Kommunikation im Alltag
A 1 - A15 : Verständigung mit Worten


A1 Miteinander reden

Bild: Paul Langrock/Zenit

 

A2 Meinungsaustausch

Bild: dpa

A3 - A7 : Leider ist uns eine Veröffentlichung der Abbildungen
im Internet vom Verlag untersagt

 

A8 Der Zirkus brennt

Von Joseph Ratzinger (nach Sören Kierkegaard)

Ein Reisezirkus in Dänemark war in Brand geraten. Der Direktor schickte daraufhin den Clown, der schon zur Vorstellung gerüstet war, in das benachbarte Dorf, um Hilfe zu holen, zumal die Gefahr bestand, daß über die abgeernteten, ausgetrockneten Felder das Feuer auch auf das Dorf übergreifen würde. Der Clown eilte in das Dorf und bat die Bewohner, sie möchten eiligst zu dem brennenden Zirkus kommen und löschen helfen. Aber die Dörfler hielten das Geschrei des Clowns lediglich für einen ausgezeichneten Werbetrick, um sie möglichst zahlreich in die Vorstellung zu locken; sie applaudierten und lachten bis zu Tränen. Dem Clown war mehr zum Weinen als zum Lachen zumute; er versuchte vergebens, die Menschen zu beschwören, ihnen klarzumachen, dies sei keine Vorstellung, kein Trick, es sei bitterer Ernst, es brenne wirklich. Sein Flehen steigerte nur das Gelächter, man fand, er spiele seine Rolle ausgezeichnet - bis schließlich in der Tat das Feuer auf das Dorf übergegriffen hatte und jede Hilfe zu spät kam, so daß Dorf und Zirkus gleichermaßen verbrannten.

Joseph Ratzinger.~ Einführung in das Christentum. München: Kösel Verlag (7. Auflage) 1968, S. 76

 

A9 Wozu braucht man Sprache ?

 

Traditionell nahm man an, Sprechen sei "lautes Denken". Nach dieser Auffassung dient Sprache dazu, daß eine Person das Ergebnis eines Gedankens einer anderen Person mitteilt. Man teilt allerdings im Sprechen nicht nur Sachverhalte oder Feststellungen mit (z. B.: "Ich wohne in der Schubertstraße"). Vielmehr gibt ein Sprecher, indem er etwas mitteilt, mehr von sich zu erkennen, er drückt etwas von sich, seinen Gefühlen und Gedanken, aus (z. B.: "Ich bin zur Zeit recht einsam"). Außerdem will jeder Sprecher auch beim Gegenüber, dem Hörer, mit seinen Worten etwas erreichen. (Der Sprecher könnte z. B. denken: "Vielleicht besucht er mich einmal, wenn er um meine Einsamkeit weiß.")

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Es lassen sich also drei Funktionen von Sprache unterscheiden:

1. Sprache dient der Darstellung von Sachverhalten: Der Montblanc ist mit 4807 Metern der höchste Berg Europas.

2. Mit Sprache kann eine Person ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken: Ich sehne mich nach Urlaub.

3. Mit Sprache kann ich bei meinem Zuhörer eine Reaktion auslösen: Die Äußerung "Es zieht hier, und ich bin erkältet" kann den Hörer veranlassen, das Fenster zu schließen.

Sprache ist also ein Verständigungsmittel. Allerdings gibt es beim Kommunizieren auch noch andere Mittel wie Gestik, Mimik, Berührungen, Gerüche oder Musik.

In Anlehnung an Karl Bühler: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache.

Stuttgart: G. Fischer Verlag; ungek. Neudruck d. Ausgabe Jena 1934, S. 28

 

A10 Sprachlos

Bild: Walter/X-Press

 

A11 An die Eltern

Von Klaus Konjetzky

(Ihr kennt das Leben, also laßt es mich kennenlernen)

1. Ihr sprecht

von der Verantwortung, die ihr für mich habt aber ihr wollt nur,daß ich so werde wie ihr.

2. Ihr sagt,

ich sollte mich mehr für Kultur interessieren aber euch interessieren nicht die Lieder der Rolling Stones.

3. Ihr behauptet,

Fernsehen mache träge aber ihr sitzt regelmäßig vor Dalli Dalli.

4. Ihr sagt,

es komme auf den Menschen an aber ihr verlangt, daß ich mir die Haare schneiden lasse.

5. Ihr sprecht

von den Erfahrungen, die ihr gemacht habt aber ihr wollt nicht, daß ich in eine Diskothek gehe.

6. Ihr fordert

Vertrauen und Offenheit aber ihr sperrt, wenn ihr geht, das Telephon ab.

7. Ihr sagt,

es sei nicht alles in Ordnung im Lande aber euch stört mein Kontakt zur Gewerkschaftsjugend.

8. Ihr beklagt

die Gleichgültigkeit der Jugend aber über Kriegsdienstverweigerung laßt ihr nicht mit euch reden.

9. Ihr verurteilt

die Gewalttätigkeit vieler Jugendlicher aber ihr verbietet mir die Zärtlichkeit von Susi.

10. Ihr wünscht mir

eine bessere Zukunft aber ihr meßt mich an eurer Vergangenheit.

Joachim Fuhrmann (Hrsg.): Tagtäglich. Gedichte. Reinbek: Rowohlt 1986, S. 19

 

A 12 Die Logbuch-Anekdote

Der Kapitän eines großen Schiffes fand während seines Wachdienstes auf hoher See den Matrosen Schluckspecht zum wiederholten Male in stark angetrunkenem Zustand vor. Aufgrund dessen trug der Kapitän den folgenden Satz in das Logbuch ein:
"Samstag, 17.1.1998. Matrose Schluckspecht wieder einmal betrunken. "

Matrose Schluckspecht, der am folgenden Tag in nüchternem Zustand seinen Dienst antrat, las im Logbuch den Eintrag des Kapitäns vom Vortag und schrieb den folgenden Satz in das Logbuch nieder:
"Sonntag, 18.1.1998. Der Kapitän ist heute nicht betrunken!"

E. Felder

 

A 13 Unverständliches Verhalten

Sybille sitzt neben Harald auf dem Beifahrersitz des Autos und kocht vor Wut. Seit einer halben Stunde fahren sie in der Gegend herum und suchen nach einer Straße. Harald ist sicher, daß sie ganz in der Nähe liegt. Sybille ist nicht wütend, weil Harald den Weg nicht findet, sondern weil er darauf besteht, ihn allein zu finden, statt anzuhalten und jemanden zu fragen. Sie ärgert sich, weil sie sein Verhalten durch die Brille ihres eigenen sieht: Wenn sie am Steuer säße, hätte sie jemanden nach dem richtigen Weg gefragt, sobald sie gemerkt hätte, daß sie sich verfahren hätten.

Sie würden längst gemütlich im Wohnzimmer ihrer Freunde sitzen, statt die Zeit damit zu verschwenden, im Kreis herumzufahren. Sybille macht es nichts aus, nach der Richtung zu fragen, deshalb ergibt es keinen Sinn für sie, wenn jemand sich weigert, um Hilfe zu bitten. Aber in Haralds Welt ist es logisch, daß man im Kreis herumfährt, wenn man den Weg nicht findet, weil es ihm unangenehm ist, um Hilfe zu bitten. Er möchte diese unangenehme Situation vermeiden und sich seine Unabhängigkeit bewahren.

Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden. Hamburg: Ernst Kabel Verlag GmbH 1991, S. 62

 

A 14 Aneinander vorbeireden

Die Ehefrau, nennen wir sie Michaela, nahm Anstoß an der Gewohnheit ihres Mannes Gerhard, als Antwort auf ihre Fragen andere Informationen zu liefern als die, um die sie gebeten hatte. Hier sind zwei typische Beispiele, von denen sie berichtete:

Michaela: Wann fängt das Konzert an? Gerhard: Du mußt um halb acht fertig sein.

Michaela: Wie viele Leute kommen zum Abendessen?

Gerhard: Mach dir keine Gedanken. Wir haben genug zu essen.

Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden. Hamburg: Ernst Kabel 1/erlag GmbH 1991, S. 322

 

A 15 Jugendsprache

Jugendliche benutzen oft im Kontrast zur Sprache der Erwachseneri einen eigenen "Slang", schon um sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. Ausdrücke, die vor einigen Jahren noch als typisch jugendsprachlich gegolten haben, können sich auch halten und in die Alltagssprache der Erwachsenen übernommen werden. Die folgende Aufzählung enthält Beispiele aus den achtziger Jahren.

Welche dieser Ausdrücke und Redewendungen sind bei Jugendlichen heute "out" und bei den Erwachsenen noch "in"? Und wie sieht eine aktuelle Liste der Jugendsprache von heute aus?

 

cool, easy, locker -(überlegenes) Lebensgefühl
high sein, gut drauf sein - sich gut fühlen
down sein, mies drauf - sich schlecht fühlen
sein, gefrustet sein,  
durchhängen  
(null) Bock haben auf - (keine) Lust haben auf
ausflippen, ausrasten, - (vor Staunen/Wut/
abheben, abschnallen Freude) durchdrehen,
  außer sich sein
echt, total, wahnsinnig,voll - sehr, wirklich, absolut

heiß, scharf, stark,   geil, irre, tierisch, riesig,

- sehr gut, hervorragend,toll
ätzend, ungeil, nervig,    finster, kaputt, übel,  beknackt - schlecht, dumm,unerträglich
Knete, Kohle, Eier -Geld
filmen, linken - betrügen, hereinlegen
Checken, raffen,spannen, schnallen - begreifen

 

"Du, ich hab 'n tierisch geilen Job ergeiert. Da gibt's echt tausend Eier bar auf die Kralle."

"Die neue Disco bringt's total, da is Action." - "Ach, kannste dir abschminken, fetzt nich, keine Power." "Ich hab mir grad so ne Mafia-Torte (Pizza) reingezogen, mir is echt schlecht." - "Bloß keine Panik, Mann, du bist einfach mies drauf." - "Ach, du hast doch ein'n an der Waffellan der Hackelan der Klatsche!"

"Da kommt ja Otto, 'n ganz übler Schleimi." - "Da mach ich lieber ne Biegelne Fliegelne Flatter." "Meine Alten hocken jeden Abend vor der Glotze. Dallas und so, da fahrn die voll drauf ab. Ätzend!"

"Na, habt ihr die Message geschnallt?"

Beispiele aus Harro Gross: Einführung in die germanistische Linguistik. München: ludicium tlerlag, z. Aufl. 1990, S. 164