der Gemeinde und der Kirchen sein.

Die politische Dimension von Freizeit sollte erfahren und anschaulich gemacht werden durch Besuche von öffentlichen Gemeinde- und Jugendgemeinderatssitzungen und durch die Teilnahme an politischen Veranstaltungen und Diskussionen. Lediglich zur Vor- und Nachbereitung der Vorhaben mußte die Schule aufgesucht werden.

Was sollte mit diesem Projekt erreicht werden? Sicherlich wäre es vermessen gewesen zu glauben, bei den teilnehmenden Mädchen und Jungen würde eine Um- oder Neuorientierung in ihrem Freizeitver halten erzielt. Das Projekt half aber sicher, den jun gen Leuten Anregungen für die eigene Freizeitgestaltung zu geben, Schwellenängste zu überwinden, die Urteilskraft zu schärfen und politische Mechanismen und Einflüsse besser zu durchschauen.

Planung und Organisation

Der Themenbereich Freizeit ist im Bildungsplan der Hauptschule schwerpunktmäßig in der Klassenstufe 7 in dem fächerverbindenden Thema "Medien und Freizeit" und in der Lehrplaneinheit 1 des Gemeinschaftskundeunterrichts "Die Lebenswelten der Jugendlichen" angesiedelt. Weiterhin finden sich Anknüpfungs- und Berührungspunkte in den fächer übergreifenden Einheiten "Suchtprävention" und "Leben in der Familie" der Klassen 8 und 9. Freizeit ist also eine Thematik, die mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen durchgängig in der Ober stufe der Hauptschule aufgearbeitet werden soll. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist eine vertiefte Behandlung freizeitrelevanter Themen im 7. Schuljahr sinnvoll und richtig, da sich auf dieser Altersstufe die Verselbständigung und Abnabelung vom Elternhaus vollzieht. Gegen eine isolierte Be sprechung nur in Klasse 7 spricht aber die Tatsache, daß sich in der Regel im B. Schuljahr eine für junge Leute bedeutsame rechtliche Änderung ergibt: Aus Kindern werden Jugendliche. Mit dem Statuswandel ist nicht selten eine Erhöhung des Budgets und da mit auch eine Veränderung der Freizeitgewohnheiten verbunden. Man kann sich mehr leisten und man kann, was aus der Sicht der Jugendlichen sehr wichtig ist, abends länger ausgehen.

Der bildungspraktische Ansatz und die psychologisch-rechtliche Sichtweise führten zu der Überlegung, das Projekt jahrgangsübergreifend für die Klassenstufen 7 bis 9 anzubieten. Dafür schien das "Erweiterte Bildungsangebot" (EBA) der geeignete Rahmen zur Durchführung zu sein. Da das EBA außerhalb der üblichen Unterrichtszeiten durchgeführt wurde, hatten viele Interessierte die Möglichkeit teilzunehmen. Zudem erforderte das Projekt ein großes Maß an zeitlicher Flexibilität; und die war im EBA gegeben.

Zunächst mußte der Teilnehmerkreis gefunden wer den. Mit einem Flugblatt (A 1), das in den Klassen zimmern der Klassen 7 bis 9 und am Schwarzen Brett aushing, wurde für das Projekt geworben. Die Nachfrage war enorm. Bei einem ersten Treffen wurden die Inhalte und Aktionen des Projekts im Detail erläutert und eine Einverständniserklärung an die Eltern verteilt (A 2). Das war notwendig, da einige Aktionen am Abend stattfanden. Nach dem Rücklauf des Schreibens lichteten sich die Reihen der Teilnehmer. Letztendlich waren 14 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 dabei.

In der Vorbereitungsphase des Projekts mußten Kontakte zu den Institutionen und Einrichtungen und deren verantwortliche Personen geknüpft wer den. Dies geschah zunächst telefonisch. Bei einer Vor-Ort-Besichtigung lernte man sich persönlich kennen, Vorstellungen und Ideen wurden ausgetauscht und erste Überlegungen zu den Besuchen angestellt. Insbesondere der Gemeinderatsbesuch ist weit vorausschauend zu planen, da freizeitrelevante Fragen und Themen nicht Gegenstand jeder öffentlichen Sitzung sind.

Weil eine fächerverbindende Kooperation im eigentlichen Sinne aus Koordinierungs- und Zeitgründen nicht möglich war, beschränkte sich die Zusammen arbeit mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fach bereiche auf Teile des Projekts. So vermittelten beispielsweise die Katechetinnen erste Kontakte zu den kirchlichen Freizeitorganisationen, der Fachlehrer für Informatik half bei der Gestaltung und der Herstellung der Fragebögen und Briefe; im Fach Deutsch wurden Interviewtechniken geübt und Konzepte für die erforderlichen Schreiben erstellt. Sowohl das gegenseitige Sich-Kennenlernen als auch die Unterstützung durch die Kolleginnen und Kollegen in der Schule erwiesen sich als vorteilhaft und sinnvoll.

Projektdurchführung Freizeitverhalten von Jugendlichen

Ein erster Schritt war die Erforschung des Freizeitverhaltens von jungen Leuten. Die Probanden waren Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9. Diese Altersgruppe wurde ausgewählt, weil sie alters mäßig identisch mit der der Projektgruppe war. Zur Befragung verwendeten die Projektteilnehmer einen Fragebogen (A 4) mit geschlossenen Fragen (Multiple-Choice-Verfahren).

In einer Testphase wurde der Bogen zunächst an der eigenen Schule erprobt. Danach schwärmten die Schülerinnen und Schüler an die benachbarten

Haupt- und Realschulen sowie an ein Gymnasium aus. Zuvor war den Schulleitungen ein Schreiben (A 3) zugegangen, in dem Vorschläge zum Ablauf der Aktion gemacht wurden und um Unterstützung gebeten wurde. An der Befragung beteiligten sich 376 Schülerinnen und Schüler, davon 120 Siebt-, 124 Acht- und 132 Neuntkläßler. Die Auswertung der Fragebögen fand in der Schule statt. Da sie per Hand sehr zeitaufwendig gewesen wäre, erfolgte sie über ein eigens entworfenes Computerprogramm. Zudem ließen sich die Ergebnisse per Computer schnell und übersichtlich in graphischer Form dar stellen. Die interessantesten sind in Schaubildern im Materialteil zusammengefaßt (A 5 bis A 8).

Freizeiteinrichtungen und Freizeitangebote

Ein erstaunliches Ergebnis und für den Fortgang des Projekts wichtige Erkenntnis aus der Schülerbefragung war die Tatsache, daß acht von zwölf Jugendeinrichtungen nur etwa einem Viertel der Befragten bekannt waren. Ganz ähnlich sah die Situation in der Projektgruppe aus. Deshalb stand das Kennenlernen der Freizeitstätten im Vordergrund dieser Projektphase.

Da gemeinsame Besuche aller Jugendeinrichtungen zeitlich nicht möglich waren, wurden Kleingruppen mit drei bis vier Schülerinnen und Schülern gebildet, die je drei Jugendtreffpunkte besuchten (A 9, A 10). Der erste Besuchstermin wurde außerhalb des Freizeitbetriebes vereinbart, um Gespräche mit Betreuerinnen und Betreuern führen, die Örtlichkeiten besichtigen und sich über die Angebote gründlich informieren zu können. Zur Abrundung des Bildes gab es einige Tage später einen zweiten Besuch während der Öffnungszeiten. Mittels Interviews soll ten Besucher zu folgenden Fragen Stellung nehmen: Weshalb kommst du hierher? Kommst du regelmäßig? Was gefällt dir hier besonders? Was könnte man deiner Meinung nach verbessern?

Aus verschiedenen Gründen verlief diese Aktion weniger befriedigend. Hier sollen die zwei wichtigsten genannt werden. Die meisten Jugendlichen empfanden das Interview als lästig und störend. Sie gaben nur widerwillig Auskunft und die meisten Antworten waren unzureichend und wenig aussagekräftig. Außerdem war das Sich-Verständigen wegen des großen Lärmpegels kaum möglich.

Trotz des relativ geringen Informationsgehalts der Besucher-Interviews entstanden aus den Ge sprächen mit den Betreuerinnen und Betreuern, aus der Anschauung und den gemachten Erfahrungen Dokumentationen (A 11), die den Schülerinnen und Schülern der Schule zwar kein vollständiges, aber doch ein interessantes Bild von der jeweiligen Einrichtung vermittelten. Eine Mitarbeiterbefragung und die Kartierung der Freizeiteinrichtungen auf der Ortskarte (A 12) vervollständigten den Eindruck über die Jugendeinrichtungen in der Gemeinde. Rasche Verwirklichung fand die Idee der Projektgruppe, in der Schule einen Schaukasten für Informationen der Jugendhäuser und Jugendtreffs zu installieren (A 13).


Freizeit und Politik

Die Gemeinden, die Kirchen, soziale und karitative Verbände und Einrichtungen beeinflussen als Träger der Jugend- und Freizeitarbeit diese durch ihre Politik. Ob eine Jugendeinrichtung eröffnet oder geschlossen, ob Finanzen aufgestockt oder gekürzt werden, darüber beschließen ihre Gremien. Dieser politische Aspekt ist nur wenigen Schülerinnen und Schülern bekannt. Um Sachverhalte verstehen zu können, muß ihnen auch der politische Hintergrund der Freizeitarbeit in seinen wichtigsten Strukturen transparent gemacht werden. Deshalb befaßte sich die Projektgruppe in diesem Abschnitt insbesondere mit den Entscheidungsträgern und politischen Mechanismen und deren Einfluß auf die Freizeitinstitutionen und -arbeit.

Mehrere Gründe spielten eine Rolle, weshalb die Entscheidung zugunsten der Prozeßbeobachtung auf kommunaler Ebene ausfiel. Erstens: Der Lehr plan in Gemeinschaftskunde für die Klasse 7 schreibt das Thema "Politische Entscheidungen in Gemeinde und Kreis" verbindlich zur Behandlung im Unterricht vor. Zweitens: An diesem Beispiel lassen sich grundlegende politische Kenntnisse und Entscheidungsabläufe vermitteln und exemplarisch auf die Landes- und Bundespolitik übertragen. Drittens: Die gerade anstehenden Oberbürgermeisterwahlen in der Gemeinde konnten in diesem Projektabschnitt geschickt genutzt und integriert werden.

Der erste Schritt innerhalb dieser Projektphase war ein Besuch einer öffentlichen Gemeinderatssitzung. Behandelt und abschließend beraten wurde dort unter anderem die Einrichtung eines Jugendtreffs. Da die Schülerinnen und Schüler zum erstenmal im Gemeinderat waren, erhielten sie vorab eine Sitzordnung der Gemeinderatsmitglieder (A 14). Diese diente ihnen als Orientierungshilfe. Je drei oder vier Projektteilnehmer erhielten die Aufgabe, die Redebeiträge und das Abstimmungsverhalten jeweils einer Partei mitzuprotokollieren. Durch die Arbeitsteilung wurde eine Überforderung vermieden und gewährleistet, daß der Ablauf der Sitzung und die Argumentation der Parteien beobachtet und mitverfolgt werden konnte. Aus den Notizen fertigten die Schülerinnen und Schüler ein vereinfachtes Gemeinderatsprotokoll (A 15) an.

Während der Besuch der Gemeinderatssitzung politische Entscheidungsabläufe verdeutlichen sollte, ging es in den weiteren Unternehmungen um den Stellenwert der Freizeit- und Jugendarbeit. Zunächst hörten sich die Projektteilnehmer bei Kandidatinnen und Kandidaten für den Jugendgemeinderat um. Sie befragten sie nach ihren Zielen und Schwerpunkten ihrer künftigen Arbeit (A 16).

Die anstehende Oberbürgermeisterwahl war ein weiterer Anlaß, um sich umzuhören, welche Meinung politisch verantwortliche Persönlichkeiten zu freizeitrelevanten Themen vertreten. Gemeinsam besuchte die Projektgruppe eine vom Jugendgemeinderat und dem Stadtjugendring eigens für junge Leute organisierte Veranstaltung mit den bei den aussichtsreichsten OB-Kandidaten. Die wichtigsten Passagen ihrer Antworten haben die Mädchen und Jungen in einem Bericht (A 17) zusammengetragen.

Projektbewertung

Trotz des erheblichen Zeitaufwands hat den Schüle rinnen und Schülern das Projekt viel Freude bereitet. Die projektorientierte Arbeitsweise, das Erkunden vor Ort, das Sammeln von Erfahrungen und die Möglichkeit, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, haben sie beeindruckt und mit viel Engagement mitarbeiten lassen. Das zeigen auch die Ergebnisse der Befragung der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer (A 18 bis A 23). Interessant ist ins besondere der Vergleich der Bewertung des örtlichen Freizeitangebots durch alle befragten Schüler und durch die Projektgruppe vor und nach dem Projekt. Die Beteiligten gaben dem örtlichen Freizeitan gebot nach Beendigung des Projekts eine deutlich bessere Note als die Siebt- bis Neuntkläßler in der Eingangsuntersuchung und sie selbst vor Projektbeginn. Ihre Meinungsänderung führten sie vor allem auf die wesentlich verbesserte Information, das Kennen der Einrichtungen und den Kontakt zu den Betreuern zurück.

Das Projekt endete mit einem gemeinsamen Besuch einer Comedy-Show in einem nun allen bestens be kannten Jugendhaus.

Abschließend sollen hier noch einige Vorschläge der Gruppe zu einer Ergänzung des Projekts vorgestellt werden:

- Tages- und Ferienpraktika für Schülerinnen und Schüler in den Freizeiteinrichtungen

- Gemeinsame Aktivitäten von Schule und Jugendeinrichtungen (z. B. Teilnahme an Schulveranstaltungen)

- Installieren einer Informationswand für Jugendhäuser und jugendhausähnliche Einrichtungen

- Durchführen von schulischen Veranstaltungen in Jugendhäusern (z. B. Schul- und Faschingsdisco)

- Beteiligung an Initiativen.

Von den Projektvorschlägen sind zwischenzeitlich einige verwirklicht worden. Die Schülermitverantwortung (SMV) organisierte gemeinsam mit dem Stadtjugendring eine Schuldisco in einem Jugend haus. Sie knüpfte mit der Schulleitung Kontakte zu einer Spielplatzinitiative. Schüler beteiligen sich an der Reinigung der Spielplätze, sie reparieren unter Anleitung defekte Spielgeräte und helfen beim Anlegen neuer Anlagen. Ihre Meinung ist bei der Planung von Spielanlagen und bei der Beratung mit politischen Gremien gefragt. Mit städtischen und kirchlichen Freizeitorganisationen wurden erste Kontakte zur Vorbereitung und Durchführung von Schülerpraktika aufgenommen. Beabsichtigt ist, Schülerinnen und Schülern in Werkstätten der Jugendhäuser, in Freizeitgruppen und bei Ferienlagern Einblicke in die Jugendarbeit zu gewähren und sie dort mitarbeiten zu lassen.