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Grundgesetz im Profil



BAUSTEIN D
Sozialstaat




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Inhalt


In einer Zeit, in der intensiv über den "Umbau des Sozialstaats" geredet wird, sollte man wissen, wie das Wesen des Sozialstaats beschaffen ist. Nach Artikel 20 Abs. 1 GG ist die Bundesrepublik Deutschland "ein demokratischer und sozialer Bundesstaat". Der Anspruch, dass unsere Demokratie sozial ausgestaltet werden muss, darf niemals aufgegeben werden. In den letzten Jahren hat sich die Debatte über den Sozialstaat deshalb verstärkt, weil die wirtschaftliche Konkurrenz im Rahmen der Globalisierung zugenommen hat.

Etliche Fachleute behaupten, dass die deutsche Wirtschaft international an Konkurrenzfähigkeit verliere, wenn die "Soziallasten" nicht abgebaut würden. Ist ein solcher Abbau aber auf dem Hintergrund von Artikel 20 Abs. 1 GG überhaupt möglich? Im politischen Alltag wird deshalb gern von "Umbau" statt von "Abbau" gesprochen. Wie soll dieser Umbau aber konkret aussehen?

Diese Fragestellung sollte im Rahmen dieses Bausteins eine Rolle spielen, wenn es auch nicht um eine aktuelle Unterrichtseinheit geht. Die grundsätzliche Fragestellung "Was ist überhaupt ein Sozialstaat?" überwiegt.

Das Prinzip der "sozialen Marktwirtschaft" ist im wesentlichen die Antwort auf die Verpflichtung des Grundgesetzes auf den Sozialstaat. Danach baut das Wirtschaftsleben grundsätzlich auf Markt und Wettbewerb. Ohne den wichtigen Zusatz "sozial" würden nach dem marktwirtschaftlichen Prinzip die Schwachen auf der Strecke bleiben.

Die soziale Marktwirtschaft betont die Selbstverantwortlichkeit des Menschen. Er soll sich frei entfalten und Verantwortung übernehmen, wo es nur möglich ist. In Freiheit soll er Eigentum erwerben und Investitionen tätigen können. Der Mensch kann jedoch nicht als Individuum wirtschaften. Als soziales Wesen ist er auf das Miteinander angewiesen. Zum Grundsatz der Eigenverantwortung tritt die Verpflichtung zur Solidarität. Nur auf dieser Basis kann es sozialen Frieden und Gerechtigkeit geben.

Da die Marktwirtschaft aus sich allein nicht sozial wirksam sein kann, muss der Staat Rahmenbedingungen schaffen, die sozialen Ansprüchen genügen. Die Marktwirtschaft erfährt also Korrekturen und Ergänzungen. Wenn es z.B. im Art. 14 Abs. 2 GG heißt: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zu gleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen", so ist diese Verpflichtung Ausdruck der notwendigen Solidarität dem sozialen Ganzen gegenüber. Und wenn Einkommensstarke mehr Steuern zahlen müssen als Einkommensschwache, ist das ebenfalls eine Auswirkung eines funktionsfähigen Sozialstaats.

Um im Alter, bei Krankheit, Unfällen oder im Fall von Arbeitslosigkeit nicht ungeschützt zu sein, gibt es im Sozialstaat ein soziales Versicherungssystem. Dieses System darf nicht aus den Angeln gehoben werden. Probleme gibt es zuweilen deshalb mit diesem System, weil es nicht vor Missbrauch sicher ist. Hier sind bestimmt Regelungen denkbar, welche die gesellschaftliche Solidarität nicht so stark strapazieren.
Der Sozialstaat muss auch dafür Sorge tragen, dass in einer demokratischen Gesellschaft Startgerechtigkeit besteht. Alle jungen Menschen müssen z.B. gleiche Bildungschancen haben. Der Staat hat die Verpflichtung, für sozialen Ausgleich zu sorgen.

Es bleibt in der konkreten politischen Auseinandersetzung immer strittig, ob der bestehende soziale Ausgleich genügt, ob der Wettbewerbscharakter der Wirtschaft stärker betont werden soll oder ob nicht zu vertretende soziale Schieflagen in der Gesellschaft vorliegen. Die konkrete Ausgestaltung des Sozialstaats gehört zu den wesentlichen Herausforderungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

Wenn die Schülerinnen und Schüler in diesem Heft Kernelemente des Grundgesetzes verstehen sollen, gehört dazu auch das Verständnis vom Sozialstaat. Dieser Baustein möchte Schülerinnen und Schüler befähigen:
  • benennen zu können, welche Elemente den Sozialstaat ausmachen,
  • definieren zu können, was die soziale Marktwirtschaft von der freien Marktwirtschaft unterscheidet,
  • beurteilen zu können, inwieweit die Forderung nach einem "sozialen Bundesstaat" nach Art. 20 Abs. 1 GG in Deutschland erfüllt ist,
  • verstehen können, weshalb der Sozialstaat einen Wert darstellt, für den es sich einzusetzen lohnt.


Vorschläge für den Unterrichtsverlauf

Die Unterrichtseinheit sollte mit einem großen Fragezeichen beginnen: Wie kommt der Rollstuhlfahrer die Treppe hinauf? (D 1)
Die Schülerinnen und Schüler werden in der Regel von subjektiven Erfahrungen ausgehen und nicht gleich auf den Sozialstaat kommen. Durch die Darstellung D 2 wird der Begriff "Sozialstaat" eingeführt. Er bietet offenbar ein schützendes Dach ge gen Bedrohungen unseres sozialen Lebens.

An dieser Stelle sollte plakativ auf Artikel 20 Abs. 1 GG verwiesen werden:
"Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." Es ist wichtig, dass der Begriff "Sozialstaat" verstanden wird. Darum erläutert die Karikatur D 3, dass es zum Wesen des Sozialstaats gehört, soziale Unterschiede auszugleichen oder abzumildern. Der Text D 4 versucht behutsam und anschaulich zu ver mitteln, welche Merkmale den Sozialstaat kenn zeichnen. Die Interpretation kann von der Klasse geleistet werden.

Die Wirkungsweise der sozialen Marktwirtschaft, die bereits im Text angesprochen wurde, wird in Schaubildern verdeutlicht. Dabei können Hintergründe, Zielsetzungen und Funktionsweise der sozialen Marktwirtschaft herausgearbeitet werden (D 5 a-c).

Text und Schaubild D 6 zeigen auf, welche sozialen Sicherungssysteme es im Sozialstaat gibt. D 7 weist konkret beim Thema "Mutterschutz" nach, wie der Staat der sozialen Verpflichtung nachzukommen versucht.
Wenn wir wissen, was das Wesen des Sozialstaats ausmacht und wie er funktioniert, können wir uns der Frage zuwenden: Haben wir in Deutschland einen Sozialstaat? Provokativ wird die Karikatur D 8 vorgestellt:

  • Ist die "soziale Pyramide" richtig dargestellt?
  • Gibt es nur wenige, die an der Spitze der Gesellschaft stehen?
  • Trägt die große Masse die Hauptlast in unserer Gesellschaft?
  • Und wieviel soziale Ungleichheit hält unsere Gesellschaft aus?


Vor einer schnellen Antwort sollten aktuelle Daten studiert werden (D 9, D 10, D 11). Dabei wird deutlich, dass es nicht einfach ist, die Ausgaben für das Sozialbudget im Griff zu behalten. Es lohnt sich, mit der Klasse darüber zu diskutieren:
Wie muss gesellschaftliche Solidarität aktuell definiert werden?
Wie steht es um das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gleichheit?

Zum Schluss wenden wir uns einem sozialpolitischen Problem ersten Grades, der Arbeitslosigkeit, zu. Wie kann und soll der Sozialstaat mit diesem Problem fertig werden? Die Thesen D 12 sollen zunächst individuell bearbeitet werden. Die Auswertung in der gesamten Klasse führt bestimmt zu einer fruchtbaren und spannenden Diskussion.

Das Schwedenrätsel (D 13) stellt wichtige sozial staatliche Begriffe und Probleme zusammen, die von der Klasse gern und rasch entziffert werden können.

Lösungen waagrecht:
Generationenvertrag, Wohlfahrtsverbände, Sozialgesetzbuch, Drogenmissbrauch, Umlageverfahren, Sozialabgaben, Bismarck, Krankheit, Kostenexplosion.

Lösungen senkrecht:
Subsidiarität, Selbsthilfegruppen, Rentenreform, Alkoholismus, Sozialstaat, Sozialhilfe, Unfall, Armut, Rente, Alter, Rehabilitation.


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