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Zeitschrift Wasser Wasser
im Alltag
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______________________________________________________________ Konflikte ums Wasser weltweit Während die Bausteine A, B und C die Wasserproblematik grundsätzlich oder in Bezug auf Industrieländer zur Sprache bringen, lenkt der Baustein D den Blick auf die oft drängenderen Probleme der Entwicklungsländer. Die Schüler haben hier ein Vorwissen, denn Wüste, Oase, künstliche Bewässerung, Versalzung, Chancen und Risiken von Staudammprojekten, Monsun und wechselfeuchte Tropen und Subtropen sind Lehrplaninhalte für die Klassen 7 und 8 des Erdkundeunterrichts. Typisches Raumbeispiel ist der Assuan-Staudamm in Ägypten, an dem sich das Zusammenwirken von Bevölkerungsdruck, künstlicher Bewässerung und ihren ökologischen Folgen sehr gut studieren lässt. Im Unterschied dazu thematisiert Baustein D weniger geläufige Raumbeispiele und setzt folgende Schwerpunkte:
Dadurch soll es den Schülern möglich werden, die globale Wasserproblematik und das ihr innewohnende Konfliktpotenzial besser zu verstehen, sich ansatzweise in die Situation der Betroffenen einzufühlen und über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken. Weil Lehrbücher die Wasserproblematik in Entwicklungsländern gern an Beispielen aus Afrika darstellen, in Asien aber noch mehr Menschen unter Wassermangel zu leiden haben und dort 70 Prozent der künstlich bewässerten Landwirtschaftsflächen liegen (Fischer Weltalmanach 2002, S. 1286), sollen drei Raumbeispiele von diesem Kontinent exemplarisch diskutiert werden:
Diese drei Raumbeispiele eröffnen vielfältige Zugänge zum Konfliktfeld "Wasser in Entwicklungsländern", in das auch die Industrieländer verwoben sind: als Geschäftspartner, Helfer oder Fluchtziel bei ökologischen Katastrophen. Allerdings können nur ausgewählte Aspekte des Konfliktfelds behandelt werden; der Interessengegensatz zwischen dem Großbauern, der bei künstlicher Bewässerung exportorientiert produzieren kann, und dem Kleinbauern, der kein Geld für die dafür notwendigen Investitionen hat, kommt hier zum Beispiel nicht zur Sprache. Globale Probleme (D 1 und D 5) Die Schätzaufgabe D 1 (Globale Wasserprobleme) soll Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken über Dimensionen und Ausmaß der Wasserkrise weltweit, besonders in Entwicklungsländern anregen. Dabei dürften die erschreckenden Zahlen über Krankheit und Tod durch unzureichende Wasserversorgung (Mangel und Verschmutzung) die Schüler emotional am meisten berühren. Informationen über wasserbezogene Krankheiten (wie Malaria, Cholera, Typhus, Bilharziose), eventuell auch der Austausch über Vorsichtsmaßnahmen bei riskanteren Reisezielen vertiefen das Problembewusstsein. Die Erkenntnis, dass die globale Wasserkrise, verglichen etwa mit BSE, erstaunlich wenig Medienresonanz findet, könnte Schüler aktivieren und z.B. dazu führen, ein Plakat zu gestalten, auf dem sie die Klassen- oder Schulöffentlichkeit mit ausgewählten Informationen, Graphiken und Bildern aufklären. Zur Vorbereitung von D 2 empfiehlt sich auch der Weltatlas von Diercke, S. 163 (4): Niederschlag, Abflussdiagramme, Überschwemmungen in Bangladesch. Der Text D 5 nähert sich dem Thema aus der Entwicklungshelferperspektive des Industrielandes Deutschland: Sauberes Wasser ist Schlüssel zur Erreichung weiterer Ziele wie Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung, Vorbeugung von Konflikten und Umweltschutz. Motivierte Schüler könnten sich beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei Kirchen oder zurückgekehrten Entwicklungshelfern über ein konkretes Wasserprojekt in der Dritten Welt erkundigen und mit einem Referat die Mitschüler informieren. Das Beispiel Bangladesch (D 2 bis D 4) Während die Wasserversorgung und -entsorgung in den Industrieländern ohne großen Aufwand für den einzelnen sicher funktioniert, erfordert dieses wichtigste aller Lebensmittel in Entwicklungsländern viel mehr Aufmerksamkeit und Arbeitskraft. Verschmutztes Wasser ist eine Quelle für Krankheit und Tod, sauberes Wasser für viele Arme viel zu teuer und für das Abkochen fehlt oft das Brennmaterial. Wasserbeschaffung ist meist Frauensache und nimmt mehrere Stunden am Tag in Anspruch. Besonders drängend sind die Wasserprobleme in den Ländern, die der jährlich erscheinende Weltentwicklungsbericht der Weltbank als "Länder mit niedrigem Einkommen" führt (Bruttosozialprodukt pro Kopf bis 785 Dollar). Zu dieser Ländergruppe zählen vor allem Staaten Afrikas südlich der Sahara und Südasiens, so auch Bangladesch (Fischer Weltalmanach 2000, S. 1110). Der Text D 2 und die Fotos D 3 und D 4 konkretisieren die Wasserkrise am extrem wechselfeuchten Bangladesch. Sie zeigen sowohl den internationalen Konflikt (Streit mit Indien um das Wasser von Ganges und Brahmaputra/Jamuna) als auch den Alltag des Wasserholens für Frauen. Hier sollen die Fotos als Impuls für ein Sich-Hineinversetzen in die Wasserholerin sein: Was verraten Situation, Mimik, Gestik, Kleidung? Wie fühlt sie sich? Wie lange braucht sie täglich für das Wasserholen? Gibt es in dieser Situation Gefahren, die sie fürchtet? Ist das Wasser sauber? Was möchte sie den Männern in ihrer Familie sagen? Ist sie mit ihrem Leben zufrieden? Weiß sie etwas über die Trinkwasserversorgung in anderen Ländern? Mögliche Aufgaben Leitfrage zu D 2: Wie prägt das Wasser das Leben der Menschen in Bangladesch? Aufgaben zu D 3 und D 4: Bitte wählt eines der beiden Bilder aus, betrachtet es genau und tauscht eure Eindrücke und Beobachtungen aus. Erfindet dann in Partnerarbeit ein Interview mit der Frau oder dem Mädchen für eine deutsche Schüler- oder Jugendzeitung. Ihre Aufgaben, vor allem in Bezug auf das Wasser, ihr Leben, ihre Träume könnten Themen des Interviews sein. Die Form eines fiktiven Interviews fordert von den Schülern, sich auf eine fremde Situation einzulassen und dabei das eigene Vorwissen einzubringen. Eine mögliche Veröffentlichung des Textes auf einer Wandzeitung, in der Schülerzeitung oder in einem lokalen Kirchenblatt fördert die Motivation. In einer guten Klasse kann man auch die Wassersituation dort mit der in Deutschland vergleichen (Schaubild 3).
Die Volksrepublik China steht zwar mit einem Bruttosozialprodukt je Kopf von 780 Dollar (1999) knapp unterhalb der "Länder mit mittlerem Einkommen", für welche die Weltbank Werte zwischen 786 und 3125 Dollar pro Kopf ansetzt (Fischer Weltalmanach 2002, S. 167). Trotz des noch gering erscheinenden Wertes gehörte China aber auch in den Jahren der Asienkrise zu den Ländern mit fortgesetztem Wachstum, was auch auf die ausländischen Direktinvestitionen in diesem Zukunftsmarkt zurückzuführen ist. Mit Blick auf die prosperierenden Küstenregionen kann China auch als Schwellenland gesehen werden. Das rückständige, oft schwer zu erreichende Hinterland allerdings braucht weitere Entwicklungsimpulse - der Drei-Schluchten-Damm am Jangtse soll einer sein. Die Materialien D 6 bis D 16 fächern das Projekt mit seinen Chancen und Risiken auf. Die Zuordnungsaufgabe D 6 ermöglicht es, ausgewählte Daten des größten Staudammprojekts der Welt mit Vergleichsgrößen aus dem Heimatraum in Beziehung zu setzen und so eine Vorstellung von seinen Dimensionen zu gewinnen; eine sehr gute Klasse kann die Vergleichsgrößen auch selbst entwickeln. Die Dimensionen des Projekts können auch durch Visualisierung der Vergleichsobjekte auf einem Plakat als Wandzeitung gezeigt werden. Die Karte D 7 und das Computerbild D 8 dienen der Orientierung und Veranschaulichung; eine Erörterung der technischen Details des Dammes ist allerdings nicht geplant. Der Text D 9 zeichnet den Weg zur Entscheidung über das Drei-Schluchten-Projekt nach, wobei weitere Informationen über das politische System in China hilfreich sind. Es wird aber auch so deutlich, dass das Projekt in der chinesischen Öffentlichkeit äußerst umstritten war und wohl noch ist. Die Kerntexte D 10 und D 11 stellen die Argumente für die Diskussion von Chancen und Risiken des Projekts bereit. Den zentralen Argumenten der Befürworter (Hochwasserschutz, Energieerzeugung und verbesserte Schifffahrt) stehen dabei zahlreichere, aber vielleicht weniger starke Argumente der Gegner gegenüber (Umsiedlung vieler Menschen, Landschaftszerstörung, Sedimentation, Dammbruchgefahr und Wasserverschmutzung durch Altlasten). Im sich anschließenden Rollenspiel können sich die Schüler als Regierungsvertreter, umzusiedelnder Bauer, Fabrikarbeiter, Fischer, Bewohner des unterhalb des Damms gelegenen Tals, ausländischer Geschäftsmann oder Staudammkritiker mit den Positionen auseinandersetzen. Für eine sehr gründliche Vorbereitung des Rollenspiels bieten Internet, Bildstellen, Zeitungsarchive und Bibliotheken noch weitere Informationen. Schließlich tragen die Schülerinnen und Schüler die Argumente für und gegen das Drei-Schluchten-Projekt in eine schematische Zeichnung ein und Gewichten sie (zum Beispiel mit einem bis fünf Punkten). So lässt sich ihre Stellungnahme auch quantitativ ausdrücken. Das Kraftwerk des Drei-Schluchten-Staudamms wird auch Technik aus Baden-Württemberg enthalten, denn dem internationalen Konsortium, das die Turbinen und Generatoren liefern soll, gehört auch die Firma Voith in Heidenheim an. 1998 fanden in der Hydraulischen Versuchsanstalt in Heidenheim, der Brunnenmühle, die Modellversuche für das Drei-Schluchten-Wasserkraftwerk statt. Die Bundesregierung unterstützt Lieferungen deutscher Firmen für dieses Projekt mit Hermes-Bürgschaften. Durch Internet-Recherche (D 12) lernen Schüler die Haltung verschiedener Gruppen und Medien dazu kennen und können sich eine eigene Meinung bilden. Die Materialien D 13 bis D 16 erweitern die Problematik im Hinblick auf Wasserverschwendung und Wasserknappheit in Nordchina. Die chinesische Karikatur D 15 kritisiert am Beispiel des Kühlens von Melonen Wasserverschwendung im Haushalt. Mehr noch als in Haushalten wird offenbar in Landwirtschaft und Industrie Wasser verschwendet (D 16), mit dramatischen Folgen für Grundwasserspiegel und Flusssysteme (D 13). In fernerer Zukunft soll Jangtse-Wasser in den trockenen Norden Chinas fließen (D 16). Verändert diese Perspektive die Einschätzung des Drei Schluchten-Projekts? Als abschließende Bewertung könnten die Schüler in einer Wandzeitung Gefahren und Chancen des Projekts anschaulich darstellen. Internationale Konflikte ums Wasser: So unterschiedliche Staaten wie Irak, Niederlande oder Kambodscha haben ein gemeinsames Problem: Die sich erneuernden Wasservorräte stammen zum größten Teil aus anderen Ländern. Während bei grenzüberschreitenden Flüssen in industrialisierten Ländern der gemäßigten Zone die Frage der Verschmutzung im Vordergrund steht, geht es in der trockenen Zone bei Nil, Jordan oder Euphrat und Tigris um die Wassermenge, die ein flussabwärts liegender Staat (=Unterlieger) braucht, aber vielleicht nicht bekommt. Internationale Konflikte können die Folge sein, der viel beschworene Krieg ums Wasser ist glücklicherweise bisher ausgeblieben. Im Mittelpunkt steht hier die Kontroverse um das Wasser an Euphrat und Tigris, wo ehrgeizige Staudamm-Projekte der Türkei Auseinandersetzungen mit den Nachbarn befürchten lassen. Die geographische Orientierung der Schülerinnen und Schüler kann in Partnerarbeit oder mit Hausaufgaben vorbereitet werden. Mögliche Aufgabe oder Hausaufgabe
Lösungsbeispiele:
a) Euphrat 2930 km (mehr als doppelte Länge des Rheins) Tigris 1900 km (etwa 1,5-fache Länge);
Die Texte D 22 und D 23 thematisieren die Situation Syriens und des Iraks, die besonders unter der reduzierten Abgabemenge und der Verschmutzung des Wassers leiden und in Zukunft vermehrt unter "Wasserstress" geraten dürften. Beide Staaten fordern, Euphrat und Tigris nicht nur als "grenzüberschreitende" Gewässer einzustufen, die einem Anlieger die volle Verfügungsgewalt über die Wasserressourcen belässt, die sich auf seinem Gebiet befinden. Sie wollen den Status eines "internationalen" Gewässers, der allen Anrainerstaaten Mitsprache bei der Vergabe von Nutzungsrechten zugesteht. Sie sind aber nicht nur Opfer türkischer Entwicklungsplanung: Syrien vernachlässigt den traditionellen Regenfeldbau zugunsten des Bewässerungsfeldbaus und macht sich damit noch abhängiger vom Euphratwasser; der Irak benutzt veraltete Bewässerungsanlagen und verschwendet damit viel Wasser. Die Türkei befindet sich gegenwärtig - auch wegen der Schwäche des Irak - in einer Position der Stärke. Doch die Türkei dürfte kein Interesse daran haben, schwelende Konflikte militärisch zu lösen. Die zwischen den Konfliktpartnern notwendigen Gespräche könnten die Schüler in Form eines sach- und ergebnisorientierten Rollenspiels erproben (Beispiel: Internationale Euphrat-Tigris-Konferenz). Da es hier in erster Linie um einen internationalen Konflikt ums Wasser geht, sind bei dieser Konferenz Staaten als Konfliktparteien vorgesehen. Wer weitere Komplikationen nicht scheut, könnte aber auch einen umzusiedelnden Dorfbewohner, einen Industrielobbyisten, einen Vertreter nichtstaatlicher Organisationen wie IRN oder WCD (vgl. D
24) und andere in das Rollenspiel einbauen. Bei schwächeren Klassen empfiehlt es sich, die Grundpositionen der Staaten
(D 19, D 21, D 22, D 23) vorab zu erarbeiten.
In jedem Fall sollte die Tabelle D 25 gemeinsam bearbeitet werden, weil hier der Zusammenhang von Zufluss aus dem Ausland und Bevölkerungswachstum thematisiert wird. Welcher Staat muss sich die meisten Sorgen machen, welcher die wenigsten? Die Statistik lässt den Druck erahnen, unter dem Staaten stehen müssen, deren Bevölkerung sehr schnell wächst, deren Wasser aber meist aus den Ländern kommt, zu denen man keine guten Beziehungen hat. Am Schluss lässt sich die Brücke zurück zu uns schlagen und zeigen, dass es etwa Deutschland durchaus etwas angeht, wenn Unterdrückung, Armut oder ökologische Probleme das Leben der Menschen in der Dritten Welt belasten. Wer die weltweiten Flüchtlingsströme sieht, der erkennt, dass Deutschland nicht nur aus moralischer Pflicht, sondern durchaus im wohlverstandenen eigenen Interesse handelt, wenn es sich um internationale Probleme kümmert.
Literaturhinweise
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Wasser - Konflikte lösen, Zukunft gestalten. Materialien Nr. 99. Bonn: BMZ 1999 Robert Engelman, Bonnie Dye, Pamela LeRoy: Mensch, Wasser! Report über die Entwicklung der Weltbevölkerung und die Zukunft der Wasservorräte. Hrsg.: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung. Stuttgart: Balance. 2000 Stefan Fiebig: Chinas Drei-Schluchten-Projekt. In: Geographie heute 190/2001, S. 42-46 Fischer Weltalmanach 2001/2002. Frankfurt: Fischer Taschenbuch. 2000/2001. Christiane Grefe: Die grüne Dichterin. In: Die Zeit Nr. 32/2001, S. 43 f. Eckhardt Freiwald: Der Drei-Schluchten-Damm in China. Hamburg: Toro. 1997 Thomas Hoffmann: Wasser in Asien. Elementare Konflikte. Hrsg. vom Asienhaus Essen. Osnabrück: Secolo. 1997 |
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