Zeitschrift

Deutschland wächst zusammen

Baustein C

Vom Plan zum Markt

Wachstum ohne Beschäftigung


Heft 2/2000 , Hrsg.: LpB


Inhaltsverzeichnis


C 16: Die Wende am Arbeitsplatz

Für die Ostdeutschen war die Umstellung nach der Wende am Arbeitsplatz am deutlichsten spürbar. Im Gegensatz zu den auf Freizeit ausgerichteten Westdeutschen definierte man sich im Osten durch seine Arbeit im Betrieb. Dabei gewährte in der ehemaligen DDR die in der Verfassung verankerte Garantie auf einen Arbeitsplatz Sicherheit gegen den Verlust des sozialen Status, und das berechenbare Einkommen machte eine langfristige Lebensplanung möglich, auch wenn der Rückstand gegenüber dem Westen immer augenfällig war.

Viel bedeutsamer war aber, dass für die Ostdeutschen mit dem Arbeitsplatz zahlreiche soziale Vergünstigungen verbunden waren: Weiterbildungseinrichtungen, ärztliche Versorgung, Kinderbetreuung, der Besuch von Ferienlagern und Erholungsheimen waren betrieblich organisiert. Die DDR-Bürger nahmen diese sozialpolitischen Errungenschaften, die aufs engste mit der Arbeit und dem Kollektiv verbunden waren, im Vergleich mit den anderen ostdeutschen Staaten, aber auch im Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland, als höher entwickelt wahr.

Die Wende stellte für viele diese soziale Sicherheit und die gewohnte weitgehende Ausschaltung von Lebensrisiken in Frage. Fast drei Fünftel der Arbeitskräfte - darunter viele Frauen - verloren mit dem seitherigen Arbeitsplatz ihre Sicherheit und ihren Platz in der Gesellschaft. Viele mussten die Stelle wechseln, teilweise durch Pendeln in den 
Westen, oder wurden auf Kurzarbeit zurückgestuft; über zwanzig Prozent wurden entlassen oder in den Vorruhestand geschickt.

Die schonungslose Offenlegung der vorher verdeckten Arbeitslosigkeit zerstörte bis dahin bestehende Arbeitskollektive und viele soziale Bindungen, weil mit dem Verlust des Arbeitsplatzes die Grundlage des sozialen Lebens wegbrach.

Nach Konrad Jarausch: Die unverhoffte Einheit, Frankfurt/M. (Suhrkamp Verlag) 1995, S. 304 und Wolfgang Merkel: Systemtransformation (Leske + Budrich Verlag) 1999, S. 422 f.

C 17: Statistik im Jahr 2000

C 18: Berufstätige Mütter 1996

C 19: Arbeitsmarktpolitik

Durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geförderte Arbeitnehmer
Alte Neue Bundes- Bundesländer


Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) bezeichnet man die öffentlich finanzierte Beschäftigung (Zuschüsse des Arbeitsamtes) für zusätzliche und im öffentlichen Interesse durchgeführte Arbeiten. Die Entgelte dürfen höchstens 90 Prozent des Lohnes für die vergleichbare, nicht geförderte Arbeit betragen; der Förderzuschuss darf 75 Prozent der bezahlten Löhne nicht übersteigen.

Nach: Bundesanstalt für Arbeit (Hg.): Arbeitsmarkt in Zahlen, Nürnberg 1999

C 20: Die Löhne sind zu hoch

Die schnelle Anpassung der östlichen Tarifverträge und Löhne an das Westniveau war ein zentraler Fehler, weil das Lohnniveau und die Arbeitszeit schneller angeglichen wurden, als es die Wettbewerbslage in Ostdeutschland gestattet hätte. Es ist zwar innerhalb eines Währungs- und Preisgebietes notwendig, dass man einen vergleichbaren Lebensstandard ermöglicht, aber das bedeutet nicht, dass man statt 38 nicht auch 45 Stunden pro Woche arbeiten kann. Übrigens, in den meisten Industriebetrieben Ostdeutschlands wird heute länger gearbeitet, weil zwei Drittel der Betriebe dem Arbeitgeberverband nicht mehr angehören und sich durch Hausverträge flexibel gemacht haben.

Etwas weniger verdienen, ich sage mal 80 Prozent, muss wohl sein. Davon kann man aber leben. Das ist der westliche Lebensstandard vor ca. 15 Jahren. Es geht eben leider nicht, dass in einer so schwierigen Aufbauphase Arbeitszeiten und Tarifleistungen genau so sind wie im Westen. Insbesondere im öffentlichen Dienst ist das nicht finanzierbar.

Klaus von Dohnanyi; in: Vorwärts 1998/11, S. 32. (von Dohnanyi ist Beauftragter für Marktfragen beim Vorstand der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben.)


C 21: Verdienste im Ost-West-Vergleich

Die Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern haben beim Verdienst kräftig aufgeholt. 1991 verdiente ein ostdeutscher Arbeitnehmer nur wenig mehr als die Hälfte seines westlichen Kollegen. Dieser Abstand hat sich inzwischen auf im Schnitt nur noch 12 Prozent verringert: In den alten Bundesländern betrug der durchschnittliche monatliche Nettoverdienst je Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 2.820 D-Mark und in den neuen Ländern 2.470 D-Mark.

Text: Schul/Bank 6/1999, S. 1.


Copyright ©   2000  LpB Baden-Württemberg   HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de