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Zeitschrift Die siebziger Jahre Facetten eines Jahrzehnts Heft 2/2003 |
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Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport |
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"Arme verschränken" hieß der Befehl noch um 1970, wenn die Grundschulkinder zu unruhig wurden; Handarbeitsunterricht gab es nur für Mädchen, unverheiratete Lehrerinnen wurden mit Fräulein angesprochen; nicht zum neuesten Hit wurde geturnt, sondern zum Tamburin; die Sachkunde hieß noch Heimatkunde und Peter und Suse aus der Fibel begleiteten die ABC-Schützen in die Welt des Lesens und Schreibens. Von heute aus betrachtet eine ziemlich verstaubte Angelegenheit, bis dann Reformideen umgesetzt wurden, bis die Mengenlehre kam, die Gruppenarbeit, der Französischunterricht am humanistischen Gymnasium und der koedukative Technikunterricht, in dem Jungen das Stricken und Mädchen das Hämmern lernten. Nur dreißig Jahre liegt das zurück und scheint doch weit weg. Aber diese Zeit ist fest verhaftet in der Erinnerung der Lehrenden und in der Erinnerung derjenigen Eltern, deren Kinder zur Zeit die Schule besuchen. Für die jetzigen Schülerinnen und Schüler, die kaum noch wissen, dass ihr Land jahrzehntelang durch Mauer und Stacheldraht geteilt war, ist das Geschichte. Umso mehr ein Grund, sich damit im Unterricht zu beschäftigen. Dankenswerterweise legt die Landeszentrale für politische Bildung nun ein Heft zum Thema "Die siebziger Jahre" vor, das die Aufbruchstimmung der ersten Hälfte des Jahrzehnts, aber auch die Ernüchterung in der zweiten Hälfte beschreibt. Charakteristische Aspekte der Dekade werden vorgestellt, für den Unterricht aufgearbeitet und mehrfach mit hervorragenden Strukturskizzen veranschaulicht: die neuen sozialen Bewegungen, die neue Ostpolitik und der Terrorismus. Dabei beschränkt sich der Blick nicht nur auf die damalige Bundesrepublik, sondern bezieht die Entwicklungen in der DRR mit ein. Denn auch dort vollzog sich unter der Regierung Honeckers ein politischer und gesellschaftlicher Wandel: Die faktische Anerkennung der Zweistaatlichkeit durch den Grundlagenvertrag ließ die DDR als eigenen, selbstständigen Staat agieren. Gleichzeitig brachte die Neuorientierung der ostdeutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bevölkerung einerseits mehr soziale Sicherheit und mehr Wohlstand, auf der anderen Seite ging diese Entwicklung mit einer immer stärkeren staatlichen Überwachung einher. Beide Elemente haben schließlich zum Zusammenbruch des SED-Regimes geführt. Johanna Seebacher Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Autor dieses Heftes Gerhart Maier, Professor i. R., Esslingen am Neckar
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