Zeitschrift Grundgesetz im Profil
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Wenn am 23. Mai die öffentlichen Gebäude in der Bundesrepublik beflaggt sein werden, sollen zumindest unsere Schülerinnen und Schüler wissen, warum dieses geschieht. Denn anders als bei ihren Geburtstagen, die die Einzelnen gebührend feiern, besonders wenn sie "rund" sind, hat die Mehrzahl der Deutschen bisher solche markanten Daten ihrer Verfassung wenig beachtet. Das braucht nicht beargwöhnt zu werden, weil es auf die Problemlosigkeit verweist, mit der das Grundgesetz unserer gesellschaftlichen und politischen Ordnung ein halbes Jahrhundert ein sicheres Fundament gewesen ist und Beständigkeit im Wandel gezeigt hat. Wurde Kritik geübt, dann bezog sie sich auf die politische Praxis, nicht aber auf die Verfassung. Sie wurde - wenn überhaupt - aus nüchterner Distanz verehrt. Darum wünscht man sich ein engeres, vertrauteres Verhältnis zu unserem Grundgesetz. Vor allem die jungen Menschen sollten früh seine Werte, die Grundrechte, den Rechtsstaat, die demokratische Grundordnung und das Sozialstaatsgebot als hohes Gut erkennen. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn papierene Verfassungsartikel bleiben eher abstrakt und sprechen Jugendliche selten an. Sie erfüllen sich jedoch mit Leben, wenn ihre Bedeutung an konkreten, eigene Lebensbereiche berührende Situationen erfahrbar wird. Einen solchen Weg schlägt dieses Heft ein, indem es für beide Sekundarstufen überlegt ausgewählte Materialien zu Kernbereichen der Verfassung anbietet, die Distanzen abbauen und den Bogen zu einem "Du und das Grundgesetz" schlagen wollen. Wenn es diesem Heft gelänge, den Schülerinnen und Schülern Inhalte unserer Verfassung als fundamentale Werte des Zusammenlebens und des Schutzes des Einzelnen in unserem Staat so zu vermitteln, dass sie ihnen eine dauernde Wertschätzung entgegenbringen, dann hätte die Landes zentrale für politische Bildung dem Grundgesetz zu seinem 50. Geburtstag das schönste Geschenk gemacht. Damit es gelingt, setzt das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport auf einen richtig verstandenen Verfassungspatriotismus bei seinen Kolleginnen und Kollegen an den Schulen. Rudolf Pfeil Gymnasialprofessor Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg |
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