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Zeitschrift
Demokratie (er-)leben Ein Prinzip in Gesellschaft und Politik
Heft
2/3-2006, |
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P&U: Herr Bareiß, die Junge Union wirbt auf ihrer Homepage mit "party & politics". Politik wird oft als trockene Angelegenheit gesehen. Wie sind Sie selbst zur Politik gekommen und wieso macht es Spaß, sich bei der JU zu engagieren? Das Diskutieren hat mir schon immer viel Spaß gemacht, zuerst in der Schule und dann in der Politik. Mit 14 Jahren war ich zum ersten Mal bei einer JU-Veranstaltung. Ich fand es wahnsinnig spannend, mich zu informieren und zu diskutieren. Später bin ich dann in die JU eingetreten und wurde nach vier Jahren auch Mitglied der CDU. In der JU habe ich gelernt, meine eigenen Ideen direkt in die politische Arbeit einzubringen. In meiner Heimatstadt waren wir eine super Truppe. Es hat Spaß gemacht, sich mit Freunden zu engagieren, politische Ideen zu entwickeln und für ihre Durchsetzung zu streiten. Ich wollte meine Zukunft selbst in die Hand nehmen, weil ich lieber handle als behandelt zu werden. Gerade als junger Mensch muss man sich in Entscheidungsprozesse einbringen, schließlich sind wir später von diesen Entscheidungen unmittelbar betroffen. Das ist Arbeit. Klar, politische Bildung gehört dazu. Wir machen Seminare zu den unterschiedlichsten Themen, erarbeiten auf Sitzungen politische Forderungen und diskutieren leidenschaftlich. Zur JU gehört aber genauso auch das Fußballturnier, das Musikfestival, die Kinonacht oder die Studienreise. P&U: Wie kann man sich bei der Jungen Union engagieren und ist man dann gleich auch Mitglied der "großen" CDU? Mitglied der Jungen Union kann jeder im Alter zwischen 14 und 35 Jahren werden, der sich zu unseren Grundsätzen und Zielen bekennt. Wir sind zwar eine Vereinigung der jungen Generation in der CDU, aber wir sind politisch und organisatorisch selbstständig. Man kann somit Mitglied in der JU sein, ohne gleich der "großen" CDU beitreten zu müssen. Gerade vor Ort kann man einiges erreichen, in einem Ausschuss des Gemeinderats oder als Ratsmitglied. JU-Mitglieder bringen z.B. Ideen ein, wenn um das Kulturangebot oder um Sportstätten gestritten wird. Auch im Landtag wirken Freunde aus der JU mit. Gerade in der Schul- und Hochschulpolitik oder bei der Förderung der Jugendarbeit geht es um die Anliegen junger Leute. Im Bundestag wirkt die "Junge Gruppe" in der CDU/CSU-Fraktion als Jugendlobby und auch im Europäischen Parlament finden sich Mitglieder der JU. Wir sind christlich-demokratisch und liberal, weil wir für die Grundrechte des Bürgers und seine Freiheit eintreten; sozial, weil wir uns für alle Menschen, vor allem für die Schwächeren, einsetzen; konservativ und fortschrittlich, weil wir Bewährtes nur durch Neues ersetzen wollen, wenn wir das mögliche Neue als besser erkannt haben. Wir wollen damit Motor einer ständigen Erneuerung in den Unionsparteien sein, sachpolitisch und personell.
P&U: Herr Schubert, wie wollen die JuLis die Interessen junger Menschen in der Politik umsetzen? Zunächst einmal brauchen wir die aktive Auseinandersetzung mit den Jugendlichen selber. Dazu bieten wir Seminare und Diskussionsabende an. Von Aktionen wie Bungee-Jumping zum Thema "Die Zukunft der Jugend hängt am seidenen Faden" bis zur Lesung von Freiheitstexten auf dem Marktplatz oder einer netten Kneipentour erlebt man bei uns lustige Momente und lernt interessante Leute kennen. Außerdem tragen wir unsere Vorstellungen in unsere Seniorenorganisation, die FDP, hinein. Hier ist die politische Umsetzung durch Mandatsträger, durch eine gute Pressearbeit und durch den Ruf der JuLis als "liberales Gewissen" schon häufig geglückt, z.B. beim Thema Abschaffung der Wehrpflicht. Und vor Ort kann jeder viel bewegen. Bei uns sind über 1.100 junge Menschen organisiert - und wir wachsen weiter. Jeder zwischen 14 und 35 Jahren ist aufgerufen, die Interessen unserer Generation mit kreativen Ideen und mit offener Diskussion zur Geltung zu bringen - Mitmachen ist die Devise. Schließlich beginnt ja auch der längste Weg mit dem ersten Schritt. P&U: Warum heißt für Sie Politik alles andere als Langeweile und Stillstand? Bei uns sind sehr unterschiedliche Ansichten vorhanden. So ist es immer spannend, individuelle Sichtweisen von der Außen- bis zur Umweltpolitik zu diskutieren. Und wenn es mal richtig kontrovers zur Sache geht, dann schätzen wir erst recht jede Meinung. Spannend wird es auch, wenn man dann irgendwann selbst auf dem Podium sitzt und merkt, dass man mit guten Argumenten und etwas Leidenschaft überzeugen und weiterkommen kann - gegen jede Art von Stillstand. Persönlich kann ich nur immer wieder staunen, wie schnell man Dinge umsetzen kann, wenn man bereit ist, für eine Idee - bei uns z. B. die der Selbstbestimmung und Freiheit - einzustehen.
P&U: Herr Götzmann, wie versuchen die Jusos in Baden-Württemberg junge Menschen für Politik zu begeistern? Junge Menschen sind gar nicht politikverdrossen, sondern in vielfältiger Weise für unsere Gesellschaft tätig. Sie wollen sich aber zunehmend projektbezogen engagieren, etwa im Kampf gegen Rechtsextremismus oder gegen Kriege. Hierfür bieten wir ihnen entsprechende Angebote. Denn Politik darf sich nicht in abgeschiedenen Nebenzimmern abspielen, sondern muss wahrnehmbar sein. Daher sind wir mit Veranstaltungen und Aktionen im ganzen Land präsent und werben für unsere Positionen: Abschaffung von Studiengebühren, Kampf gegen Rechtsextremismus, mehr Ausbildungsplätze, Einführung einer Gemeinschaftsschule nach skandinavischem Vorbild. Zudem versuchen wir, über unsere Internetseite in Kontakt mit jungen Menschen zu treten. Als Juso muss man auch nicht automatisch Mitglied der "großen" SPD sein. Bei uns können alle interessierten Jugendlichen und junge Erwachsene ab 14 und bis zum 35. Geburtstag mitmachen. Und die Mitgliedschaft ist übrigens kostenfrei. P&U: Ist das Verhältnis der Jusos zur SPD immer "Friede, Freude, Eierkuchen"? Wie verschaffen sich die Jusos in der SPD Gehör? Die Jusos verstehen sich als inhaltlicher Antriebsmotor der SPD. Da bleiben Reibungen und Auseinandersetzungen mit der Mutterpartei nicht aus - ja, sie sind auch durchaus gewünscht. Zudem sind viele Jusos auch in der SPD aktiv. Unsere Positionen machen wir dabei sowohl intern, in den entsprechenden Gremien also, wie auch öffentlich über Veranstaltungen oder Pressemitteilungen deutlich. Gerade was die Entwicklung neuer Konzepte angeht, tut sich die SPD bisweilen schwerer als andere Parteien, Althergebrachtes über Bord zu werfen. Hierbei sind die Jusos gerne behilflich und scheuen auch nicht die Auseinandersetzung. Ein gutes Beispiel hierfür ist unser erfolgreicher Kampf innerhalb der Landes-SPD für die Forderung nach der Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland.
P&U: Frau Weible, die Grüne Jugend wirbt mit dem Slogan "jung - grün - stachelig". Warum "stachelig"? Obwohl viele unserer Mitglieder auch Mitglied bei den Grünen sind, sind wir immer kritisch gegenüber unserer Mutterpartei. Natürlich arbeiten wir zusammen, aber wir sparen nicht an Kritik, wenn es nötig ist. Deshalb nennen wir uns stachelig, weil wir selbstständig denken und die Politik hinterfragen. Wir haben unseren eigenen Kopf und zeigen dies auch. Zum Beispiel haben wir bei der Diskussion um die Studiengebühren deutlich gemacht, dass wir anderer Meinung sind als die Mutterpartei. Auch bei anderen Themen arbeiten wir so gegen den Mainstream und wollen langfristig überzeugen. So kann sich bei der Grünen Jugend jeder junge Mensch unter 28 Jahren engagieren. Die Altersgrenze der anderen Jugendorganisationen mit 35 Jahren halten wir für deutlich zu hoch, weil man in diesem Alter schon lange bei den "Erwachsenen" zu sehen ist. P&U: Was hat Sie dazu gebracht, sich politisch zu engagieren? Ich engagiere mich politisch, weil es um die Zukunft von uns jungen Menschen geht. Was heute entschieden wird, damit müssen wir morgen leben. Deshalb müssen wir junge Menschen uns einmischen und mitentscheiden. Auch wenn es manchmal nicht so scheint, aber es lässt sich doch viel in der Politik bewegen, wenn man sich zusammenschließt. Es ist wichtig, sich in einer Demokratie politisch zu engagieren, auch um rechtsextremen Bewegungen entgegenzutreten. Im Vordergrund steht für mich aber der Umweltschutz, weil die Natur unser wichtigstes Gut ist. Genauso wichtig ist die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Die Grüne Jugend ist die einzige Jugendorganisation, die eine weibliche Landesvorsitzende hat und die ihre Ämter quotiert besetzt. Und dass dabei der Spaß nicht zu kurz kommt, versteht sich ja fast von selbst: Zeit für Partys, neue Leute kennenlernen, gute Unterhaltungen und auch mal einfach nur zusammen in die Kneipe - das gehört natürlich dazu. Und auch Bildungsfahrten lassen sich mit Spaß verbinden!
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