Zeitschrift 

 

Demokratie (er-)leben

Ein Prinzip in Gesellschaft und Politik

 

Heft 2/3-2006, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

D2


 

D2 Gedanken über den besten Staat
 
Platon
(427-347 v. Chr.)
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"Ich bin Platon. Ich wurde im Jahre 427 v. Chr. in Athen geboren. Mein Lehrer, Sokrates, war einer der berühmtesten Philosophen überhaupt. Er selbst hat nichts geschrieben, aber dafür erzählen fast alle meine Bücher von Gesprächen, die Sokrates mit anderen Menschen geführt hat.

Als ich ein junger Mann war, musste ich erleben, wie nach einem Krieg die Demokratie in Athen abgeschafft wurde. Ich habe viel über den besten Staat nachgedacht, und hier sind meine Vorschläge und Ideen:

In meinem Staat herrscht Gerechtigkeit. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Sie haben gleiche Rechte und Pflichten.

Ihr könnt Euch meinen Stadtstaat, die Polis, am besten als großen Menschen vorstellen. Der Kopf steht für Klugheit. In meinem Staat sind das die Philosophenkönige. Der Oberkörper steht für Kraft und Mut. Damit meine ich die Wächter. Und der untere Teil des Körpers? Der steht für die arbeitenden Menschen: die Bauern, Handwerker und Händler. Sie kümmern sich um das leibliche Wohl der Gemeinschaft.

Die Philosophenkönige und Wächter sollen zum Leben erhalten, was sie benötigen. Sie dürfen keinen Privatbesitz haben. Sie sollen alles miteinander teilen, sogar ihre Kinder. Dadurch wird die Familie überflüssig.

Aber vielleicht ist ja das, was wir Leben nennen, ein Traum und das, was wir Traum nennen, das Leben."

 

 
Thomas Hobbes
(1588-1679)
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"Mein Name ist Thomas Hobbes. Ich komme aus England, wo es zu meiner Zeit sehr unruhig war. Es gab viele Spannungen zwischen dem König und denen, die eine Demokratie wollten. Auch zwischen den unterschiedlichen Kirchen gab es Konflikte. 1640 musste ich nach Frankreich fliehen. Zwei Jahre später gab es in England einen Bürgerkrieg, der 1649 mit einer Revolution endete. Ich konnte dann zwar wieder zurück in meine Heimat, aber meine Bücher blieben weiterhin umstritten und wurden ein paar Jahre nach meinem Tod sogar öffentlich verbrannt.
Ich glaube, dass alle Menschen von Natur aus gleich sind. Körperliche Unterschiede können dadurch ausgeglichen werden, dass auch der Schwächste den Stärksten töten kann - entweder durch Hinterlist oder durch ein Bündnis mit anderen. Geistige Unterschiede sind ausbildungs- und erziehungsbedingt.

Die Gleichheit der Menschen beruht auch darauf, dass alle nach denselben Dingen streben: Erstens nach Sicherheit, zweitens nach Existenzsicherung und Wohlstand, drittens nach Respekt und Ansehen. Daraus entstehen unvermeidliche Konflikte bis hin zu einem Krieg aller gegen alle. Dies führt im Naturzustand dazu, dass jeder Mensch vor dem anderen Angst haben muss. Homo homini lupos est - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Aber eigentlich wollen die Menschen ja in Frieden leben. Dies ist jedoch nur möglich, wenn sie den Krieg aller gegen alle beenden und einen Vertrag schließen. Dieser Vertrag kommt dadurch zustande, dass einer zum anderen sagt: Ich übertrage einer bestimmten Person das Recht, mich zu regieren. Aber nur unter der Bedingung, dass auch du dieser Person das Recht gibst, dich ebenso regieren zu lassen.

Ist dies geschehen, so nennt man diese zu einer riesenhaften Person vereinte Menge Staat. Der gemeinsame Wille aller Menschen nach einem starken Staat schafft eine riesenhafte, furchterregende Kunstfigur, den Leviathan. Die Herrschergewalt stellt darin eine künstliche Seele dar, die dem ganzen Körper Leben und Bewegung gibt. Die Beamten und Richter sind künstliche Gelenke. Belohnungen und Strafen, die von der Herrschergewalt ausgehen und durch die jeder Körperteil und jedes Gelenk bewegt wird, sind die Nerven. Wohlstand und Reichtum der einzelnen Mitglieder des Staates machen den Leviathan stark. Die Ratgeber des Herrschers, die ihm alles vortragen, was er unbedingt wissen muss, sind das Gedächtnis des Leviathans. Eintracht bedeutet Gesundheit, Aufruhr, Krankheit und Bürgerkrieg sind der Tod des Leviathans."

 

 
Thomas Morus
(1477/78-1535)
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"Ich bin Thomas Morus. Ich habe erst als Anwalt gearbeitet, bevor ich 1504 in das Londoner Parlament gewählt worden bin und dort eine Karriere als Politiker gemacht habe. Allerdings bin ich später beim König in Ungnade gefallen und wurde deshalb gefangen gehalten und schließlich enthauptet. Es hatte damit zu tun, dass ich nicht nur Politiker, sondern vor allem auch gläubiger Katholik gewesen bin. Dafür bin ich 1935 auch heiliggesprochen worden.

Ich glaube, dass der Mensch weder gut noch böse ist. Entscheidend ist vielmehr, dass die Menschen in einem Umfeld leben, das dafür sorgt, dass sie sich nicht böse, sondern tugendhaft verhalten.

Ich träumte einst von einer wunderbaren Insel, meiner Insel Utopia. Alle Insulaner müssen entweder in der Landwirtschaft arbeiten oder ein Handwerk ausüben, um so die Versorgung aller sicherzustellen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung soll von der körperlichen Arbeit freigestellt werden, um sich dem Studium der Wissenschaft und der Künste widmen zu können.

Ein einzelner machtgieriger Prasser, eine Pest für sein Vaterland, zieht in seiner Unersättlichkeit einen großen Zaun um Felder, Wiesen und Wälder. Mit Lug, Trug und Gewalt nimmt er den Bauern das Land weg und macht es zu Schafweiden. Die Menschen werden vertrieben und haben nichts mehr. Deshalb muss auf Utopia das Privateigentum abgeschafft und zu Gemeinschaftseigentum werden. Das Aushängeschild für Reichtum und Wohlstand, der Besitz von Gold- und Silberschmuck, muss abgeschafft werden. Auf meiner Insel Utopia sind Schmuck und sonstige vermeintliche Reichtümer nicht nur wertlos - sie werden verachtet und sind das Erkennungsmerkmal für zwangsweise goldbehängte Sklaven und aus der Gemeinschaft ausgestoßene Kriminelle.

Damit es keinen Neid oder Streit geben kann, müssen die Bewohner per Losentscheid alle zehn Jahre ihre Häuser tauschen. Es gibt auch keine individuelle Kleidung. Alle tragen reinweiße Gewänder. Für den Umgang mit alten und kranken Menschen haben wir Utopier klare Regeln. Wir kümmern uns rührend um sie und unterlassen nichts, was zu ihrer Genesung beiträgt. Ist aber die Krankheit unheilbar und quält und martert sie den Menschen, so soll sich der Kranke aus seinem Leben wie aus einem Kerker befreien oder befreien lassen.

Mein Idealstaat heißt Utopia. Das heißt so viel wie ›Nicht-Ort‹ oder ›nirgends‹ und meint, dass es vielleicht niemals möglich sein wird, einen solchen Idealstaat zu schaffen. Aber auch wenn es vielleicht unmöglich ist, den idealen Staat zu verwirklichen, darf man sich zumindest Gedanken darüber machen, wie er aussehen könnte, oder?!"

 

 
Niccolò Machiavelli
(1469-1527)
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"Mein Name ist Niccolò Machiavelli. Ich bin nicht nur Philosoph und Schriftsteller, sondern war auch Außen- und Verteidigungsminister des Stadtstaates Florenz. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie ein Staat funktionieren muss: Die ständigen Kriege zwischen den verfeindeten Kleinstaaten Oberitaliens sowie Aufstände und Unruhen sind für mich das Allerschlimmste. Nur mit einem starken Fürsten kann es dauerhaften Frieden geben. Was muss also ein Fürst oder ein Herrscher tun, damit er seine Macht nicht wieder verliert? Dieser Frage bin ich nachgegangen.

Ich glaube, dass alle Menschen von Natur aus abgrundtief schlecht sind. Stets folgen sie ihren bösen Neigungen, sobald sie Gelegenheit dazu haben. Gutes tun sie nur, wenn sie dazu gezwungen werden. Wenn ihnen freie Wahl bleibt und sie tun können, was sie wollen, gerät alles sofort in Verwirrung und Unordnung.

Der Fürst ist das Gesetz! Der Fürst darf auch grausam sein, um an die Macht zu kommen oder um an der Macht zu bleiben. Er soll gefürchtet, aber nicht gehasst werden. Furcht erzeugt Gehorsam, Hass führt zu Aufständen. Der Fürst muss Fuchs und Löwe sein. Denn der Fuchs wittert die Fallen seiner Gegner und vor der Stärke des Löwen haben alle anderen Respekt.

Zur Errichtung der Herrschaft ist jedes Mittel recht, sei es auch noch so grausam, gewalttätig oder hinterlistig. Allein der Erfolg ist der Maßstab, der über die Nützlichkeit der Mittel entscheidet. Ein Fürst, der Großes vollbringen will, muss lernen, wie man Menschen betrügt.

Noch heute nennen böse Zungen Menschen, die, darauf aus sind, möglichst viel Macht an sich zu reißen, ›Machiavellisten‹. Eine Frechheit, wo ich doch immer nur den Frieden wollte!"

 

 
Montesquieu
(1689-1755)
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"Mein Name ist Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu. Aber man nennt mich heute nur noch Charles de Montesquieu. Wie man an meinem Namen schon hören kann, entstamme ich einem französischen Adelsgeschlecht; ich bin ein echter Baron. Obwohl ich also ein einflussreicher Mann bin, musste ich einen Teil der Bücher, die ich geschrieben habe, unter fremdem Namen veröffentlichen. Manche meiner Schriften wurden auch verboten, weil ich mich zu kritisch gegenüber den Herrschern und der Kirche in Frankreich geäußert habe.

Im Naturzustand leben die Menschen friedlich miteinander. Sie haben viel Platz und sind so vernünftig, dem anderen das zu gönnen, was er findet oder erntet.

Das geht so lange gut, bis die Freiheit des einen die Freiheit des anderen beschränkt. Durch das Abgrenzen und das Zäuneziehen sowie durch das Aufkommen des Geldes entstehen Konflikte. Der eine besitzt nun viel, der andere fast gar nichts. Die Menschen brauchen deshalb positive Gesetze, um diesen friedvollen Zustand wieder herzustellen.

Die vollkommenste Regierungsform ist die, die ihr Ziel mit dem geringsten Aufwand erreicht. Ist das Volk unter einer milden Regierung genauso gehorsam wie unter einer strengen, so ist die erstere vorzuziehen, weil sie vernünftiger ist, während eine strenge unvernünftig wäre.

Ich plädiere dafür, dass die Macht im Staate aufgeteilt wird. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass sie nicht von einzelnen Personen oder Gruppen missbraucht und so die Freiheit des Einzelnen eingeschränkt wird. Deswegen soll es eine Gewalt geben, welche die Gesetze macht, eine Gewalt, welche die Gesetze ausführt und eine Gewalt, die darüber richtet, ob die Gesetze befolgt werden oder nicht. Dies nennt man Gewaltenteilung.

Damit die Demokratie, in der das ganze Volk regiert, funktioniert, bedarf es der Tugend. Das heißt, die Bürger müssen die Demokratie wollen und wertschätzen. Und sie müssen aufpassen, dass sie nicht abgeschafft wird.

Die Freiheit ist nicht allen Völkern erreichbar, da sie nicht unter jedem Himmel gedeiht."

 

 
Jean-Jacques Rousseau 
(1712-1778)
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"Mein Name ist Jean-Jacques Rousseau. Ich wurde 1712 in Genf geboren. Aber dort hielt es mich nicht lange, denn ich habe immer einen unbändigen Drang nach Freiheit verspürt und bin deswegen viel auf Reisen gewesen. Ich habe Bücher über Erziehung und über Demokratie geschrieben. Diese wurden jedoch unmittelbar, nachdem ich sie veröffentlicht hatte, verboten und verbrannt. Ich musste fliehen, um einer Verhaftung zu entgehen.

Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.

Die Naturmenschen (homme naturel) leben weiträumig und isoliert voneinander. Sie sind geprägt vom Willen nach Selbsterhaltung und Existenzsicherung. Selbstliebe (amour de soi-même) und das Mitleid-Gefühl für die Mitmenschen (commisération) sind in gleicher Weise vorhanden. Im Naturzustand sind die Menschen frei und unabhängig. Sie sind von daher weder gut noch böse. Erst das Leben mit vielen Menschen in der Gemeinschaft macht sie unfrei und gebunden.

Es gibt aber kein Zurück zum ursprünglichen Naturzustand mehr. Also stellt sich die Frage, wie sich dieses Zusammenleben der Menschen am besten gestalten lässt und wie sie wieder frei werden können. Meine Lösung für dieses Problem ist der Gesellschaftsvertrag. Dieser besteht darin, dass jeder alle seine Rechte und Ansprüche an die Gemeinschaft abgibt. Denn wenn keiner mehr besondere Rechte hat oder Ansprüche an die anderen stellen kann, dann sind alle wieder gleich und damit frei.

Damit die Freiheit aller gewährleistet bleibt, ist es wichtig, dass in der Politik der Gemeinwille verwirklicht wird. Denn nur wenn der Wille aller durchgesetzt wird, sind alle frei. Deswegen darf es auch keine Könige oder Parlamente geben - denn diese würden nicht dem Willen der Gemeinschaft entsprechen, sondern nur ihre eigenen Interessen vertreten. Daraus folgt, dass alle an den politischen Entscheidungen beteiligt sein müssen, denn nur so kann der Wille der ganzen Gemeinschaft durchgesetzt werden."

 

 
Karl Marx
(1818-1883)
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"Ich bin Karl Marx. 1818 wurde ich in Trier geboren. Ich war schon immer ein scharfer Kritiker der gesellschaftlichen Zustände, besonders der in Preußen. Deswegen musste ich auch nach Frankreich auswandern. Als ich aber in Paris immer noch nicht in Ruhe gelassen wurde und nach Belgien gehen musste, habe ich mich dazu entschlossen, meine Staatsbürgerschaft abzugeben und den Rest meines Lebens ein Staatenloser zu bleiben. Mein Grab könnt Ihr in London, im Stadtteil Highgate, besuchen. Wichtige Aussagen von mir sind:

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Eines Tages werden sich die Arbeiter zu einer Revolution erheben und eine Gesellschaft errichten, in der es keine Herrschaft von Menschen über Menschen mehr geben wird. Diese Gesellschaftsform heißt Kommunismus.

Im Kommunismus wird das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft. Das heißt, alle Maschinen und Fabriken, die Gebäude und alle Geräte, mit denen etwas hergestellt werden kann, gehören nicht mehr einzelnen Unternehmern (Kapitalisten), sondern allen arbeitenden Menschen gemeinsam. Das ist das Ende der Ausbeutung.

Für mich bedeutet Kapitalismus auch: In demselben Maße, in dem die Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt der Lohn ab.

In meiner klassenlosen kommunistischen Gesellschaft ist es mir möglich, heute dies, morgen jenes zu tun. Ich kann morgens fischen, nachmittags einen Bauernhof bewirtschaften und abends Schriftsteller sein. Ich bin dann kein Arbeits- und Berufssklave mehr. Ich bin ein freier Mensch. In einer Gesellschaft, in der alle gleich sind, also keiner mehr über den anderen herrscht, wird auch kein Staat mehr gebraucht. Er wird, wenn die Revolution vollendet ist, abgeschafft.

Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die arbeitenden Massen haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!"

 

 
Joseph Alois Schumpeter
(1883-1950)
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"Mein Name ist Joseph Alois Schumpeter. Geboren wurde ich in Triesch (heute Tschechien, früher Österreich), wo ich nicht nur Professor, sondern auch einmal Präsident einer Bank und sogar Finanzminister war. Ich habe mich also nicht nur mit Politik, sondern auch viel mit Ökonomie beschäftigt. Ab 1925 habe ich in Deutschland gearbeitet. Wegen meiner jüdischen Abstammung bin ich 1932 dann in die USA ausgewandert, wo ich an der berühmten Harvard-Universität wieder als Professor gearbeitet habe. Gesagt habe ich:

Alles Neue setzt die Zerstörung des Alten voraus.

Die Demokratie funktioniert eigentlich wie die Wirtschaft: So wie verschiedene Unternehmen (Anbieter) versuchen, in einem bestimmten Markt führend zu sein und so viele Kunden (Konsumenten) wie möglich an sich zu binden, so konkurrieren Politiker (Anbieter) in der Demokratie um die Stimmen der Wähler (Konsumenten) und damit um die Führung im Staat.

Viele Menschen können sich für Sport oder ihren Beruf mehr begeistern als für Politik. Diese ist ihnen nämlich zu kompliziert. Sie interessieren sich nicht dafür, und deswegen verstehen sie auch nichts davon. Deswegen finde ich es auch richtig, wenn es gewählte Politiker gibt, die sich um alles kümmern. Die Aufgabe der Wähler besteht dann darin, zu entscheiden, wer sie regieren soll. Und wenn sie ihre Stimme abgegeben haben, dann sollen sie die Politik denjenigen überlassen, die sie gewählt haben und die auch etwas davon verstehen.

Demokratie bedeutet ja eigentlich, dass alle an politischen Entscheidungen beteiligt werden und dann der Wille des Volkes umgesetzt wird. Aber ich glaube, dass es so etwas wie den Willen des Volkes gar nicht gibt. Denn die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Gesellschaft auszusehen hat. Es gibt also höchstens einen Willen der Mehrheit, aber keinen des ganzen Volkes."

 

 
Hannah Arendt
(1906-1975)
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"Mein Name ist Hannah Arendt. Ich wurde 1906 in Hannover geboren, und ich bin Jüdin. Als Jugendliche habe ich mich nicht sonderlich für Politik interessiert. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde ich erst verhaftet und musste dann über Prag nach Paris und später in die USA fliehen. Nun wurde mir bewusst, dass Politik wichtig ist und uns alle angeht!

Nur wenn man über eine Sache gut nachgedacht hat, kann man zu einem begründeten Urteil kommen und die richtige Entscheidung fällen. Dies gilt besonders für die Politik.

Macht und Gewalt sind Gegensätze. Ein einzelner Mensch kann sich nicht einfach Macht nehmen. Er kann höchstens die Macht von anderen Menschen übertragen bekommen. Und natürlich können die Regierten dem Herrscher die Macht auch wieder entziehen. Wenn der Herrscher Gewalt anwendet, um weiterregieren zu können, dann hat er streng genommen keine Macht mehr über die anderen. Denn er herrscht nur noch mit Gewalt.

Ich finde es wichtig, dass jeder die Freiheit hat, sich an der Politik zu beteiligen. Denn wenn Dinge entschieden werden, die alle betreffen, sollen auch alle die Möglichkeit haben, etwas dazu zu sagen und an den Entscheidungen, die für alle gelten sollen, mitzuwirken.

Die technische Entwicklung der Gewaltmittel hat den Punkt erreicht, an dem sich kein politisches Ziel mehr vorstellen lässt, das ihren Einsatz in einem bewaffneten Konflikt rechtfertigen könnte. Das Kriegshandwerk hat seinen Glanz eingebüßt.

Politik handelt von dem Zusammen- und Miteinandersein der Verschiedenen.

Der Sinn von Politik ist Freiheit."

 

 
Karl R. Popper
(1902-1994)
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"Mein Name ist Karl Raimund Popper. Ich wurde 1902 in Wien geboren. 1937 bin ich wegen meiner jüdischen Herkunft nach Neuseeland emigriert, um dort als Lehrer zu unterrichten. 1946 bin ich dann nach London übergesiedelt und habe dort als Professor gearbeitet. Ich habe viele Bücher über Politik, aber auch über Naturwissenschaften geschrieben.

Es gibt nur zwei Staatsformen: Solche, in denen es möglich ist, die Regierung ohne Blutvergießen durch eine Abstimmung loszuwerden, und solche, in denen das nicht möglich ist.

Es kommt nicht darauf an, für eine bestimmte Gruppe, Klasse, Rasse oder Nation in ferner Zukunft das größte Glück herbeizuführen, sondern darauf, das Leid der heute lebenden Menschen so gering wie möglich zu halten.

Mein Ideal von einem guten Staat ist die ›offene Gesellschaft‹. Der Staat, die Gesetze und die gesellschaftlichen Regeln sind dazu da, die Freiheit des Einzelnen zu garantieren und zu schützen. Aber natürlich hat der Einzelne keine schrankenlose Freiheit. Die Freiheit des einen endet da, wo die Freiheit des anderen berührt wird.
Niemand ist gegen Irrtümer gefeit; das Große ist, aus ihnen zu lernen. Aber von allen politischen Idealen ist der Wunsch, die Menschen glücklich zu machen, vielleicht der gefährlichste. Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, produziert stets die Hölle.

Alles Lebendige strebt nach einer besseren Welt."

 

Arbeitsaufträge zu D2

Aufzählung

Welche der Philosophen sagen Dir am meisten zu? Wessen Ideen gefallen Dir am wenigsten?

Aufzählung

Versuche, zum Beispiel über das Internet (Wikipedia), mehr über die einzelnen Philosophen herauszufinden.

Aufzählung

Bildet Gruppen und stellt in der Klasse einen Philosophen vor, den Ihr Euch herausgesucht habt. Das kann sowohl ein Philosoph sein, der Euch besonders anspricht, oder einer, den Ihr nicht gut findet.

Aufzählung

Welche der Philosophen hätten sich untereinander wohl gut verstanden, wenn sie zur gleichen Zeit gelebt hätten? Und welche hätten sich bestimmt heftig miteinander gestritten?

 

 

 

 


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