Zeitschrift 

Wasser

Wasser im Alltag
Fernwasserversorgung in
Baden-Württemberg
Wasser in der Landwirtschaft
und Industrie
Konflikte ums Wasser weltweit

 



 

Inhaltsverzeichnis

Wasser

 

Einleitung

Der nächste Krieg im Nahen Osten, so ein viel zitierter Satz des ehemaligen UN-Generalsekretärs Butros Butros-Ghali, werde nicht um Öl geführt, sondern um Wasser. Weltweit ist Wasser eine knappe Ressource. In vielen Ländern, vor allem in Afrika und im Nahen Osten, regional auch in Industriestaaten wie den USA, herrscht Wassermangel und es zeichnen sich Verteilungskonflikte ab. In den meisten industrialisierten Staaten hingegen ist Wasser zwar nicht knapp, aber die Erhaltung der Trinkwasserqualität wird infolge vielfältiger Umweltbelastungen zum Problem.

Wasservorkommen

Nur etwa ein Vierzigstel der gesamten Wasservorräte der Erde sind Süßwasser und somit für den Menschen nutzbar. Von diesen 35 Millionen Kubik-Kilometern sind wiederum 65 Prozent als Eis gebunden. Nur das Oberflächenwasser in Flüssen und Seen und das Grundwasser - knapp ein Drittel der Süßwasservorräte - sind für die Wasserversorgung verfügbar und dieses Drittel ist global ungleich verteilt.

Manche Staaten in Afrika und im Nahen Osten leiden seit jeher unter Wassermangel, wofür neben einem klimatisch bedingten Mangel an Niederschlägen geringe Grundwasserreserven ursächlich sind. Diese Situation wird sich nach Prognosen der Weltbank weiter verschärfen (siehe Grafik), sodass im Jahr 2050 nur etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung über ausreichende Wasserreserven verfügen wird. Dies würde die Gefahr bewaffneter Konflikte um Wasservorkommen erhöhen. Eine globale Wasserbilanz täuscht jedoch darüber hinweg, dass auch in wasserreichen Regionen wie in Lateinamerika regional Trockengebiete wie z.B. die Atacama-Wüste existieren. Selbst im wasserreichen Nordamerika kommt es zunehmend zu Verteilungskonflikten zwischen wasserarmen Gebieten im Mittleren Westen und "wasserbesitzenden" Bundesstaaten. Neuerdings ist in diesen Streit auch Kanada involviert.


Vor allem in Staaten Afrikas und Asiens ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser jedoch auch ein soziales Problem. Nach Angaben der Deutschen Welthungerhilfe verfügen mehr als eine Milliarde Menschen nicht über die Möglichkeit, sich im Umkreis von einem Kilometer mit mindestens 20 Liter sauberen Wassers pro Tag versorgen zu können .

Betroffen ist hiervon vor allem die Landbevölkerung, doch zeichnet sich auch in vielen Armenvierteln der Metropolen in Entwicklungsländern die Tendenz ab, dass private Wasserhändler die Versorgung der Bevölkerung übernehmen, da das öffentliche Leitungsnetz zusammengebrochen ist, wobei viele Menschen den Preis für sauberes Wasser nicht entrichten können.

Somit ist die "Süßwasserkrise"1 auch ein Qualitätsproblem. Auf der Erde sind zwei Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, weltweit werden nur etwa fünf Prozent der Abwässer gereinigt. Als Konsequenz sterben pro Jahr fünf Millionen Menschen an Krankheiten, die durch verunreinigtes Trinkwasser verursacht werden.2

Schließlich ist Wasser auch ein wichtiger Energieträger. Groß angelegte Staudammprojekte zum Beispiel in der Türkei oder in China zeigen, dass Wasser weltweit als Rohstoff für Stromerzeugung genutzt wird. Dabei können jedoch Zielkonflikte in der Nutzung von Gewässern durch mehrere Anliegerstaaten entstehen, wie exemplarisch am Beispiel des Euphrat-Tigris-Gebiets gezeigt wird, oder es kann zu Kontroversen um den zu erwartenden Nutzen und den eintretenden ökologischen Schaden bei solchen Projekten kommen, wie im Fall des Drei-Schluchten-Staudamms in China (beide Beispiele im Baustein D).

Auch in Europa, wo es mit wenigen Ausnahmen - wie in Südspanien oder auf Malta - eine ausreichende Versorgung mit Süßwasser gibt, manifestiert sich die Süßwasserkrise als Qualitätsproblem bei der Trinkwasserversorgung, so auch in Deutschland. Die Gewinnung sauberen Trinkwassers aus Oberflächengewässern und aus Grundwasser wird erschwert durch Schadstoffeinträge aus Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft und Haushalten.

Wasserwirtschaft in Deutschland


Alle Gewässer, auch das Grundwasser und die Küstenbereiche von Nord- und Ostsee, stehen in Deutschland unter staatlicher Aufsicht. Eine Gewässerbenutzung wie das Einleiten von Stoffen oder die Entnahme von Wasser bedarf einer behördlichen Genehmigung. Rechtliche Grundlage hierfür ist das Wasserwirtschaftsgesetz, ein Rahmengesetz des Bundes, das die Länder ausführen und das sie durch Verordnungen ergänzen können.


Die Trinkwasserversorgung in Deutschland ist aufgrund der klimatischen Bedingungen - ausgenommen von einigen Mangelgebieten wie dem Großraum Frankfurt oder dem Mittleren Neckarraum - kein Mengen-, sondern ein Güteproblem. Anfang der siebziger Jahre wurde eine zunehmende Verschmutzung der Oberflächengewässer durch die Einleitung ungeklärter Abwässer aus Haushalten und Industrie festgestellt. Durch die Belastung mit schwer abbaubaren organischen Stoffen und mit Schwermetallen waren einige Flüsse wie die Emscher biologisch tot, andere näherten sich diesem Stadium. Die Trendwende begann mit dem Bau kommunaler Kläranlagen zur Reinigung der Haushaltsabwässer. Auch gewerbliche und industrielle Abwässer mussten nun gereinigt werden. Vielfach gingen Betriebe dazu über, gereinigtes Wasser wieder in den Produktionsprozess einzuspeisen und mehrfach zu verwenden. Als Folge dieser Maßnahmen ging die Belastung der Oberflächengewässer in den neunziger Jahren spürbar zurück und die Gewässergüte hat sich verbessert, jedoch ist die Belastungssituation durch die Einleitung von Pestizid- und Herbizidrückständen sowie anderer chemischer Stoffe komplizierter geworden.


Rund 73 Prozent des Trinkwassers in der Bundesrepublik werden aus Grundwasser gewonnen; 22 Prozent stammen aus Oberflächenwasser und fünf Prozent werden in Ufernähe eines Flusses aus Brunnen gefördert (Uferfiltrat). Besondere Aufmerksamkeit gilt deshalb dem Schutz des Grundwassers. Diese oft Tausende von Jahren alten Wasservorräte sind durch Schadstoffe in der Luft (Autoabgase, Industrieemissionen) und durch Niederschläge wie saurem Regen, besonders jedoch durch Stoffeinträge aus der Landwirtschaft, erheblich belastet. Neben Schädlings- und Unkrautvernichtungsmitteln spielt hierbei der Düngemittelrückstand Nitrat eine besondere Rolle. Die Gefährlichkeit des Nitrats für den Menschen ergibt sich daraus, dass es, im Körper aufgenommen, in Verbindung mit Aminosäuren Nitrosamine bildet, die als krebserregend gelten.


Die Trinkwasserverordnung des Bundes, in der eine EU-Richtlinie umgesetzt ist, sieht deshalb einen Grenzwert vom 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser vor. Dieser Grenzwert ist vielerorts überschritten oder fast erreicht. Zum Schutz ihrer Grundwasservorräte haben viele Länder im letzten Jahrzehnt ihre Wasserschutzgebiete erweitert und dadurch der landwirtschaftlichen Nutzung Beschränkungen bei der Düngung auferlegt.

Oberstes Ziel der Wasserpolitik des Bundes und der Länder ist der sparsame Umgang mit Trinkwasser, begleitet von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität.3 Hierzu gehören die Bereitstellung wassersparender Technologien und die Mehrfachverwendung von Wasser im industriellen Produktionsprozess. Zudem setzt man die Verminderung von Wasserverlusten in Versorgungsleitungen (immerhin fast 14 Prozent), die Sanierung der Abwasserkanalisation und schließlich den sparsamen Umgang mit Trinkwasser im Haushalt als Ziel. Das letztgenannte Ziel kann bereits in der Schule vermittelt werden.

Das Thema im Unterricht


Wasser ist Teil der alltäglichen Lebenswelt eines jeden von uns. Außerdem ist das Thema schon in der Grundschule Bestandteil des Sachkundeunterrichts. Die dadurch bedingte Vertrautheit mit dem Gegenstand kann man nutzen, um den Schülern zu vermitteln, in welchen Lebenszusammenhängen Wasser verbraucht wird, welchen Weg das Wasser von der Quelle bis zum Hahn nimmt und welche Probleme die Versorgung mit sauberem Trinkwasser im Hinblick auf Qualität und Quantität aufwirft.

Ziel einer solchen Unterrichtseinheit sollte es sein, die Schülerinnen und Schüler zu einem bewussten individuellen Umgang mit dem kostbaren Nass und zur sparsamen Nutzung zu erziehen.

Ergänzend zu diesem kleinräumlichen oder regionalen Ansatz kann das Thema auch anhand seiner globalen Problemfelder behandelt werden. Bei konstanten Süßwasservorräten und einer zunehmenden Weltbevölkerung ist vorhersehbar, dass Wasser knapper wird und sich die Verteilungskämpfe verschärfen werden. Hierbei ist zu beachten, dass Eingriffe des Menschen in den natürlichen Wasserhaushalt einerseits verursachend wirken können. Dies gilt sowohl für die Verschmutzung als auch für den Wassermangel. Andererseits aber bieten solche Eingriffe auch Lösungsmöglichkeiten, um das Phänomen des örtlichen Wassermangels zu beheben. Dies gilt - historisch betrachtet - für die Wasserversorgungssysteme des antiken Rom ebenso wie für die Ursprünge der Landeswasserversorgung in Baden-Württemberg, es gilt für Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft weltweit ebenso wie für die neue Methode der "Nebelernte" in den Wüstenregionen Chiles oder Namibias, bei der mit Hilfe von hohen engmaschigen Netzen die Luftfeuchtigkeit in Meeresnähe als Wasser gesammelt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wird.

Wasser ist ein Querschnittsthema, das sich für den fächerverbindenden Unterricht besonders eignet und als solches auch im Bildungsplan der Realschule für die achte Klasse vorgeschlagen wird. Dazu können vor allem die Fächer Erdkunde, Gemeinschaftskunde und Biologie Beiträge leisten, auch eine Beteiligung von Chemie ist vorstellbar. Erdkunde kann dabei die Raumbeispiele liefern und Verwendungszwecke des Wassers erarbeiten, Gemeinschaftskunde Interessen und Entscheidungsprozesse im wirtschaftlichen und politischen Bereich verdeutlichen und die Naturwissenschaften können Gefährdungspotenziale untersuchen.

Darüber hinaus findet der Themenbereich Wasser und Gewässer in den Lehrplänen der Sekundarstufe I aller Schularten in den Fächern Erdkunde, Biologie und Chemie Erwähnung. Lehrplanbezüge lassen sich auch in den Fächern Gemeinschaftskunde oder Wirtschaftslehre, Deutsch sowie in Religionslehre und Ethik herstellen.


Zu den Bausteinen


In diesem Heft wird versucht, verschiedene Themenbereiche unterschiedlicher Komplexität aufzugreifen. Zielgruppen sind demzufolge je nach Baustein Schüler unterschiedlicher Altersstufen der Sekundarstufe I. Baustein A geht vom Erfahrungsbereich der Schüler im Umgang mit Wasser aus und bietet Vorschläge für Erkundungen und Projekte im häuslichen oder lokalen Bereich an. Die Materialien des Bausteins A wenden sich vor allem an jüngere Schüler der Sekundarstufe I. Der Baustein führt in die Thematik ein und liefert eine allgemeine Orientierung. Neben Fragen zum Wasserkreislauf und zu Wasservorkommen in der Natur werden die Verwendungsbereiche des Wassers im Haushalt, damit verbundene Einsparmöglichkeiten und Fragen der Wasserverschmutzung und -reinhaltung thematisiert.

Die geographischen Raumbeispiele der Bausteine B und C liefern der Main-Tauber-Kreis, der Mittlere Neckarraum und der Bodensee, die Bausteine bieten also einen Überblick über Wasserversorgung und -nutzung in Baden-Württemberg. In Baustein B werden die verschiedenen Formen der Trinkwasserversorgung (lokale Brunnen, Fernwasserversorgung am Beispiel der Bodensee-Wasserversorgung) vorgestellt mit dem Ziel, die Schüler Vor- und Nachteile der jeweiligen Variante erarbeiten und diskutieren zu lassen. Am Ende des Bausteins wird die Kontroverse um die Privatisierung der Wasserversorgungsunternehmen aufgegriffen. Dieser eher textbezogene Baustein wendet sich vor allem an die Schüler der oberen Mittelstufe und hat, weil wirtschaftliche und politische Interessen im Rahmen der Wasserversorgung diskutiert werden, Anknüpfungspunkte vor allem an die Fächer Gemeinschaftskunde und Deutsch.

Baustein C beschäftigt sich mit der Wassernutzung in Industrie und Landwirtschaft, die einerseits neben den privaten Haushalten und deren Abwässer Grundwasser und Oberflächengewässer durch Schadstoffeinträge belasten und andererseits einen hohen Wasserbedarf haben. Es geht jedoch nicht um Schuldzuweisung an diese Produktionsbereiche, sondern mittels der Materialien kann auch das Innovationspotenzial erarbeitet werden, das in diesen Sektoren genutzt wird, um Wasserverbrauch und Wasserverunreinigung zu reduzieren.

Auch die Materialien in Baustein D wenden sich vor allem an Schüler der Mittelstufe. Der Baustein beschäftigt sich exemplarisch mit globalen Problemfeldern der Wasserkrise. Ausgehend von den humanitären Fragen, die Wasserknappheit und Überflutung in Bangladesch auslösen, wird im Baustein auf die wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Probleme verwiesen, welche die großen Staudammprojekte in der Türkei und in China aufwerfen. Sowohl das Südostanatolien-Projekt an Euphrat und Tigris als auch der Drei-Schluchten-Staudamm können im Unterricht unter diesen Gesichtspunkten auf Kosten und Nutzen untersucht werden. 

Dietmar Herz

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1 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU): Welt im Wandel. Wege zu einem nachhaltigen Umgang mit Süßwasser. Jahresgutachten 1997. Berlin: Springer. 1998, S. 47
2 Ebd., S. 19

3 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Umweltpolitik. Wasserwirtschaft in Deutschland. Bonn, 1998, S. 50

 


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