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Zeitschrift Wasser Wasser
im Alltag
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Der nächste Krieg im Nahen Osten, so ein viel zitierter Satz des ehemaligen UN-Generalsekretärs Butros Butros-Ghali, werde nicht um Öl geführt, sondern um Wasser. Weltweit ist Wasser eine knappe Ressource. In vielen Ländern, vor allem in Afrika und im Nahen Osten, regional auch in Industriestaaten wie den USA, herrscht Wassermangel und es zeichnen sich Verteilungskonflikte ab. In den meisten industrialisierten Staaten hingegen ist Wasser zwar nicht knapp, aber die Erhaltung der Trinkwasserqualität wird infolge vielfältiger Umweltbelastungen zum Problem. Wasservorkommen
Manche Staaten in Afrika und im Nahen Osten leiden seit jeher unter Wassermangel, wofür neben einem klimatisch bedingten Mangel an Niederschlägen geringe Grundwasserreserven ursächlich sind. Diese Situation wird sich nach Prognosen der Weltbank weiter verschärfen (siehe Grafik), sodass im Jahr 2050 nur etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung über ausreichende Wasserreserven verfügen wird. Dies würde die Gefahr bewaffneter Konflikte um Wasservorkommen erhöhen. Eine globale Wasserbilanz täuscht jedoch darüber hinweg, dass auch in wasserreichen Regionen wie in Lateinamerika regional Trockengebiete wie z.B. die Atacama-Wüste existieren. Selbst im wasserreichen Nordamerika kommt es zunehmend zu Verteilungskonflikten zwischen wasserarmen Gebieten im Mittleren Westen und "wasserbesitzenden" Bundesstaaten. Neuerdings ist in diesen Streit auch Kanada involviert.
Betroffen ist hiervon vor allem die Landbevölkerung, doch zeichnet sich auch in vielen Armenvierteln der Metropolen in Entwicklungsländern die Tendenz ab, dass private Wasserhändler die Versorgung der Bevölkerung übernehmen, da das öffentliche Leitungsnetz zusammengebrochen ist, wobei viele Menschen den Preis für sauberes Wasser nicht entrichten können. Somit ist die "Süßwasserkrise"1 auch ein Qualitätsproblem. Auf der Erde sind zwei Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, weltweit werden nur etwa fünf Prozent der Abwässer gereinigt. Als Konsequenz sterben pro Jahr fünf Millionen Menschen an Krankheiten, die durch verunreinigtes Trinkwasser verursacht werden.2 Schließlich ist Wasser auch ein wichtiger Energieträger. Groß angelegte Staudammprojekte zum Beispiel in der Türkei oder in China zeigen, dass Wasser weltweit als Rohstoff für Stromerzeugung genutzt wird. Dabei können jedoch Zielkonflikte in der Nutzung von Gewässern durch mehrere Anliegerstaaten entstehen, wie exemplarisch am Beispiel des Euphrat-Tigris-Gebiets gezeigt wird, oder es kann zu Kontroversen um den zu erwartenden Nutzen und den eintretenden ökologischen Schaden bei solchen Projekten kommen, wie im Fall des Drei-Schluchten-Staudamms in China (beide Beispiele im Baustein D). Auch in Europa, wo es mit wenigen Ausnahmen - wie in Südspanien oder auf Malta - eine ausreichende Versorgung mit Süßwasser gibt, manifestiert sich die Süßwasserkrise als Qualitätsproblem bei der Trinkwasserversorgung, so auch in Deutschland. Die Gewinnung sauberen Trinkwassers aus Oberflächengewässern und aus Grundwasser wird erschwert durch Schadstoffeinträge aus Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft und Haushalten. Wasserwirtschaft in Deutschland
Oberstes Ziel der Wasserpolitik des Bundes und der Länder ist der sparsame Umgang mit Trinkwasser, begleitet von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität.3 Hierzu gehören die Bereitstellung wassersparender Technologien und die Mehrfachverwendung von Wasser im industriellen Produktionsprozess. Zudem setzt man die Verminderung von Wasserverlusten in Versorgungsleitungen (immerhin fast 14 Prozent), die Sanierung der Abwasserkanalisation und schließlich den sparsamen Umgang mit Trinkwasser im Haushalt als Ziel. Das letztgenannte Ziel kann bereits in der Schule vermittelt werden. Das Thema im Unterricht
Ziel einer solchen Unterrichtseinheit sollte es sein, die Schülerinnen und Schüler zu einem bewussten individuellen Umgang mit dem kostbaren Nass und zur sparsamen Nutzung zu erziehen. Ergänzend zu diesem kleinräumlichen oder regionalen Ansatz kann das Thema auch anhand seiner globalen Problemfelder behandelt werden. Bei konstanten Süßwasservorräten und einer zunehmenden Weltbevölkerung ist vorhersehbar, dass Wasser knapper wird und sich die Verteilungskämpfe verschärfen werden. Hierbei ist zu beachten, dass Eingriffe des Menschen in den natürlichen Wasserhaushalt einerseits verursachend wirken können. Dies gilt sowohl für die Verschmutzung als auch für den Wassermangel. Andererseits aber bieten solche Eingriffe auch Lösungsmöglichkeiten, um das Phänomen des örtlichen Wassermangels zu beheben. Dies gilt - historisch betrachtet - für die Wasserversorgungssysteme des antiken Rom ebenso wie für die Ursprünge der Landeswasserversorgung in Baden-Württemberg, es gilt für Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft weltweit ebenso wie für die neue Methode der "Nebelernte" in den Wüstenregionen Chiles oder Namibias, bei der mit Hilfe von hohen engmaschigen Netzen die Luftfeuchtigkeit in Meeresnähe als Wasser gesammelt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wird. Wasser ist ein Querschnittsthema, das sich für den fächerverbindenden Unterricht besonders eignet und als solches auch im Bildungsplan der Realschule für die achte Klasse vorgeschlagen wird. Dazu können vor allem die Fächer Erdkunde, Gemeinschaftskunde und Biologie Beiträge leisten, auch eine Beteiligung von Chemie ist vorstellbar. Erdkunde kann dabei die Raumbeispiele liefern und Verwendungszwecke des Wassers erarbeiten, Gemeinschaftskunde Interessen und Entscheidungsprozesse im wirtschaftlichen und politischen Bereich verdeutlichen und die Naturwissenschaften können Gefährdungspotenziale untersuchen. Darüber hinaus findet der Themenbereich Wasser und Gewässer in den Lehrplänen der Sekundarstufe I aller Schularten in den Fächern Erdkunde, Biologie und Chemie Erwähnung. Lehrplanbezüge lassen sich auch in den Fächern Gemeinschaftskunde oder Wirtschaftslehre, Deutsch sowie in Religionslehre und Ethik herstellen.
Die geographischen Raumbeispiele der Bausteine B und C liefern der Main-Tauber-Kreis, der Mittlere Neckarraum und der Bodensee, die Bausteine bieten also einen Überblick über Wasserversorgung und -nutzung in Baden-Württemberg. In Baustein B werden die verschiedenen Formen der Trinkwasserversorgung (lokale Brunnen, Fernwasserversorgung am Beispiel der Bodensee-Wasserversorgung) vorgestellt mit dem Ziel, die Schüler Vor- und Nachteile der jeweiligen Variante erarbeiten und diskutieren zu lassen. Am Ende des Bausteins wird die Kontroverse um die Privatisierung der Wasserversorgungsunternehmen aufgegriffen. Dieser eher textbezogene Baustein wendet sich vor allem an die Schüler der oberen Mittelstufe und hat, weil wirtschaftliche und politische Interessen im Rahmen der Wasserversorgung diskutiert werden, Anknüpfungspunkte vor allem an die Fächer Gemeinschaftskunde und Deutsch. Baustein C beschäftigt sich mit der Wassernutzung in Industrie und Landwirtschaft, die einerseits neben den privaten Haushalten und deren Abwässer Grundwasser und Oberflächengewässer durch Schadstoffeinträge belasten und andererseits einen hohen Wasserbedarf haben. Es geht jedoch nicht um Schuldzuweisung an diese Produktionsbereiche, sondern mittels der Materialien kann auch das Innovationspotenzial erarbeitet werden, das in diesen Sektoren genutzt wird, um Wasserverbrauch und Wasserverunreinigung zu reduzieren. Auch die Materialien in Baustein D wenden sich vor allem an Schüler der Mittelstufe. Der Baustein beschäftigt sich exemplarisch mit globalen Problemfeldern der Wasserkrise. Ausgehend von den humanitären Fragen, die Wasserknappheit und Überflutung in Bangladesch auslösen, wird im Baustein auf die wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Probleme verwiesen, welche die großen Staudammprojekte in der Türkei und in China aufwerfen. Sowohl das Südostanatolien-Projekt an Euphrat und Tigris als auch der Drei-Schluchten-Staudamm können im Unterricht unter diesen Gesichtspunkten auf Kosten und Nutzen untersucht werden. Dietmar Herz _______________________________________________________________________
3 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Umweltpolitik. Wasserwirtschaft in Deutschland. Bonn, 1998, S. 50
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