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Zeitschrift
Demokratie (er-)leben Ein Prinzip in Gesellschaft und Politik
Heft
2/3-2006, |
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Unterrichtspraktische Hinweise Baustein D setzt mit dem Insel-Spiel ein. Die zentralen Aspekte der Demokratie als Staats- und Herrschaftsform lassen sich über dieses handlungsorientierte Spiel erarbeiten. Gleichermaßen sind diese Grundlagen wie Staatsform, Gewaltenteilung, Verfassung, politische Institutionen und Akteure (z.B. Parlamente und Parteien), wehrhafte Demokratie, Sozialstaatsklausel, Medien und Pressefreiheit, aber auch diktatorische Erfahrungen sowie Grundrechte- und Menschenrechtsverletzungen mit den einzelnen Materialteilen unabhängig von dem Insel-Spiel zu bearbeiten. Die hier präsentierten Materialien bieten vor allem einen alternativen und ergänzenden Zugang zu den gängigen Schulbüchern, in denen die politischen und rechtlichen Grundlagen der Demokratie aufgearbeitet sind. D1 bietet ein stimmungsvolles Bild für den Einstieg in das Spiel und erste Materialien. Eine ausführliche Beschreibung des Spiels findet sich im Folgenden auf den Seiten 12-14. Im Insel-Spiel steht die Entwicklung eigenständiger Politik- und Gesellschaftsentwürfe seitens der Schüler auf der Grundlage insularer Reduziertheit im Vordergrund. Die Grundidee des als Projekt angelegten Spiels stammt aus den von der Politologin Susan Strange in ihrem politökonomischen Klassiker States and Markets vorangestellten Some Desert Island Stories. Diese eindrucksvoll entworfenen Inselgeschichten repräsentieren, ausgehend von der Situation von Schiffbrüchigen mit anschließender Insellandung, drei unterschiedliche politökonomische Ordnungsmuster:
Die theoretischen Grundlagen (Susan Strange) sind dabei als wissenschaftlicher Hintergrund für die von den Schülern eigenständig zu entwickelnden Staats- und Gesellschaftsideen und nicht als unbedingt bindende Setzungen zu verstehen. Im Rahmen des Insel-Spiels werden die Schüler in die Lage versetzt, die Anfänge möglicher gesellschaftspolitischer Entwicklungen und damit auch unterschiedliche Systemausformungen selbst zu entwerfen. Sie erfahren dabei elementar die jahrhundertewährende und bis hin zur Demokratie sich ausformende Staatswerdung. Akzeptanz und Wertschätzung demokratischer Grundprinzipien werden so als Grundlage eines gerechtigkeitsorientierten und friedlichen Zusammenlebens auf eine intensive Art fassbar gemacht. Indem die Schüler in die Schiffbrüchigensituation versetzt werden, können sie spielerisch die Herausbildung unterschiedlicher Staatsformen prozessual begreifen. Auf allen Ebenen des Insel-Spiels können die Lehrenden die Schüler mit den in D2 folgenden Ich-Aussagen der zehn Philosophen konfrontieren (in der Ablaufplanung des Insel-Spiels ist dies am Ende vorgesehen). Die Philosophen verleihen dem Insel-Spiel gedankliche Tiefe und weisen auch über dieses hinaus. Die Schüler erfahren beispielsweise durch den Vergleich ihrer Positionen bzw. des von ihnen entwickelten Inselstaates, dass auch die großen Denker der politischen Ideengeschichte über den besten aller möglichen Staaten bzw. die beste Form menschlichen Zusammenlebens nachgedacht haben und an manchen Stellen zu ähnlichen oder gar denselben Schlussfolgerungen wie die Schüler gelangt sind. Doch ebenso wie das Herausstellen von Gemeinsamkeiten zwischen philosophischen Aussagen und Schülerpositionen beleben auch die Widersprüche. Die Schüler erweitern ihren gedanklich-emotionalen Horizont durch konträre oder ganz anders lautende Denk- oder Verhaltensmuster. Die zehn Philosophen repräsentieren mit dem Fokus auf das politische Denken die abendländische Geisteskultur von der Antike bis zur Gegenwart. Den Einstieg in die politische Ideengeschichte bilden also nicht sperrige Textauszüge aus den Schriften der jeweiligen Denker. Vielmehr nähern sich die Philosophen den Schülern als Personen. Dabei stand das Bemühen im Vordergrund, essentielle inhaltliche Schwerpunkte aus den Werken der jeweiligen Denker herauszufiltern und diese auf eine zwar häufig verknappte, aber sinnerhaltende und auch pointiert herausfordernde Weise zu formulieren. Unabhängig vom Insel-Spiel können die Ich-Aussagen der Philosophen auf vielfältige Art und Weise den Unterricht beleben. So können die bedeutenden Denker der politischen Ideengeschichte verglichen werden im Hinblick
Fortführung der erarbeiteten Grundlagen des Insel-Spiels In der Folge können, abhängig von der jeweiligen Thematik, die Ergebnisplakate reflektiert und die Regelungen der Inselgruppen mit den Staatsformen (D3) und dem Prinzip der Gewaltenteilung (D4) verglichen werden. Davon ausgehend erschließt sich das politische System Deutschlands (D5). Die Erkenntnisse insularer Herausbildung von Verantwortungsträgern, Führungs- und Herrscherfiguren sollen mit biografischem Hintergrund auf vier Kanzler der Bundesrepublik Deutschland transferiert werden (D6). Die vier Kurzbiografien bieten einen personenbezogenen Zugang zu demokratischen Prozessen und Entscheidungen. Sie stehen auch in Zusammenhang mit dem "Wer wird Bundeskanzler(in)?"-Spiel. Dieses Brettspiel, in der Mitte des Heftes beigefügt, bietet einen spielerischen Zugang zu Akteuren und Institutionen in der parlamentarischen Demokratie.
In den Erfahrungen der Inselgruppen finden sich auch Freiheitsbestrebungen und -beschränkungen der Individuen (z.B. Arbeitszwang, Essensrationierung, Gruppendruck), die zum heutigen Dilemma zwischen Freiheit und einem auszutarierenden Maß an Sicherheit in Bezug gesetzt werden können (D7). Insulare Formen des Sich-Wehrens und der äußeren bzw. inneren Gefahrenabwehr sollen auf den heutigen Diskurs im Hinblick auf die Fragestellung "Wie weit kann der Rechtsstaat im Kampf gegen seine Feinde gehen?", verglichen werden. Konflikte, wie etwa der Umgang mit kranken und leistungsunfähigen Inselbewohnern, lassen sich zum besseren Verständnis des Sozialstaatsprinzips heranziehen. Unterschiedliche Formen sozialstaatlicher Ausprägung finden sich im Text (D8). Eine spezifische Variante sozialistischen Gedankenguts (vgl. die Ich-Aussagen von Karl Marx) lernen die Schüler nun durch die Beschreibung der politischen Wirklichkeit in der ehemaligen DDR kennen (D9). Die Materialien D10 und D11 thematisieren einerseits die Medien, ihre Bedeutung in der Demokratie sowie ihren Einfluss auf den politischen Meinungsbildungsprozess, andererseits aber auch das Postulat, dass eine lebendige Demokratie von informierten Bürgern lebt. Ein krasser Gegensatz zum demokratischen System Deutschlands ist das Regime von Alexander Lukaschenko in Weißrussland. Im Text D12 treten dessen diktatorische Machenschaften zu Tage. Stolz sein auf demokratische Errungenschaften kann nur derjenige, der sich auch mit den vielschichtigen Facetten diktatorischer und totalitärer Herrschaft auseinandergesetzt hat. Aus konflikthaft zugespitzten Inselsituationen und dem starken Wunsch nach Sicherheit bilden sich oftmals (An-)Führerfiguren mit zunehmend martialischer werdenden Handlungen heraus. Demokratie, so lernen die Schüler, ist etwas Kostbares, das es nicht nur zu verteidigen, sondern immer wieder neu zu beleben gilt. Der glückliche Umstand einer durch Grundrechte abgesicherten Demokratie (Rechtsstaatsprinzip) wird durch die schrecklichen Erfahrungen der Kindersoldatin China Keitetsi (D13) nicht nur kognitiv, sondern auch gefühlsmäßig erfahrbar. Mit der Geschichte über China Keitetsi wird auch das Empathiepotenzial der Schüler angesprochen. Die dramatische Lebensgeschichte erhöht die Aufmerksamkeit der Schüler und lässt die Bedeutung ansonsten schwer zugänglicher Gesetzestexte in neuem Licht erscheinen. Die Zitate in D14 dienen zur abschließenden Diskussion über die grundsätzlichen Elemente der Demokratie und demokratischer Gesinnung. D15 bietet als Quiz die Möglichkeit zur abschließenden Lernkontrolle.
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