Zeitschrift

Deutschland wächst zusammen

Baustein A

Vereint und doch nicht eins


Heft 2/2000 , Hrsg.: LpB


Inhaltsverzeichnis


Geglückt oder gescheitert?

Wer auf die zehnjährige Geschichte des vereinigten Deutschland zurückblickt, stößt auf die Ambivalenz von positiven und negativen Erscheinungsformen des Transformationsprozesses. Optimistischen Würdigungen des bisher Geleisteten stehen einschränkende, ja mitunter sogar von großer Unzufriedenheit bestimmte Urteile gegenüber (vgl. C 2). Befragungsergebnisse zeigen, dass die deutsche Einheit inzwischen schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist und - von einer kleinen Minderheit abgesehen - nicht in Frage gestellt wird; "allerdings stehen viele ... dem realen Vereinigungsprozess emotional mit ,gemischten Gefühlen' gegenüber, vor allem dann, wenn sie selbst von den negativen Folgen dieses Prozesses betroffen sind"1. Auch der jeweilige Bezugspunkt kann die Bewertung wesentlich beeinflussen: "Es ist davon auszugehen, dass Ostdeutschland im Vergleich zur westdeutschen Referenz wirtschaftlich schlechter, im Vergleich zu ... den Staaten Mittel- und Osteuropas aber besser dasteht"2.

Aus diesem Dilemma bezieht die unterrichtliche Auseinandersetzung mit der deutschen Vereinigung wichtige Impulse, weil sich aus divergierenden Urteilen Fragen und Problemstellungen ergeben, die bei den Schülerinnen und Schülern Interesse und die Bereitschaft wecken können, sich intensiv mit dem Thema Deutsche Einheit zu beschäftigen.

Unterrichtspraktische Hinweise

Um Problembewusstsein zu wecken, sollte die Konfrontation zwischen der Euphorie des Anfangs und der Ernüchterung nach der Vereinigung möglichst eindringlich erfolgen; deshalb wird eine Gegenüberstellung der Abbildungen A 1 und A 4 sowie der Zitate und Texte (A 2, A 3 und A 5) mit den Materialien A 8 bis A 15 empfohlen. Eine Vertiefung kann durch die Auswertung der Umfrage unter Ostdeutschen (A 17) erfolgen; hier wird deutlich, dass die prinzipielle Bejahung der Wiedervereinigung (85 Prozent!) keineswegs mit den Befindlichkeiten und mit der Integration in die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland korreliert. (Vgl. Schaubild 1.)
Bei der Beschäftigung mit der Zeittafel (A 16) empfiehlt es sich, die Schülerinnen und Schüler Eckdaten auswählen zu lassen, zu denen sie für eine Wandzeitung jeweils einen Kommentar verfassen und Bilder zur Illustration beschaffen.

Während der Beschäftigung mit den Materialien des Bausteins A sollten die Schülerinnen und Schüler Fragen formulieren, welche den weiteren Unterrichtsverlauf strukturieren: Ist die Vereinigung geglückt oder gescheitert? Warum folgte der anfänglichen Begeisterung über die Wende und die Vereinigung alsbald der "Katzenjammer"? Wie sieht eigentlich die objektive Bilanz aus? Was müssen wir wissen, um uns ein eigenes Bild über den Stand der Vereinigung zu machen? Welche Unterschiede bestehen tatsächlich zwischen Ost- und Westdeutschen? Welche Folgen können sich aus diesen Unterschieden ergeben?

Mögliche Aufgaben
A 1 bis A 4: Beschreiben Sie die Stimmung in Ost- und Westdeutschland nach der Öffnung der Berliner Mauer und der Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten.
A 5 bis A 7: Zeigen Sie die Folgen der Wende in der DDR auf.
A 5 und A 8: Vergleichen Sie die Abbildungen A 5 und A 8 mit A 1 und A 4; formulieren Sie auf Grund des Vergleichs eine zusammenfassende These.
A 9 bis A 15: Erarbeiten Sie die Gründe für den Umbruch der Euphorie über die Wende zur Unzufriedenheit über den Vereinigungsprozess (vgl. A 2 und A 3). Beschreiben Sie die Befindlichkeit und die Einstellung der in A 12 und A 13 zitierten Ostdeutschen (vgl. A 17 und A 22).
A 16: Wählen Sie fünf Ereignisse aus, die Ihnen besonders wichtig erscheinen. Begründen Sie Ihre Entscheidung.
A 17 bis A 20: Versuchen Sie den Widerspruch zwischen prinzipieller Zustimmung zur Wiedervereinigung und der persönlichen Befindlichkeit im vereinigten Deutschland zu begründen (A 17, vgl. A 9, 
A 12 und A 20). Vergleichen Sie die Einschätzung der persönlichen Zukunft (A 18) sowie die wechselseitige Beurteilung (A 19).
A 21 bis A 24: Diskutieren Sie - ausgehend von Ihren Eintragungen in A 21 - die These "Die Wiedervereinigung ist geglückt." (A 22; vgl. A 23 und A 24).


1 Peter Förster; in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 43-
44/99 vom 22. Oktober 1999, S. 31
2 Cornelia Lang und Rüdiger Pohl; in: Deutschland Archiv 2000/1, S. 9


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