Zeitschrift 

 

Demokratie (er-)leben

Ein Prinzip in Gesellschaft und Politik

 

Heft 2/3-2006, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport


"Eines Abends, als wir gegessen hatten, sagte Mama, wir sollten sitzen bleiben, Stichwort Familienrat. ... Unseren Familienrat hat Mama erfunden, weil sie für Demokratie ist, das heißt, sie hat's aus einem Erziehungsbuch, aber meistens bedeutet Familienrat etwas Unangenehmes. Mama und Papa versuchen dabei, uns irgendwas schmackhaft zu machen, von dem sie wissen, dass wir dagegen sind, Wanderferien zum Beispiel oder dass sie unser Taschengeld nicht erhöhen wollen. Wir reden uns die Köpfe heiß, am Schluss gibt's eine Abstimmung, und auch wenn wir Kinder drei zu zwei gewinnen, finden sie später tausend Gründe, die Sache so zu deichseln, dass es doch nach ihrem Kopf geht."

Was der 13-jährige Cassius in Lukas Hartmanns Jugendbuch "Die fliegende Groma" so knapp und nüchtern schildert, beschreibt nicht nur Mechanismen der Demokratie wie Diskussion und Abstimmung, sondern berührt zentrale Fragen der Demokratie: Wie viel gilt eine Mehrheitsentscheidung? Kann und darf es Stimmen mit unterschiedlichem Gewicht geben? Welche Erfahrungen machen Kinder und Jugendliche mit demokratischer Entscheidungsfindung? Welche Mitbestimmungsrechte werden ihnen in der Familie, aber auch in der Öffentlichkeit eingeräumt? Gleichzeitig entlarvt es den Versuch einer Familie, demokratische Spielregeln zu befolgen: Der Familienrat scheitert, die Familie stolpert über den eigenen Anspruch, weil Kinder und Jugendliche eben noch nicht an allen Entscheidungen gleichberechtigt beteiligt werden können.

Jugendliche reagieren meist empfindlich, wenn ihnen ein Recht auf Mitbestimmung verweigert wird - sie fühlen sich übergangen, gerade in einem Alter, in dem sie sich doch schon so erwachsen fühlen. Ein Recht auf Mitbestimmung zu gewähren, bedeutet immer auch, Vertrauen zu schenken und den anderen ernst zu nehmen: Daran können Jugendliche wachsen. Deshalb lohnt sich die oft mühsame Diskussion und die gemeinsame Entscheidungsfindung. Die Glaubwürdigkeit von Demokratie misst sich auch daran, ob und inwiefern sie im Alltag erlebt wird, im alltäglichen Umgang zwischen Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern.

Das vorliegende Heft der Landeszentrale für politische Bildung will nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern die Schülerinnen und Schüler auch in demokratische Prozesse "verwickeln". Durch abwechslungsreiche Plan- und Rollenspiele können sie in spielerischer Auseinandersetzung erleben, welche Vorteile die Demokratie hat, wie man in der Demokratie verhandelt, warum in der Demokratie viel gestritten wird und wie man einen gerechten Staat schaffen kann. Spannenden Diskussionsstoff bieten Materialien zum Wahlrecht für Kinder und zur Rolle von Interessengruppen.

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hofft, dass das vorliegende Heft vielfach genutzt wird, damit Jugendliche in der Schule nicht nur Wissen über Demokratie erwerben, sondern auch Demokratie erleben. Denn nur gelebte und erlebte Demokratie bleibt lebendig.

Johanna Seebacher Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg


 

 

 

 


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