Zeitschrift

Deutschland wächst zusammen

Baustein C

Vom Plan zum Markt


Heft 2/2000 , Hrsg.: LpB


Inhaltsverzeichnis


Die Situation der Wirtschaft in Ostdeutschland

Während die überaus komplizierte Übertragung der politischen und rechtlichen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland auf die neuen Länder erstaunlich erfolgreich verlaufen ist, blieben die Ergebnisse der wirtschaftlichen Transformation deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Die Annahme, dass es nach der Einführung der marktwirtschaftlichen Ordnung in den ostdeutschen Ländern rasch zu einem Wirtschaftswunder wie in den fünfziger Jahren im Westen komme, erwies sich bald als falsch. Für die fortbestehenden Probleme der ostdeutschen Wirtschaft kann man ein ganzes Bündel von Gründen anführen:

  • Die Produktionsanlagen waren veraltet.
  • Die Produktivität der Arbeit war viel geringer als im Westen.
  • Es bestand ein hoher Investitionsbedarf für die Beseitigung der Umweltbelastungen.
  • Die Wirtschaft der DDR war einseitig auf die östlichen Nachbarn ausgerichtet, die Produkte waren in westlichen Industrieländern nicht konkurrenzfähig.
  • Die Infrastruktur (Verkehrswege, Kommunikationseinrichtungen, Bankwesen) war marode.
  • Die Währungsumstellung bedeutete eine Aufwertung, durch welche die Konkurrenzbedingungen auf den Märkten verschlechtert wurden.
  • Die Angleichung der Löhne verursachte einen erheblichen Kostenschub für die Unternehmen.

Perspektiven

Neue Erhebungen lassen keine einheitliche Prog-nose für die zukünftige Entwicklung der ostdeutschen Wirtschaft zu. Sicher ist jedoch, dass der Aufholprozess - aufs Ganze gesehen - sich in den letzten beiden Jahren verlangsamt hat oder gar zum Erliegen gekommen ist. Davon sind aber nicht alle Branchen gleichmäßig betroffen, sondern vor allem die anfänglich boomende Bauwirtschaft, bei der es in den vergangenen Jahren zu deutlichen Einbrüchen gekommen ist. Sicher ist auch, dass Ostdeutschland noch lange Transferzahlungen aus dem Westen brauchen wird: "Selbst bei einem utopischen Wachstum von acht Prozent jährlich bräuchte der Osten über 15 Jahre, um 80 Prozent des Westniveaus zu erreichen"1. Andererseits hat sich die Wirtschaftskraft der ostdeutschen Bundesländer zwischen 1990 und 1998 kontinuierlich verbessert. Weder allzu hoch gesteckte Erwartungen noch ein allzu großer Pessimismus entsprechen also der tatsächlichen Situation.

Unterrichtspraktische Hinweise

Die Bereiche Altlasten, Staatsvertrag (Wirtschafts- und Währungsunion) und Treuhandanstalt wird man jeweils von einer Schülergruppe analysieren und für den Bericht vor dem Klassenplenum aufbereiten lassen. (C 3 bis C 15). Die Problematik der Transferzahlungen und der Solidaritätsabgabe kann man in einem Streitgespräch zwischen Befürwortern und Gegnern weiterer finanzieller Hilfen konkretisieren. Befürworter und Gegner entwerfen jeweils ein Plakat und formulieren Slogans für ihre Position (C 22 bis C 25).

Mögliche Aufgaben

C 1 und C 2: Erarbeiten Sie thesenartig die Lage der Wirtschaft in Ostdeutschland.
C 3 bis C 7: Stellen Sie die Belastungen der ostdeutschen Wirtschaft beim Übergang in die Marktwirtschaft im Jahr 1990 zusammen. Welche Schwierigkeiten ergaben sich daraus für die Angleichung der Wirtschaftsleistung?
C 8 bis C 11: Erläutern Sie die Ziele der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Warum führte die Einführung der Wirtschafts- und Währungsunion nicht zu einem "ostdeutschen Wirtschaftswunder"?
C 12 bis C 15: Fassen Sie in eigenen Worten die wichtigsten Aufgaben der Treuhandanstalt zusammen. Beschreiben Sie die Methoden der Treuhandanstalt bei der Verwirklichung ihrer Aufgaben. 
C 16 bis C 19: Vergleichen Sie die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Ost- und Westdeutschland. Nennen Sie Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern. Warum ist der Verlust des Arbeitsplatzes für Ostdeutsche besonders einschneidend?
C 20 und C 21: Erörtern Sie die These, dass die rasche Anpassung der Löhne im Osten an die Arbeits-einkommen im Westen ein Grund für die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern sei.
C 22 bis C 25: Formulieren Sie Argumente für und gegen hohe Transferzahlungen von West- nach Ostdeutschland.
C 26 bis C 35: Ziehen Sie eine Bilanz des wirtschaftlichen Aufholprozesses der letzten zehn Jahre.


1 Lutz Spenneberg; in: Die Woche vom 10. Januar 1997, S. 41


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