Zeitschrift

Deutschland wächst zusammen

Baustein B

Gesellschaftlicher Wandel in Ostdeutschland

Jugendlicher Rechtsradikalismus


Heft 2/2000 , Hrsg.: LpB


Inhaltsverzeichnis


B 21: Neonazis

B 22: Die Einschätzungen

Beurteilung des Ausländeranteils in Deutschland durch ost- und westdeutsche Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren: zu hoch oder gerade richtig?

B 23: Die Realität

B 24: Umfrageergebnisse

B 25: Erklärungsversuche

Hans Merkens (Professor für Pädagogik an der Freien Universität in Berlin)

Dass rechte Gruppen im Osten mehr Erfolg haben, liegt wohl daran, dass dort einfache Lösungen generell stärker favorisiert werden und man dort nicht gelernt hat, mit den Problemen differenziert umzugehen... Die Jugendlichen in der DDR waren, entgegen oder gerade wegen der offiziellen Propaganda, nationalistischer als ihre westlichen Altersgenossen. Darauf können die Rechten heute aufbauen.

Helmut Lölhöffel (Korrespondent der Frankfurter Rundschau)

Jugendliche Schläger benehmen sich in manchen Landstrichen Ostdeutschlands wie "Vollstrecker des Volkswillens", die eine Art "Sozialkontrolle" ausüben... Wenn sich Erwachsene beim Anblick von Obdachlosen zuzischen, "da müsste man mal den Rechten Bescheid sagen", wird klar, warum Jung-nazis glauben, die schweigende Mehrheit stünde hinter ihnen. Sie verlassen sich auf eine verbreitete Grundstimmung, die durch klammheimliche Zustimmung, ja sogar durch öffentlichen Beifall gekennzeichnet ist...

Christian Pfeiffer (Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen)

Hauptursache ist die autoritäre Erziehung der DDR. Viel zu früh und für viel zu lange Zeit wurden die Kinder von ihren Eltern getrennt und in Krippen, Kindergärten, Schulen und Jugendorganisationen ständig einem hohen Anpassungsdruck an die Gruppe ausgesetzt... Hinzu kommt: Die SED hat die Kinder und Jugendlichen ständig mit einem idealisierten Bild der eigenen Welt überzogen und für die offenkundigen Mängel des Systems immer wieder den Klassenfeind verantwortlich gemacht. Bereits von den Kindergärtnerinnen verlangte das Regime die Erziehung zum Feindbild... Gerade die Erfahrungen in der Kindheit (prägen) die Persönlichkeit. Zum anderen ist zu bezweifeln, dass der DDR-typische Erziehungsstil sofort mit der Wiedervereinigung verschwunden ist. Die Lehrer und Erzieher blieben erst einmal die alten.

Die Woche vom 12. Juni 1998, S. 6 (a); Vorwärts 5/1998, S. 47 (b) und Der Spiegel 12/1999, S. 60 ff. (c)


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