Zeitschrift

Deutschland wächst zusammen

Baustein D

Einheit braucht Zeit

"Schön war die Zeit"

Heft 2/2000 , Hrsg.: LpB


Inhaltsverzeichnis



D 1: Angebote an Aufklebern für Nostalgiker Ost und West

Annonce der Firma CUCCUC commerce. Titanic 2000/1, S. 53. www.schoen-war-die-zeit.de

D 2: Anzeichen von "Ostalgie"

  • Filme und TV-Serien aus "volkseigener" DDR-Produktion werden seit Mitte der neunziger Jahre von ostdeutschen Sendern in großer Zahl und mit hohen Einschaltquoten wieder ausgestrahlt.
  • In ostdeutschen Diskotheken werden auf sogenannten "Ostrock-Partys" die Platten der DDR-Gruppen Die Pudhys, Klaus-Renft Combo und Karat begeistert aufgenommen.
  • Die sozialistische Jugendweihe erfreut sich bei den 14-Jährigen in den neuen Bundesländern zunehmender Beliebtheit.
  • Wer im Osten etwas auf sich hält, raucht F6 oder trinkt Rotkäppchensekt.
  • In Lenzau bei Lüchow-Dannenberg ist ein vielbesuchtes Nostalgie-Museum eingerichtet worden: ein DDR-Konsumladen mit Turnervater-Jahn-Sekt, Ata, Sil, dem Weichspüler Wolafür und in der Buchecke "Erich Honecker: Mein Leben".
  • Der riesige Kopf des Karl-Marx-Denkmals in der sächsischen Stadt Chemnitz (zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Stadt) ist auch heute noch ein Markenzeichen dieser Stadt und wird nachts mit Scheinwerfern angestrahlt.
  • Auf ehemaligem DDR-Grenzgebiet westlich von Eisenach wurde vom Militärhistorischen Verein ein Stück der alten Grenzanlagen naturgetreu wieder aufgebaut als Treffpunkt für frühere Soldaten der Nationalen Volksarmee und für Gedenkveranstaltungen.
  • Viele ostdeutsche Fußballfreunde wünschen sich die alte DDR-Oberliga zurück. Wenn die Regionalliga Nordost Fußball spielt, dann ist das, als würden 50 Jahre DDR gefeiert.
  • In der linken Jugendszene in Ostdeutschland sind rote Sterne sowie Hammer-und-Sichel-Symbole, als Sticker oder an Kettchen, keine Seltenheit.


Nach: Metzler Aktuell 4/1999 und Deutschland-Archiv 4/1999, S. 552-563.


D 3: Blick zurück im Aufbruch

Bild: epd, 1991

D 4: Stolz auf die Vergangenheit

Obwohl die Ostdeutschen beständig mehrheitlich betonen, dass sich ihre wirtschaftliche Lage seit der Vereinigung verbessert habe, äußern sie sich zunehmend vom Verlauf des Einigungsprozesses enttäuscht..., drei Viertel sehen sich als "Bürger 2. Klasse" in Deutschland. Die DDR wünschen sich zwar nur noch 15 Prozent zurück... Trotzdem behaupten 75 Prozent der neuen Bundesbürger, sie seien stolz auf ihr Leben in der DDR... Die in dieser Form vielleicht nie dagewesene Identifikation der Ostdeutschen mit der DDR lässt sich ... nicht als Ausfluss einer mitgebrachten ideologischen Beschränktheit abtun... Festzustellen ist vielmehr, dass sich die Mehrheit der ostdeutschen Bevölkerung immer weniger politisch in der Bundesrepublik beheimatet sieht... Nach der Phase der Glorifizierung des Westens und einer Phase der resignativen Ernüchterung ... greift eine neue Ost-Identität um sich.

Hans-J. Misselwitz: Nicht länger mit dem Gesicht nach Westen, Bonn (Dietz) 1996, S. 26 f. (Hans-J. Misselwitz war Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Potsdam.)


D 5: Schöne Erinnerungen

Auto und Datsche - Symbole des Wohlstandes


Pionier-Lager im Bezirk Erfurt
Bilder: Bundesarchiv

D 6: "So ging es"

Im Osten haben die Leute ihre Arbeit gemacht. Das war nicht so effektiv wie im Westen und sie sind nicht gefordert worden, selbst zu denken, Verantwortung für sich zu übernehmen, ihres eigenen Glückes Schmied zu sein. Sie bekamen ihre Lehrstelle. Das war sicher. Dann fanden sie ihren Beruf. Der war auch sicher. Wenn sie dann noch eine Weile warteten, bekamen sie ihre Zweizimmerwohnung, ihren Trabbi, wenn sie noch ein Weile warteten, hatten sie ihre Rente... So ging es. Und nun kommt eine völlig andere Wirtschaftsordnung, eine völlig andere Denkweise. Und es kommt eine Demokratie, von der die Leute im Osten noch immer nicht richtig begriffen haben, was das eigentlich bedeutet.

Erich Loest; in: Esslinger Zeitung vom 19. August 1999, 
S. 19. (Der Schriftsteller Erich Loest war als Dissident aus der DDR ausgewiesen worden und lebt heute wieder in Leipzig.)


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