Zeitschrift

Deutschland wächst zusammen

Eine Zwichenbilanz nach zehn Jahren

Vereint und doch nicht eins
Gesellschaftlicher Wandel in Ostdeutschland
Vom Plan zum Markt
Einheit braucht Zeit


Heft 2/2000 , Hrsg.: LpB


Inhaltsverzeichnis


Einleitung


Zehn Jahre vereinigtes Deutschland

Wie selbstverständlich nehmen wir Deutsche es inzwischen hin, dass die Fernseh-Wetterkarte beide Teile Deutschlands umfasst, dass von der unmenschlichen Mauer in Berlin nur noch einige Erinnerungsstücke stehen geblieben sind und dass wir ohne jegliche Grenzkontrolle nach Leipzig, Magdeburg und Rostock reisen können. Und doch liegt das "Wunder der Einheit", das noch am Anfang des Jahres 1989 nur ganz wenige für möglich hielten, erst zehn Jahre zurück.

Heute ist es an der Zeit, sich erneut der Tragweite dieses Ereignisses zu vergewissern, den glücklichen Abschluss der "Deutschen Frage" zu würdigen und eine nüchterne, aber aufs Ganze gesehen positive Bilanz des bisherigen Transformationsprozesses zu ziehen. "Dass der Übergang in den Alltag des vereinten Deutschland unweigerlich den Überschuss an Hoffnungen vernichten würde, ist nicht verwunderlich. Niemand konnte im Ernst erwarten, dass sich die Verhältnisse, die zum Bankrott des politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Systems der DDR geführt hatten, durch den Beitritt zum Westen schlagartig verbessern ließen"1
Trotzdem sollten die bisher vollbrachten Um- und Aufbauleistungen in Ostdeutschland und die vielfältigen Annäherungen zwischen den Deutschen in den alten und den neuen Ländern nicht geschmälert werden.

Dabei darf man freilich fortbestehende Unterschiede in den Einstellungen und in den Lebensumständen nicht verharmlosen; sie sind vielmehr aus der Tatsache zu erklären, dass die Deutschen über vier Jahrzehnte getrennt waren und sehr verschiedene "Geschichten" haben. Zum besseren Verständnis fortdauernder Disparitäten und unterschiedlicher Befindlichkeiten in Ost und West müssen aber auch die Folgen des Wandels in den neuen Bundesländern und die Nichterfüllung überzogener Hoffnungen beleuchtet werden.

Der Wandel der Rahmenbedingungen

Schließlich darf man nicht übersehen, dass sich die Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich der Einigungsprozess vollzieht, in den letzten zehn Jahren dramatisch geändert haben:
  • Die Sowjetunion ist in mehrere Staaten auseinandergebrochen;
  • die Aufnahmefähigkeit der osteuropäischen Märkte ist seit 1989 spürbar geschrumpft;
  • die Europäische Union ist durch den Beitritt weiterer Staaten größer geworden; ihre Kompetenzen zur Einwirkung auf die einzelstaatliche Politik wurden erweitert;
  • die Globalisierung stellt die Politik vor neue He-rausforderungen und schränkt gleichzeitig ihre Gestaltungsfunktion ein;
  • die Industriegesellschaft befindet sich im Wandel zur Wissens- und 
    Informationsgesellschaft;
  • Automatisierung, Rationalisierung und Vernetzung vernichten zahlreiche traditionelle Arbeitsplätze;
  • grenzüberschreitende Fusionen von Unternehmen verstärken den Trend zur Internationalisierung des Wirtschaftslebens;
  • viele Berufsbilder sterben aus; die Planung von beruflichen Lebensläufen ist fragwürdig geworden.

Die Vereinigungsprobleme sind also nur ein - relativ kleiner - Teil der Herausforderungen und Unsicherheitsfaktoren, mit denen die Menschen während der letzten zehn Jahre konfrontiert worden sind.

Blockausgabe der Deutschen Bundespost zum ersten Jahrestag der Öffnung der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer


"Als 1989 die Mauer in Berlin fiel, sahen wenige die Schwierigkeiten voraus, die die Neuvereinigung so unterschiedlicher politischer Kulturen bringen würde. Das große Problem lag darin, dass zwei Gesellschaften zusammenfinden müssen, die sich beide in rascher Entwicklung befinden, freiwillig oder unfreiwillig. Alle Versuche, gegenseitige Rechnungen 
aufzumachen, "Errungenschaften" zu retten oder in Kategorien von "Abbau" oder "Rückbau" zu denken, kranken an dem Mangel an dieser Einsicht: Beide Gesellschaften entwickeln sich weiter, während sie aufeinander zugehen, und die Gefahr, dabei aneinander vorbeizugehen, ist 
groß"2.


Für Deutschland hat mit dem Vollzug der Einheit eine neue Zeit begonnen. Obwohl die meisten Westdeutschen wollten, dass nach der Vereinigung möglichst alles so bleiben sollte, wie es zuvor gewesen ist, und die Ostdeutschen nichts sehnlicher wünschten, als dass es auch bei 
ihnen so werde, wie es 40 Jahre lang im Westen war, hat sich nicht nur Ostdeutschland, sondern auch der Westen der Bundesrepublik in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Das Koordinatensystem, in welchem man vor der Wende in der DDR gelebt hat, wurde durch ein 
völlig neues abgelöst. Die Landschaften, die Städte und die Menschen in Ostdeutschland, die vorher weitgehend Terra incognita und eher fremd waren, sind nun ein Ganzes. Die Ostdeutschen haben ihre Geschichte und ihre Erfahrungen mit dem SED-Staat mit ins vereinigte Deutschland gebracht; sie wollen ernst genommen werden, haben Ansprüche, stellen Forderungen und beeinflussen durch ihr Verhalten die gesellschaftliche und politische Landschaft in Gesamtdeutschland. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den neuen Ländern - Produktivitätsrückstände, Arbeitslosigkeit, ökologische Altlasten und Absatzprobleme - wirken sich, ob wir das immer merken oder nicht, auf die Konjunkturdaten und den Wohlstand auch in Westdeutschland aus.

Kultur und Lebensformen, Gesellschaftsbild und Mentalitäten sind in Ost- und Westdeutschland keineswegs identisch. Auch "nach der Vereinigung besteht die Ost-West-Spaltung in Deutschland nicht nur fort, sie scheint sich paradoxerweise sogar vertieft zu haben. Der Wiedervereinigung ist eine Wiederentfremdung gefolgt"3.

Phasen auf dem Weg zur Einheit

Die Transformationsforschung unterscheidet für die Umstrukturierung Ostdeutschlands seit 1990 und für den dabei beobachteten Mentalitätswandel drei Phasen:

1990 bis 1992: Euphorie und Aufbruchsstimmung, Hoffnung auf eine baldige Angleichung des Lebensstandards in Ostdeutschland an das westliche Niveau, Bereitschaft der Ostdeutschen zur Anpassung an westliche Arbeits- und Lebensbedingungen

1993 bis 1998: Enttäuschung über den langsamen Aufholprozess bei den Ostdeutschen und Unzufriedenheit über die hohen Transferleistungen in Westdeutschland, Zunahme der Insolvenzen, hohe Arbeitslosigkeit, depressive Stimmungslage im Osten

1999 bis heute: Stabilisierung des wirtschaftlichen Aufschwungs in den neuen Bundesländern, zunehmende Akzeptanz der längeren Dauer des Aufholprozesses, wachsendes Selbstwertgefühl der Ostdeutschen, Angleichung der Einschätzung von Zukunftsaussichten in beiden Teilen 
Deutschlands (vgl. A 18).

Die Materialien im vorliegenden Heft beschreiben alle drei Phasen; sie sind so ausgewählt,  dass die Adressaten zur eigenständigen Stellungnahme herausgefordert werden und dass diese  einen möglichst unmittelbaren Zugang zu den Voraussetzungen und Folgen der Wiedervereinigung 
finden können.

Bleibende Herausforderungen

Dieses Heft informiert über die Situation, in welcher sich Deutschland zehn Jahre nach der Vereinigung befindet. Fortbestehende Disparitäten und Missverständnisse zwischen Ost- und Westdeutschen werden aufgezeigt, die großen wirtschaftlichen Probleme beim "Aufbau Ost" sind in einem eigenen Baustein dokumentiert, die nachträgliche Verklärung der desolaten 
gesellschaftlichen und politischen Zustände im SED-Staat wird beschrieben. Dennoch dürfen die Schülerinnen und Schüler nicht mit einem schier unüberwindlichen Problemberg aus dem Unterricht entlassen werden. Es geht darum, die positive Perspektive zu sehen, denn "die 
beiden deutschen Gesellschaften, so unterschiedlich sie in den vierzig Jahren ihrer Teilung geworden sind, haben viele Gemeinsamkeiten in ihrer Vergangenheit bewahrt ... Diese Gemeinsamkeiten kommen in der gemeinsamen Verantwortung für die gelingende gesellschaftliche 
Vereinigung zum Ausdruck, zu der es keine Alternative gibt"4.

In allen vier Bausteinen werden deshalb zwar die fortbestehenden Unterschiede und die Probleme der Deutschen Einheit, die zum Teil erst nach der Wende und während des zehnjährigen Vereinigungsprozesses deutlich geworden sind, dokumentiert, andererseits werden aber auch die Erfolge und Möglichkeiten zur Bewältigung noch bestehender Aufgaben 
aufgezeigt. (Vgl. die Materialien D 20 bis D 25.)

In seiner Rede zum Stand der Deutschen Einheit sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder im April 1999: "Machen wir uns keine Illusionen: Die Unterschiede in der Befindlichkeit, auch im Geschichtsbewusstsein, die gegenseitigen Ressentiments werden wohl noch eine ganze Weile 
bestehen bleiben... Diese Unterschiede sind ... nicht nur die Folge von vierzig Jahren Teilung, sondern auch von zehn Jahren Erfahrungen mit der Einheit".5

Die Umwandlung der geschlossenen sozialistischen Gesellschaft in der ehemaligen DDR in eine offene demokratische Gesellschaft und die Überführung der staatlich gelenkten Zentralverwaltungs- oder Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft sind Vorhaben ohne 
Beispiel, zumal wenn für diesen Prozess nur eine sehr kurze Zeitspanne zur Verfügung steht. Die Vereinigung bildet eine fortdauernde Herausforderung für die deutsche Politik und die deutsche Gesellschaft.

Das Thema im Unterricht

Allein die Absicht, Ziele, Methoden, Erfolge und Rückschläge dieses gewaltigen Transformationsprozesses aufzuzeigen, rechtfertigt schon dessen ausführliche Thematisierung im Politik- und Geschichtsunterricht der Schulen. Dabei geht es vor allem darum, das Ausmaß und die Bedeutung dieses Vorganges zu vermitteln, aber auch Perspektiven zu erörtern.

Zwischen den Ost- und den Westdeutschen bestehen sowohl in den Lebensumständen als auch in den Mentalitäten erhebliche Unterschiede. "Bis heute ticken die Uhren im Osten anders... 
Längst ist klar, dass Unterschiede bleiben werden"6. Es geht nicht darum, Verschiedenheiten und Probleme des Zusammenwachsens zu ignorieren, einzuebnen oder gar einfach unter den Tisch zu kehren, notwendig ist vielmehr die bestehende Andersartigkeit bewusst zu machen, zu 
begründen und zu akzeptieren. Es geht nicht darum, den "Einheitsdeutschen" zu erfinden, die Aufgabe besteht vielmehr darin, die Besonderheiten der Anderen zu verstehen und sich für die Anderen zu interessieren (vgl. Baustein D).

Schlechte Aussichten? Zeichnung: Henniger, 1994

Es ist die deutsche Wirklichkeit, die wir aufzeigen, wenn wir im Unterricht die häufig befremdlichen Ergebnisse der Vereinigung beschreiben. "Wenn wir über das Thema "Mauer in unseren Köpfen" reden, wird diese Mauer schon kleiner. Denn das Baumaterial, aus dem diese Mauer besteht, ist hauptsächlich die Unkenntnis voneinander"7.

Die Geschichte der Menschen in der ehemaligen DDR ist seit der Vereinigung zu einem Bestandteil der gesamtdeutschen Geschichte geworden, wenngleich sie 40 Jahre lang völlig anders verlaufen ist als die Geschichte der alten Bundesrepublik. Aus der intensiven Beschäftigung mit den Zuständen im SED-Staat, aber auch aus der Geschichte des zehnjährigen Transformationsgeschehens können die westdeutschen Jugendlichen zu einer angemessenen Einstellung gegenüber der heutigen Situation in Ostdeutschland gelangen.

Der Beitrag des Faches Geschichte zum Thema "Zehn Jahre vereinigtes Deutschland" kann daher gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Eine Betrachtung, die lediglich den Ist-Zustand analysiert, ist notgedrungen zum Scheitern verurteilt. "Die Westdeutschen müssen, wenn ihnen 
die Ostdeutschen nicht fremde Wesen bleiben sollen, sich ein wenig vorstellen, wie es in der DDR zugegangen ist und wie sich den Ostdeutschen der Wandel und die neue Situation, in der sie leben, darstellt"8.

Nur aus der Geschichte erklären sich Einstellungen, Ressentiments und Rückbindungen an die vergangene DDR-Gesellschaft. Nur aus der Geschichte wird aber auch die ungeheure Herausforderung erkennbar, vor welcher die Ostdeutschen standen, als sie sich - geradezu schlagartig - in einem gänzlich anderen politischen und wirtschaftlichen System wiederfanden  (vgl. B 1 bis B 7).

Ziele des Unterrichts
• Sich über die Wende in der DDR und den Weg zur Vereinigung Deutschlands informieren
• Die Situation der Menschen in den neuen Bundesländern während des 
Transformationsprozesses kennen lernen
• Das Ausmaß des Wandels in Ost- und Westdeutschland während der letzten zehn Jahre erarbeiten
• Die unterschiedliche Betroffenheit durch diesen Wandel abschätzen
• Ziele und Methoden des Einigungsprozesses beschreiben
• Die Erfolge des bisherigen Transformationsgeschehens bewerten
• Fortbestehende Probleme der Vereinigung der beiden Teile Deutschlands kennen, die Ursache dafür und Perspektiven erörtern
• Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Deutschen in Ost und West benennen
• Verständnis für andere Verhaltensweisen und Einstellungen entwickeln
• Andersartigkeit und Vielseitigkeit in Lebensformen und Einstellungen im vereinten Deutschland als Chance begreifen

Überlegungen zu den Methoden

Gruppenarbeit. Es wird empfohlen, die Bausteine B, C und D jeweils einer Gruppe zur Auswertung zuzuweisen und diese Gruppen aufzufordern, die Arbeitsergebnisse für das Plenum zusammenzufassen. Die gemeinsame Aufgabenstellung, die für die Integration der Einzelergebnisse unerlässlich ist, kann für alle Arbeitsgruppen folgendermaßen lauten:

• Welche Probleme ergaben sich in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Einstellungen (Mentalitäten) aus dem Einigungsprozess?
• Wie sind diese Probleme zu erklären?
• Welche Lösungswege bieten sich an?

Fächerverbindung. Die Bedeutung des Themas "Deutschland wächst zusammen" legt eine Hervorhebung aus dem Unterrichtsalltag nahe; dafür ist ein fächerverbindendes Projekt besonders geeignet.

Da sehr unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen sind, sollten mindestens folgende Fächer an einem derartigen Projekt beteiligt werden:

Geschichte (Leben in der DDR, Der SED-Staat)

Gemeinschaftskunde (Transformationsprozesse, Parteiensysteme in den neuen und den alten Bundesländern)

Geografie (Das Wirtschaftssystem der DDR im Vergleich mit der Sozialen Marktwirtschaft, Wirtschaftliche und ökologische Erblasten, Wohlstandsinseln und industrielle Brache in den neuen Bundesländern)

Deutsch (Literatur zur Wende in der DDR, Die Situation ostdeutscher Schriftsteller vor und nach dem Umbruch).

Zusammenarbeit mit einer ostdeutschen Schule

Das natürliche Interesse an persönlichen Schicksalen, Lebensformen und Einstellungen Gleichaltriger kann als produktiver Zugang zu unserem Thema aufgegriffen werden. Dabei bearbeitet die Klasse Ergebnisse und Herausforderungen der Vereinigung zusammen mit einer ostdeutschen Schulklasse in einem gemeinsamen Projekt. Der Austausch der Fragen, 
Stellungnahmen und Arbeitsergebnisse erfolgt durch das Internet, notfalls auch auf schriftlichem Wege. Die ostdeutschen Kultusministerien oder Oberschulämter vermitteln geeignete Schulen und Klassen in den neuen Bundesländern. Die Präsentation der zusammengetragenen Informationen und Stellungnahmen erfolgt zeitgleich an beiden beteiligten Schulen.

Ein solches Gemeinschaftsprojekt wird in drei Phasen durchgeführt. Zunächst befragen sich die beiden Schulklassen in West- und Ostdeutschland gegenseitig über aktuelle Einstellungen und Verhaltensweisen, dazu wird gemeinsam ein Fragebogen entworfen, der etwa folgende Aspekte berücksichtigt:

- Situation an der Schule (Schulorganisation, Fächer, Stundenpläne)
- Tagesablauf
- Freizeitbeschäftigungen und Hobbys
- Fernsehkonsum (Dauer, bevorzugte Sender und Sendungen)
- Präferenzen für Musik- und Filmstars
- Zugehörigkeit zu Fanclubs
- politische Einstellungen (z.B. Parteipräferenzen)
- Ausstattung mit Videokameras, Kassettenrekordern, Internetzugang usw.

In einer zweiten Phase befragen sich die Klassen nach ihren jeweiligen Erfahrungen mit dem Vereinigungsprozess. Dabei ist es unerlässlich, dass sich auch die westdeutschen Schülerinnen und Schüler über die Auswirkungen der Vereinigung auf ihre eigene Situation Klarheit verschaffen. In diesem Arbeitsschritt wird deutlich werden, dass die Ostdeutschen viel stärker von der Vereinigung betroffen sind als die Westdeutschen. Es können auch kurze biografische Skizzen über die letzten zehn Jahre zwischen den Schülerinnen und Schülern aus 
beiden Teilen Deutschlands ausgetauscht werden.

In der letzten Phase wird das gemeinsame Projekt erweitert: Die Schülerinnen und Schüler erforschen jetzt die allgemeine Stimmungslage in Ost und West nach zehn Jahren Vereinigung. Dazu muss ein knapper Fragebogen entworfen werden, der sowohl in den Schulgemeinden der 
alten und der neuen Bundesländer eingesetzt werden kann. Die Materialien des vorliegenden Heftes bieten eine Fülle von Anregungen für diesen Fragebogen.

Weitere Projekte

Als Vorschläge zur Handlungsorientierung9 bieten sich an:

  • Die Gruppe entwirft den Plan für eine Reise durch die neuen Bundesländer. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler historische Orte der deutschen Nachkriegsgeschichte in Ostdeutschland, aber auch Städte und Regionen, an welchen die Folgen des Wirtschaftssystems der ehemaligen DDR und des Transformationsprozesses sichtbar werden, in einer Reiseroute zusammenstellen und in Form eines kleinen Baedekers beschreiben. Beispiele: Reste der Grenzbefestigungen und der Berliner Mauer, DDR-Regierungsgebäude in Ost-Berlin, Gefängnisanstalt in Bautzen, Trabi-Werke in Zwickau, großflächige Landwirtschaft und ehemalige LPG's in Mecklenburg-Vorpommern, stillgelegte Bergwerke in Ostthüringen, 
    Plattenbausiedlungen bei Rostock. Stadtsanierung in Dresden, neue Ferienanlagen auf Rügen oder in Mecklenburg-Vorpommern, Nikolai-Kirche in Leipzig, Ale-xanderplatz und neue Regierungsbauten in Berlin, Jenoptik in Jena, Opel-Werk in Eisenach.
     
  • Die Schülerinnen und Schüler gestalten Plakate zum Tag der deutschen Einheit, in welchen sie die erfolgreiche Vereinigung oder fortbestehende Probleme in knapper und eindrucksvoller Weise zum Ausdruck bringen. Dabei kann der Kunstunterricht beteiligt werden.10
     
  • Die Klasse schreibt ein Hörspiel oder gestaltet eine Gesprächsszene, in welchen "Ossis" und "Wessis" aufeinander treffen und ihre Meinungen und Erfahrungen nach zehn Jahren Vereinigung austauschen. Die Materialien im vorliegenden Heft bieten dazu zahlreiche Anregungen.

 

Gerhart Maier

Literaturhinweise
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Böttiger, Helmut: Ostzeit/Westzeit, München (Luchterhand) 1996

Bundesministerium für Wirtschaft (Hg.): Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 1999, Berlin 1999

Dahn, Daniela: Westwärts und nicht vergessen. Vom Unbehagen in der Einheit, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 1997

Dieckmann, Christoph: Das wahre Leben im falschen. Geschichten von ostdeutscher Identität, Berlin (Ch. Links) 1999

Dieckmann, Friedrich: Der Irrtum des Verschwindens, Leipzig (G. Kiepenheuer) 1996

Diewald, Martin/Mayer Karl Ulrich (Hg.): Zwischenbilanz der Wiedervereinigung. Strukturwandel und Mentalität im Transformationsprozess, Opladen (Leske+Budrich) 1996

Eckart, Karl u.a. (Hg.): Wiedervereinigung Deutschlands, Berlin (Duncker & Humblot) 1998

Fischer, Wolfram u.a. (Hg.): Treuhandanstalt. Das Unmögliche wagen, Berlin (Akademie) 1993

Fritze, Lothar: Die Gegenwart des Vergangenen, Weimar u.a. (Böhlau) 1997

Fuchs, Hans-Werner: Bildung und Wissenschaft seit der Wende. Transformation des ostdeutschen Bildungssys-tems, Opladen (Leske+Budrich) 1997

Gabriel, Oscar W. (Hg.): Politische Orientierungen und Verhaltensweisen im vereinigten Deutschland, Opladen (Leske+Budrich) 1997

Gaus, Günter: Kein einig Vaterland, Berlin (Edition Ost) 1998

Gensicke, Thomas: Die neuen Bundesbürger. Eine Transformation ohne Integration, Opladen (Leske+Budrich) 1998

Glaser, Hermann (Hg.): Die Mauer fiel, die Mauer steht. Ein deutsches Lesebuch 1989-1999, München (dtv) 1999

Grosser, Dieter: Das Wagnis der Währungs- und Sozialunion, Stuttgart (Deutsche Verlagsanstalt) 1998

Hardtwig, Wolfgang/Winkler, Heinrich August (Hg.): Deutsche Entfremdung. Zum Befinden in Ost und West, München, (C.H. Beck) 1994
Hettlage, Robert/Lenz, Karl (Hg.): Deutschland nach der Wende. Eine Zwischenbilanz, München (C.H. Beck) 1995

Hickel, Rudolf/Priewe, Jan: Nach dem Fehlstart. Ökonomische Perspektiven der deutschen Einigung, Frankfurt/M. (Fischer) 1994

Jarausch, Konrad H.: Die unverhoffte Einheit, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1995

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Kollmorgen, Raj u.a. (Hg.): Sozialer Wandel und Akteure in Ostdeutschland, Opladen (Leske+Budrich) 1996

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Lay, Conrad/Bürgel, Tanja (Hg.): Gemeinsam sind wir unterschiedlich, Bonn (Bundeszentrale für politische Bildung) 1995

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Misselwitz, Hans-J.: Nicht länger mit dem Gesicht nach Wes-ten. Das neue Selbstbewusstsein der Ostdeutschen, Bonn (Dietz) 1996

Opp, Karl-Dieter: Die enttäuschten Revolutionäre, Opladen (Leske+Budrich) 1997

Richter, Edelbert: Aus ostdeutscher Sicht, Weimar u.a. (Böhlau) 1998
Schlesinger, Klaus: Von der Schwierigkeit, Westler zu werden, Berlin (Aufbau) 1998

Schröder, Richard: Probleme der inneren Einheit Deutschlands, Köln (Wirtschaftsverlag Bachem) 1996

Siebert, Horst: Das Wagnis der Einheit, Stuttgart (Deutsche Verlagsanstalt) 1993

Verträge zur Einheit Deutschlands, München (dtv) o.J.
Wegner, Manfred: Bankrott und Aufbau. Ostdeutsche Erfahrungen, Baden-Baden (Nomos) 1995

Weidenfeld, Werner/Korte, Karl-Rudolf (Hg.): Handbuch zur deutschen Einheit, Bonn (Bundeszentrale für politische Bildung) 1999

Westle, Bettina: Kollektive Identität im vereinten Deutschland, Opladen (Leske+Budrich) 1999

Wiesenthal, Helmut: Die Transformation der DDR. Verfahren und Resultate, Gütersloh (Bertelsmann Stiftung) 1999

Wolle, Stefan: Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Berlin (Ch. Links) 1998.

Bildbände

Billhardt, Thomas/Hensel, Kerstin: Alles war so, alles war anders. Bilder aus der DDR, Leipzig (G. Kiepenheuer) 1999

Drommert, Günther (Hg.): 50 Jahre DDR. Der Alltag der DDR, Berlin (Schwarzkopf & Schwarzkopf) 1999

Handloik, Volker/Hauswald, Harald (Hg.): Die DDR wird 50. Texte und Fotografien, Berlin (Aufbau) 1998

Hölder, Egon (Hg.): Im Trabi durch die Zeit - 40 Jahre Leben in der DDR, Stuttgart (Metzler-Poeschel) 1992

Lindner, Bernd: Die demokratische Revolte in der DDR 1989/90, Bonn (Bundeszentrale für politische Bildung) 1998

Ostkreuz-Agentur der Fotografen (Hg.): Östlich von Eden. Von der DDR nach Deutschland 1974-1999, Wien (Chr. Brandstätter) 1999

Vorsteher, Dieter (Hg.): Parteiauftrag: Ein neues Deutschland. Bilder, Rituale und Symbole der frühen DDR, Berlin (Deutsches Historisches Museum) 1996.


1 Hans-J. Misselwitz (1996), S. 21 f.
2 Martin und Sylvia Greiffenhagen; in: Stuttgarter Zeitung vom 11. Dezember 1993, S. 49
3 Edelbert Richter (1998), S. 5
4 Peter Steinbach; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 
B 15/98 vom 11. Dezember 1998, S. 30
5 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Bulletin vom 20. April 1999, S. 982
6 Hans-J. Misselwitz (1996), S. 22 und S. 37
7 Manfred Stolpe: Demokratie wagen, Marburg 1994, S. 27
8 Richard Schröder: Probleme der inneren Einheit, Köln 1996, S. 9
9 Vgl. Werner Heil/Gerhart Maier: 50 Jahre Bundesrepublik Deutschland - was kann die 
Schule daraus machen?; in: Lehren und Lernen 1999/4, S. 31-37
10 dies.: Jubiläen und Gedenktage - ihr Platz in der Schule; ebenda, S. 28-30


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