Zeitschrift 

 

Demokratie (er-)leben

Ein Prinzip in Gesellschaft und Politik

 

Heft 2/3-2006, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

B1-B4

Misch dich ein! Mitmachen in der Demokratie

Materialien B 1-B 10


B1 Schülermitverantwortung an der Schule

P&U führte ein Interview mit Anna M. (15 Jahre) über die Rolle des Schülersprechers und über die Schülermitverantwortung an einer Realschule in Baden-Württemberg.

P&U: Welche Vorstellungen hattest Du beim Antritt Deines Amtes als Schülersprecherin?

Anna M.: Ich kannte die SMV-Arbeit ja schon aus meiner Zeit als Klassensprecherin. Schon damals konnte ich einiges mitentscheiden, wie zum Beispiel eine Schülerdisko, die Ausgestaltung der Pausenhalle und die Hausaufgabenbetreuung an unserer Schule.

P&U: Wie hast Du Dein Amt wahrgenommen und welche Ziele hattest Du?

Anna M.: Als ich zur Schülersprecherin gewählt wurde, kamen auf mich viele neue Aufgaben zu. Das Thema "rauchfreie Schule" hat zu vielen Diskussionen geführt. Und das nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrern. Ich wollte halt schon immer die Interessen der Schüler vertreten. Das ist gar nicht so leicht. Fünft- und Sechstklässler sitzen oft nur schweigend da, während Vierzehn- oder Fünfzehnjährige schon viele Ideen haben. Vor einem halben Jahr wollten wir mal zusammen ein Fußballspiel organisieren. Am Ende mussten wir es zu zweit durchziehen. Das erlebe ich oft, aber es hat dann doch noch geklappt. Ich setze mich auch für eine Schulbibliothek ein, weil wir bis jetzt noch keine haben. Auf dem Pausenhof wollen wir einen Basketballkorb aufstellen. Aber bis jetzt will noch niemand den Balldienst übernehmen. Für Hopsspiele sollen Felder eingezeichnet werden, und für den Essensverkauf machen wir zurzeit Vorschläge für ein besseres Angebot.

P&U: Wie hat sich Dein Bild Deines Amtes im Lauf der Zeit verändert? Meinst Du, dass Du wirklich etwas verändern konntest?

Anna M.: Im Moment kommen auf uns als SMV neue und sehr wichtige Aufgaben zu. Ich denke da an das Leitbild unserer Schule. Oder daran, dass Schulen Freiräume und Möglichkeiten erhalten, eigene Schwerpunkte zu setzen. In den Diskussionen der letzten Wochen ging es darum, unseren Beitrag zum Leitbild zu leisten. Wir als SMV wollen uns dafür einsetzen, dass Schüler sich gegenseitig akzeptieren und unterstützen. Die Art des Umgangs mit anderen Schülern und den Lehrern finden wir sehr wichtig. Ich glaube schon, dass wir als SMV im Moment sehr viel bewegen können - aber das ist auch immer mit viel Arbeit verbunden, die eine Sprecherin alleine nur schwer leisten kann.

P&U: Was für ein Typ von Mensch bist Du? Wie siehst Du Dich selbst? Nimmst Du eher Anregungen auf oder wirst Du lieber selber aktiv?

Anna M.: Wenn ich eine Idee habe, dann will ich das durchziehen. Ich mag es nicht, wenn mir dann jemand dazwischenfunkt. Ich liebe es, etwas voranzubringen. Ich möchte auch später einmal etwas im Bereich Management machen. Ich will etwas organisieren und zum Abschluss bringen.

P&U: Wie könnte man Deiner Meinung nach die Schülermitverwaltung verbessern?

Anna M.: Schade ist, dass Schüler über die Arbeit der SMV zu wenig wissen. Wenn die SMV-Mitglieder mal einen Ausflug machen oder auf eine Hütte gehen, wird von den Schülern oft kritisiert, wie schön wir es doch hätten. Dabei ist es für uns so wichtig, dass wir mehr Zeit zum Diskutieren und Entscheiden haben. Ich selber wäre auch bereit, nachmittags zu einer SMV-Sitzung zu kommen. Aber halt nur ich oder wenige andere. Wir bräuchten mehr SMV-Sitzungen und statt Einzel- Doppelstunden. Eine Stunde braucht man ja schon, um ein Thema zu finden und gute Ideen auszutauschen.

Arbeitsaufträge zu B1

Aufzählung Was erfahrt Ihr über die Schülersprecherin Anna M.? Notiert wichtige Stichpunkte aus dem Interview und stellt Euch die Ergebnisse gegenseitig vor.
Aufzählung Was wisst Ihr über die SMV-Arbeit an Eurer Schule? Führt ein Interview mit Eurem Schülersprecher durch oder ladet ihn oder sie in Eure Klasse ein.
Aufzählung Diskutiert das Thema "rauchfreie Schule" und die Frage, welche Rolle die SMV dabei spielen könnte.
Aufzählung Informiert Euch über das Leitbild Eurer Schule und macht Vorschläge, wie Ihr mit der SMV daran mitwirken könnt. Präsentiert Eure Ergebnisse anschließend auf einer Wandzeitung.

 


B2 »Spongo« - Deutschlands beste Schülerzeitung 2006

Die beste Schülerzeitung des Jahres 2006 heißt "Spongo" und kommt aus dem schwäbischen Nürtingen. Chefredakteur Matthias Eberspächer, 19, über Schreiben in der Provinz und seinen Traumberuf Lehrer:

SPIEGEL ONLINE: Ihr habt sechs Top-Ten-Platzierungen beim SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb belegt, unter anderem bester Heftinhalt, bestes Layout, beste Reportage - was ist das Erfolgsrezept von "Spongo"?

Wir sind ein eingespieltes Redaktionsteam von 10 bis 15 Leuten, das seit der 9. oder 10. Klasse zusammen ist, sich langsam entwickelt hat und immer wieder durch Preise und kleine Erfolge hochgestachelt wurde. Der harte Kern ist auch gut befreundet, da verbringt man gerne Zeit miteinander.

SPIEGEL ONLINE: Habt Ihr feste Hierarchien?

Ja, ein relativ demokratisches Redaktionssystem. Wir haben drei Chefredakteure mit eigenen Aufgabengebieten, Redakteure, die sich um jeweils eine Kategorie kümmern und Leute für Layout und Werbung. Die Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, wobei die Chefredaktion schon die Richtung vorgibt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht Eure Blattlinie aus?

Alle Themen, die Jugendliche beschäftigen, kommen in die Zeitung. Wir müssen eigentlich nur schauen, was uns selbst interessiert. ...

SPIEGEL ONLINE: Willst Du einmal Journalist werden?

Ich will vor dem Studium durch Praktika auf jeden Fall in den Beruf reinschnuppern. Das ist ein Traum, aber es gibt auch Alternativen. Zum Beispiel Lehrer.

SPIEGEL ONLINE: Ein Job, den die Öffentlichkeit gerade dank Rütli-Schule und Co. nicht sehr positiv wahrnimmt.

Bei uns haben Lehrer wenig Probleme mit den Schülern. Ich habe ein positives Bild von dem Beruf, weil ich gerne Leuten etwas beibringe und Bildung ein faszinierendes Thema finde. Ähnlich wie Schülerzeitung. …

SPIEGEL ONLINE: Und wie ist das bei Eurer Zielgruppe?

Wir haben 1.200 Schüler, eine Auflage von 750 und verkaufen davon etwa 600. Wir hoffen aber, dass wir durch Zweitleser etwa 90 Prozent der Schüler erreichen - wenn auch nicht mit jeder Geschichte. Wenn ich mir anschaue, was es am ersten Tag jedes Mal noch für einen Ansturm gibt, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass das keine Zukunft haben soll. …

SPIEGEL Online vom 30. Mai 2006 (Interview: David Böcking).

 


B3 Schülerzeitung - fair berichten!

 

Szenario

An Deiner Schule ist das Rauchen für Schüler strikt verboten. Wer dennoch beim Rauchen erwischt wird, muss den Schulhof vom Müll reinigen. Für Lehrer gibt es dagegen das Raucherzimmer. Ein Teil der Schülerschaft findet das ungerecht. Du hast Dich als Redakteur Eurer Schülerzeitung entschieden, dieses Thema aufzugreifen und einen Artikel zu schreiben.

Arbeitsaufträge zu B2-B3

Aufzählung Recherchiert im Internet nach Schülerzeitungen, die eine eigene Homepage haben. Vergleicht mit den Ansätzen und Ideen von "Spongo" in B2.
Aufzählung Was macht Eurer Meinung nach eine gute Schülerzeitung aus? Erstellt eine Liste mit den wesentlichen Punkten.
Aufzählung Zu B3: Verfasse einen Artikel für die Schülerzeitung, in dem Du Dich auch mit der Vorbildfunktion von Lehrern auseinandersetzt? Was musst Du alles beachten, um fair zu berichten?

 


B4 Schulkleidung für alle?

Winfried Rothermel

Rektor läuft Reklame

"In dieser Saison trägt man kleinere Logos." Schulleiter Günter Behre trägt zurzeit schwarz mit dem rosafarbenen Logo der Haupt- und Realschule Friesenheim, denn der Rektor läuft nach eigenem Bekunden Reklame. Schwarz und Rosa sind die neuen Farben in der Kollektion "Look", die an der Schule bei Lahr seit gut einem Jahr angesagt ist. Jeder dritte der 800 Schüler trägt inzwischen "Look", der Rektor sowieso, aber auch zahlreiche Lehrer.

"Look" ist an der Schule Programm. An Schuluniform erinnert die Kollektion nur entfernt. Es gibt Polo- und T-Shirts, Kapuzenpullis oder Rugby-Shirts, 16 verschiedene Kleidungsstücke insgesamt, in Dunkelblau, Gelb, Rot oder eben Schwarz, der Farbe der Saison. Unverzichtbar ist das Logo mit den ineinander übergehenden Buchstaben h, r und s, für Haupt- und Realschule. Das ganze ist nicht teurer als das Outfit der Ketten "C&A" oder "H&M", versichert Behre.

In Friesenheim trägt man nicht Uniform, sondern Schulkleidung. Die Schüler können ihre Kleidung frei wählen, jedes Kind habe im Schnitt drei Kleidungsstücke, berichtet der Rektor. Niemand ist verpflichtet, die Kleidung mit Logo zu tragen. "Was taugt's, wenn ich nicht überzeugen kann", sagt Behre. Möglicherweise findet "Look" gerade deshalb immer größeren Absatz, weil man sie freiwillig trägt. Die Schulkleidung wird bei einem bestimmten Händler im Ort verkauft. Inzwischen denken die Projektmanager daran, in den großen Pausen einen Kleiderstand in der Schule aufzumachen.

Die Kleiderfrage ist kein Thema mehr an der Schule. Vor gut einem Jahr war das noch anders. Damals gab es zahlreiche Beschwerden, weil Schüler wegen ihrer Kleidung gehänselt wurden. Eine Umfrage ergab, dass fast ein Drittel der Schüler betroffen war. Andererseits waren viele Eltern nicht bereit, teure Markenkleidung zu kaufen. Warum also keine Schulkleidung? Schüler, Eltern und Lehrer stimmten ab, Musterkollektionen wurden präsentiert, die Schulkonferenz gab den Segen, das Projekt "Look" war geboren. Jetzt hat die Identifikation der Schüler mit der Schule "extrem zugenommen", sagt Behre. Man fühle sich wohl, das Zusammengehörigkeitsgefühl sei deutlich gestärkt worden, man sei sogar stolz auf die Schule.

Stuttgarter Zeitung vom 9. Mai 2006 (Renate Allgöwer).

 

PRO: Argumente für einheitliche Schulkleidung
 

"Bei dem vorherrschenden Markenzwang hätte dies für die Schüler Vorteile, die kein Geld für Markenkleidung haben."







 

CONTRA: Argumente gegen einheitliche Schulkleidung
 

"Schuluniformen machen alle Schüler gleich. Man kann seinen eigenen Stil nicht mehr zeigen."







 

Arbeitsaufträge zu B4

Aufzählung Welche Argumente für eine Schulkleidung findest Du in dem Text?
Aufzählung Wie kam die Entscheidung an der Schule in Friesenheim zustande?
Aufzählung In der Tabelle findest Du jeweils ein Argument für und eines gegen Schulkleidung. Sammelt in der Klasse oder in Gruppenarbeit weitere Argumente und führt eine Pro- und Contra-Debatte durch. Ihr könnt dann abstimmen und Euch überlegen, wie Ihr vorgehen würdet, falls Ihr eine Schulkleidung an Eurer Schule einführen möchtet.

 

 

 

 


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