Zeitschrift 

Wasser

Wasser im Alltag
Fernwasserversorgung in
Baden-Württemberg
Wasser in der Landwirtschaft
und Industrie
Konflikte ums Wasser weltweit

 



 

Inhaltsverzeichnis


BAUSTEIN B

 

Fernwasserversorgung in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es infolge der Niederschlagsmengen und der geologischen Bedingungen Wasserüberschuss- und Wassermangelgebiete. Zu den Überschussgebieten zählen das Rheintal, die Bodenseeregion sowie das Donau- und Illertal. Dort sind die Lockergesteinsablagerungen der Eiszeit (Schotter, Kies oder Sand) vorhanden, die ein großes Hohlraumvolumen und gute Wasserdurchlässigkeit aufweisen. Diese Gesteine können Wasser gut speichern und begünstigen die Neubildung von Grundwasser aus Niederschlägen.

Im Gegensatz dazu stehen die Mangelgebiete, zum Beispiel die Hochfläche der Schwäbischen Alb, die Gäulandschaften und die Hohenloher Ebene, da in den Hohlraumsystemen der verkarsteten Jura- und Muschelkalkböden die meisten Niederschläge unterirdisch abfließen und nur an wenigen Stellen in Tälern als Quellen zu Tage treten.


Herkunft
75 Prozent Grundwasser
25 Prozent Oberflächenwasser


Versorgungsarten
49 Prozent Gemeinde-Wasserversorgung
32 Prozent Fernwasserversorgung
19 Prozent Gruppenwasserversorgung


Quelle: Markus Langner, UVM Baden-Württemberg, 2002 (Daten von 1998)

Die drei Säulen der Wasserversorgung in Baden-Württemberg

Diese ungleiche Verteilung des Wasserangebots wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Problem, da das Bevölkerungswachstum, die einsetzende Industrialisierung und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion die Nachfrage nach Wasser steigerten. Um einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage, zwischen Wassermangel- und -überschussgebieten zu schaffen, wurden Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Gruppenwasserversorgungen auf der Alb gegründet; 1912 erfolgte die Gründung der Württembergischen Landeswasserversorgung als erste Fernwasserversorgung und 1954 wurde die Bodensee-Wasser-Versorgung (BWV) ins Leben gerufen, mittels derer der Bodensee als Trinkwasserreservoir zunächst für den Mittleren Neckarraum erschlossen wurde. Heute versorgt die BWV über 170 Kommunen und Zweckverbände mit rund 3,7 Millionen Einwohnern zwischen Bodensee und Tauber.


Zielkonflikte

Für die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser, das der Norm der Trinkwasserverordnung entspricht, sind jedoch die Kommunen verantwortlich. Mehr als die Hälfte der etwa 1 370 kommunalen Versorger betreiben ihre eigenen Wassergewinnungsanlagen. So ist es auch Aufgabe der Kommunen, ihre Wasservorräte zu schützen, für einen nachhaltigen Umgang mit ihnen zu sorgen und die Bevölkerung mit Trinkwasser zu einem angemessenen Preis zu versorgen.1 Hier beginnen für viele kleinere Gemeinden die Zielkonflikte. Die Belastungen des Grundwassers sind in den letzten Jahren gewachsen, Schadstoffeinträge haben zugenommen. Als Konsequenz formuliert der Umweltplan des Landes Baden-Württemberg vorsorgenden Grundwasserschutz als Ziel und sieht vor, bis zum Jahr 2010 29 Prozent (statt bisher 19 Prozent) der Landesfläche als Wasserschutzgebiete auszuweisen.2 Damit aber werden höhere Investitionen für den Schutz oder gar die Sanierung der Grundwasservorkommen erforderlich.


Das Beispiel Wertheim

Ein Beispiel für einen solchen Zielkonflikt ist die Auseinandersetzung um die Sanierung lokaler Wasserressourcen, wie sie sich zu Beginn der neunziger Jahre in Wertheim ereignete. Nachdem sich der Nitratwert in den Brunnen der Stadt dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm je Liter näherte, beschloss der Gemeinderat den Anschluss an die Bodensee-Wasserversorgung, um durch Beimischung des nitratarmen Bodenseewassers den Nitratgehalt des Trinkwassers zu senken. Dieses Vorhaben war eingebunden in ein Konzept des Umweltministeriums, das die Verlängerung des BWV-Leitungsnetzes in den Norden des Main-Tauber-Kreises vorsah, um einerseits den dort herrschenden Wassermangel auszugleichen, andererseits einigen Gemeinden, deren Wasservorkommen erhöhte Nitratwerte aufwiesen, eine Übergangsregelung zu ermöglichen.

Bestandteil dieses Konzepts war die Forderung an diese Gemeinden, ihre Grundwasservorräte zu sanieren. Trotz dieser Bedingung regte sich in Wertheim Widerstand gegen die Pläne. Eine Bürgerinitiative forderte den Verzicht auf den Anschluss an die Bodensee-Wasser-Versorgung und die sofortige Umsetzung eines Sanierungskonzepts.3 Sowohl Stadtverwaltung als auch die Bürgerinitiative argumentierten nicht nur pragmatisch, sondern auch ethisch: Sollte man die Bevölkerung nicht sofort, also durch den Anschluss an die BWV, mit unbedenklichem Trinkwasser versorgen? Oder bedeutete das nicht gerade nur die Verlagerung der Verantwortung für die Sanierung der eigenen Brunnen auf zukünftige Generationen? In einem Bürgerentscheid unterstützten 80 Prozent der Wähler den Standpunkt der Bürgerinitiative und verwarfen den Anschluss an die Fernversorgung.

Tafelbild
Fernwasseranschluss oder Nutzung lokaler Quellen?
Gründe für den Anschluss in Wertheim und Buchen
  • Hohe Nitratwerte
  • Größere Versorgungssicherheit ("Zweites Standbein")
  • Gefahr von Chemieunfällen auf der Autobahn
  • Anschluss kleinerer Gemeinden im Umland wird möglich
  • Senken der Wasserhärte
  • Nachweis von Fremdstoffen im Grundwasser
  • Veraltete Technik im Wasserwerk kann Rohwasser nicht ausreichend filtern
  • Hohe Investitionskosten für Renovierung
  • Asphaltierung einer Straße durchs Wasserschutzgebiet erhöht Gefahr von Unfällen
  • Wasserschutzgebiet kann aufgelöst werden
  • Wassermangel, begrenzte Kapazität der lokalen Quellen
  • Wasserpreis bleibt stabil
  • Argumente der Anschlussgegner
  • Nach dem Verursacherprinzip besteht lokale Verantwortung für den Zustand des Grundwassers, deshalb Sanierung der Quellen
  • Die Zuschüsse für den Anschluss können für die Sanierung verwendet werden
  • Bezieher von Bodenseewasser haben keinen Einfluss auf dessen Qualität
  • Bodenseewasser unterliegt Transportgefahren


Die erhoffte Signalwirkung der Wertheimer Entscheidung, die eine Diskussion um das Verursacherprinzip auslösen sollte, ist jedoch ausgeblieben. Schlimmer noch: Die Erfolge der seit 1991 betriebenen Brunnensanierung beschränken sich darauf, dass die Nitratwerte im Wertheimer Grundwasser nicht weiter gestiegen sind. Gesenkt wurden sie nicht. Der Lerneffekt mag darin bestehen, dass man jetzt weiß, dass die Sanierung bestehender Grundwasservorräte eine langwierige Angelegenheit ist.


Der Bodensee als Trinkwasserspeicher


Nicht nur das Grundwasser, auch die Oberflächengewässer sind seit den sechziger Jahren vermehrten Belastungen ausgesetzt gewesen. Als Trinkwasserspeicher war hier der Bodensee besonders betroffen. Er ist der größte natürliche Trinkwasserspeicher Europas und versorgt etwa vier Millionen Menschen. Durch die Einleitung ungeklärter Abwässer kamen Fäkalien und Waschmittelrückstände in den See, was zu einem Anstieg des Algenwachstums führte. Dazu wurde der See über seine Zuflüsse von Industrie und Landwirtschaft belastet. Der Phosphorgehalt im See stieg so stark an, dass die Wasserwirtschaft in den siebziger Jahren Alarm schlug.


Ein groß angelegtes Programm zum Bau kommunaler Kläranlagen sorgte hier wie andernorts dafür, dass der Phosphorgehalt seit Ende der achtziger Jahre wieder rückläufig ist (von 87 Milligramm je Kubikmeter im Jahr 1979 auf nur 14 Milligramm im Jahr 2000). Der Erfolg dieser Maßnahmen ist auch darauf zurückzuführen, dass 17 Wasserwerke dem See Trinkwasser entnehmen. Die Wasserwerke sorgen für die Reinhaltung des Sees, verfolgen aber auch ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen. Das größte unter ihnen ist die Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen bei Überlingen, die dem See 1993 etwa 132 Millionen Kubikmeter Wasser entnahm und damit rund ein Drittel der baden-württembergischen Bevölkerung mit Trinkwasser versorgte (B 12). Der Rückgang des Phosphorgehalts hat jedoch nicht nur dazu beigetragen, dass der Bodensee wieder sauberer geworden ist. Da Phosphor auch ein Nährstoff ist, ging auch der Fischbestand zurück.


Der Bodensee ist auch ein Beispiel für eine gut funktionierende internationale Zusammenarbeit zur gemeinsamen Nutzung eines Gewässers durch die Anlieger. Zwar entfallen hier naturgemäß Konflikte, wie sie zwischen den Ober- und Unteranliegern eines Flusses entstehen. Vielleicht gerade deshalb gelang es den Anliegerstaaten (Schweiz, Österreich, Bayern, Baden-Württemberg sowie Liechtenstein mit Beobachterstatus) jedoch, mit der Einrichtung der Internationalen Gewässerschutz-Kommission für den Bodensee (IGKB) 1959 ein Gremium zu schaffen, dessen Empfehlungen zur Gewässerreinhaltung von den Anliegerstaaten meist umgesetzt werden, nicht zuletzt, weil Konsens über die Ziele besteht. Zu ihren Aufgaben gehörten die Überwachung und Messung der Wasserqualität, die Feststellung von Belastungsursachen und die Empfehlung von Maßnahmen zur Abhilfe. Insbesondere die Verbesserung der Wasserqualität, aber auch Renaturierungsmaßnahmen zählen denn auch zu ihren Erfolgen. Weniger erfolgreich war die IGKB beim Versuch, Einträge aus der Landwirtschaft zu minimieren sowie die Zersiedelung entlang des Bodensees aufzuhalten.


Privatisierung der Wasserwirtschaft


Am Ende des Bausteins wird die aktuelle Diskussion um die Privatisierung der Wasserwirtschaft aufgegriffen. Die rund 6000 deutschen Wasserversorgungsunternehmen sind in öffentlicher Hand. Folgende Grundüberlegungen bestimmen nun die Diskussion:

  • Die von der Europäischen Union betriebene Deregulierungspolitik, die schon zur Privatisierung der Strom- und Kommunikationsmärkte führte, könnte in der Privatisierung der Wasserwirtschaft eine Fortsetzung finden.
      

  • Die deutsche Wasserwirtschaft ist nicht nur stark zersplittert, auch sind die Versorgungsleitungen hochgradig renovierungsbedürftig. Die oftmals kleinen lokalen Versorger sind aber kaum in der Lage, die fälligen Investitionen von jährlich bis zu zehn Milliarden Euro aufzubringen.
      

  • Eine mögliche Folge wäre, so die Skeptiker, die Übernahme der deutschen Wasserversorger durch multinationale Konzerne. Dann würden die Kommunen die Kontrolle über die Wasserqualität und die Gestaltung des Wasserpreises verlieren, was gesundheitspolitisch fragwürdig wäre und zu sozialen Härten führen könnte.
      

  • Als "abschreckendes" Beispiel wird häufig die Privatisierung der Wasserwirtschaft in Großbritannien unter der Regierung Margaret Thatchers angeführt. Dort habe sich nicht nur die Trinkwasserqualität verschlechtert, auch die Preise seien gestiegen. Zudem verschärfe, wie auch die Beispiele in Frankreich und den Niederlanden zeigten, die Privatisierung die Konzentrationstendenzen in der Wasserwirtschaft: In Großbritannien sank die Zahl der Anbieter nach der Privatisierung von 3500 auf zehn, in den Niederlanden von hundertelf auf fünfzehn.
        

  • Im internationalen Vergleich sind die Wasserpreise in Deutschland hoch, was für Privatunternehmen die Übernahme der lokalen Wasserversorger attraktiv mache.

Demgegenüber verweisen Privatunternehmen wie RWE auf technische Besonderheiten. Anders als Strom könne Wasser nicht einfach durchgeleitet werden, da es kein zusammenhängendes Leitungsnetz gebe, und es zu teuer wäre, eines zu schaffen. Zudem würden die Erfahrungen mit den bereits deregulierten Strom- und Kommunikationsmärkten zeigen, dass die Verbraucher mit sinkenden Preisen rechnen könnten. Andererseits sind die Gewinnmargen im Wassersektor, zumal bei den in Deutschland herrschenden Preisen, für Investoren ungeachtet der anstehenden Investitionsaufwendungen attraktiv. Manche der privaten Unternehmen setzen auf punktuelle Kooperationen mit größeren Versorgern, zum Beispiel in Berlin oder Rostock. Welche der Szenarien Realität werden, ist noch offen.


Unterrichtspraktische Hinweise


Ziel dieses Bausteins ist es, die Vorzüge und Nachteile der beiden Formen der Wasserversorgung (lokale Brunnen oder Fernwasser) herauszuarbeiten sowie Chancen und Risiken zu erkennen, die mit einer Privatisierung der Wasserversorgung verbunden sind. Hierzu dient die Expertendiskussion am Ende (B 25).


Ursachen und Erklärungen (B 1 bis B 4)


Die Materialien B 1 bis B 4 liefern Informationen über die historischen und naturräumlichen Ursachen der Fernwasserversorgung in Baden-Württemberg. Ausgehend von der Karte B 4 können die Gebiete mit Wassermangel (zum Beispiel der Mittlere Neckarraum, der Main-Tauber-Kreis, Hohenlohe und Teile der Schwäbischen Alb) und Wasserüberschussgebiete wie der Schwarzwald und das Westallgäu (gemessen an den Niederschlagsmengen) bestimmt werden. Karte B 2 verdeutlicht, dass vor allem der Mittlere Neckarraum Abnehmer von Fernwasser aus dem Bodensee und aus dem Donaugebiet ist. Ursachen für den Durst des Mittleren Neckarraums liegen neben dem natürlichen Wassermangel im Grad der Industrialisierung der Region und - daraus resultierend - im Bevölkerungswachstum seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Sowohl der Aufbau der Landeswasserversorgung vor dem Ersten und der Bodenseewasserversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg fallen mit Industrialisierungsschüben zusammen. Demgegenüber lässt sich das Fehlen von Fernwasserleitungen im Rheintal oder im Schwarzwald mit dem dort herrschenden Wasserüberschuss erklären, in manchen Gebieten - wie Nordostwürttemberg - mit der niedrigen Bevölkerungsdichte.


Fernwasser oder Brunnensanierung
(B 3, B 5 bis B 11)


Der Text B 3 sowie die Materialien B 5 bis B 11 nehmen auf das Fallbeispiel Wertheim Bezug. Neben Fragen der quantitativen Wasserversorgung treten gesundheitspolitische Überlegungen, wenn mit Blick auf die Trinkwasserverordnung Nitrat als Problem gesehen wird. Anhand von B 3 kann sowohl der Entscheidungsprozess skizziert werden, der zum Anschluss Wertheims an die Bodensee-Wasser-Versorgung (BWV) führen sollte, der Text eignet sich auch zum Erarbeiten der Pro-Argumente. Deutlich sollte werden, dass die Anschlussbefürworter eine Doppelstrategie verfolgten: Anschluss und Brunnensanierung. Die sehr praktischen Überlegungen, welche die Stadt Buchen veranlassten, sich der BWV anzuschließen, können dies ergänzen; die Motive können aber auch kontrastiv gegenübergestellt werden (B 5). B 6 gibt die Position der Anschlussgegner wieder. Der Zeitungskommentar B 7 relativiert die beiden Positionen. Die Texte B 5 bis B 7 sind geeignet, eine Pro- und eine Contra-Liste zu erstellen. Auch Max Webers Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik lässt sich daran exemplifizieren. Im Text B 8 werden die Beschränkungen verdeutlicht, denen das Leben und Wirtschaften im Wasserschutzgebiet unterliegt. Das Bild B 9 dient der Visualisierung und soll zeigen, dass ein Wasserschutzgebiet nicht notwendigerweise an einer abgeschiedenen Stelle im Wald liegt. Beim Gedicht (B 11) erscheint es erforderlich, die Aussage der dritten Strophe zu hinterfragen. Eine Schuldzuweisung an Landwirtschaft und Industrie, also an "die anderen", ist bequem. Es sollte berücksichtigt werden, dass diese Sektoren Güter erwirtschaften, die von allen benötigt werden, und dass sie Arbeitsplätze bereitstellen, so dass letztlich die Verantwortung für den Schutz des Wassers kollektiv ist. Die beiden Zeilen können eine Diskussion über das Verhältnis von Ökologie und Ökonomie auslösen. Denkbar ist, das Gedicht unter Einbezug der bisher erarbeiteten Kenntnisse fortzusetzen, so dass die Schüler sich für oder gegen einen Fernwasseranschluss aussprechen.


Die Bodenseewasserversorgung (B 12 bis B 20)


Der Text B 12 bietet Basisinformationen über die Bodenseewasserversorgung, die Grafik B 14 veranschaulicht den technischen Ablauf im Wasserwerk Sipplingen. Die Materialien B 13 sowie  B 15 und B 16 zeigen die Probleme der Eintragung von Phosphor in die Oberflächengewässer. B 15 verdeutlicht das alarmierende Ansteigen der Phosphorwerte im Bodensee, B 16 gibt Aufschluss über die Ursachen: Waschmittelrückstände und menschliche Exkremente aus ungeklärten Abwässern machten 1975 noch rund zwei Drittel der Einträge aus. In B 16 wird auch der Rückgang der Einträge von knapp 154.000 Tonnen auf weniger als 60.000 Tonnen pro Jahr sichtbar. Ursachen sind die Einführung phosphatfreier Waschmittel und der Phosphatfällung in Kläranlagen. Der prozentuale Anteil der Landwirtschaft an den Phosphoreinträgen, der hauptsächlich durch Bodenerosion entsteht, hat sich zwar erhöht, ist aber in absoluten Zahlen etwa gleich geblieben. Die zunehmende Verwendung phosphorfreier Düngemittel hat sich noch nicht mindernd ausgewirkt. Die Karte B 17 verdeutlicht, welche Bedeutung der Bodensee als Trinkwasserreservoir für die Anlieger hat. 17 Wasserwerke nutzen den See: Das erste wurde 1895 in St. Gallen in Betrieb genommen, das größte ist das BWV-Werk in Sipplingen. Die Gewässergütekarten B 18 erklären die Trendwende bei der biologischen Belastung der Oberflächengewässer des Landes, die sich nicht nur auf den Bodensee positiv ausgewirkt hat. Bei allen Oberflächengewässern machte sich das Maßnahmenbündel zur Klärung der Abwässer in Industrie und Kommune bemerkbar. B 19 liefert Basisinformationen über die Arbeit der Internationalen Bodensee-Schutzkommission. Damit kann die Frage verbunden werden, weshalb die Anliegerstaaten zusammenarbeiten und welche Ursachen der Erfolg der Kommission hat. B 20 erweitert die Themenstellung und entwickelt ein Zukunftsszenario. Die Frage, ob der geschilderte Zustand wünschenswert ist, mag rhetorisch sein, sie kann jedoch erweitert werden um die Frage, wie sich die beschriebene Situation auf den See auswirkt. Zu erwarten wären Antworten, die auf neue Belastungen durch die gewachsene Besiedelung, durch Freizeitnutzung oder durch Autoabgase hinweisen. (Fairerweise muss gesagt werden, dass im Originaltext diese Probleme auch angesprochen werden. Dort werden sie durch neue Technologien gelöst.)


Privatisierung der Wasserwirtschaft?
(B 21 bis B 24)


Die Texte B 21 bis B 24 befassen sich mit der diskutierten Privatisierung der Wasserwirtschaft in Deutschland. Statt nach Vor- oder Nachteilen kann hier auch nach Gewinnern und Verlierern einer Privatisierung gefragt werden. Eine Problematisierung könnte durch die Frage entstehen, ob Trinkwasser als Lebensmittel einen Sonderstatus beanspruchen darf oder ob es eine Marke wie jede andere werden kann.


Planspiel und Abschluss (B 25 und B 26)


Das abschließende Planspiel B 25 kann die Form einer Expertendiskussion annehmen. Die Schüler sollten zunächst die im Text enthaltenen Argumente zu den einzelnen Lösungen identifizieren und ordnen. Aufgabe: Ordnet die Argumente der Stadtverwaltung nach Vor- oder Nachteilen, sucht selbst weitere Argumente für oder gegen die Vorschläge und diskutiert sie. Welche Entscheidung soll der Frankenheimer Gemeinderat treffen? In einem zweiten Schritt sollten sie die Optionen mit weiteren, selbst zu findenden Argumenten ergänzen. Abschließend kann eine Podiums- oder Gemeinderatsdiskussion inszeniert werden, an deren Ende eine Abstimmung steht. Denkbar wäre auch, die Schüler ein Flugblatt oder Poster zugunsten einer der Varianten gestalten zu lassen. B 26 fragt nach einigen zentralen Begriffen, die in diesem Baustein erarbeitet worden sind.

Literaturhinweise
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Umweltpolitik: Wasserwirtschaft in Deutschland, Bonn 1998
Thomas Kluge: Wasser und Gesellschaft. Von der hydraulischen Maschinerie zur nachhaltigen Entwicklung. Opladen: Leske und Budrich, 2000
Thomas Kluge / Engelbert Schramm / Aicha Vack: Wasserwende. Wie die Wasserkrise in Deutschland bewältigt werden kann. München: Piper, 1995
Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Bürger im Staat 46 (1996), Heft 1 Wasser
Misereor (Hrsg.): Wasser. Eine globale Herausforderung. Bad Honnef: Horlemann, 1996
Naber, Gerhard. Fernwasserversorgung. München: Oldenbourg, 1996
Das Parlament Nr. 1-2/2000, Thema: Wasser
Wasser - der bedrohte Lebensstoff. Düsseldorf: VDI, 1996

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1 Leitbild: Zukunftsfähige Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg. Stuttgart, Ministerium für Umwelt und Verkehr, 2000
2 Umweltplan 2000 Baden-Württemberg. Stuttgart: Ministerium für Umwelt und Verkehr, 2000
3 Bernd Roling: Der Wertheimer Wasser-Fall. Der Bürger im Staat 42 (1992), Heft 1, S. 20-24

 


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