
Heft 1/97 Europäische Währungsunion
BAUSTEIN B
Wie funktioniert die Währungsunion?
Funktion und Anlage des Bausteins
Mit diesem Baustein beginnt die Informationsphase über die Europäische Währungsunion.
Im Mittel punkt stehen drei Anliegen:
1. Es soll klar werden, dass eine Währungsunion prinzipiell keine Geldentwertung bedeutet, sondern lediglich eine rechnerische Umstellung aller Preise, Löhne, Mieten, Renten usw. "Die Einführung des Europa-Geldes ist ... keine Abwertung und kein Neuanfang bei Null mit Kopfgeld wie 1948. Alle DM-Beträge werden entsprechend dem festgelegten Umstellungssatz einheitlich in die Europawährung umgerechnet. Damit werden bei der Währungsunion Sparguthaben, Versicherungen, Renten, Löhne und Gehälter auf die neue Währung umgestellt: Sie behalten ihre Kaufkraft, da auch die Preise entsprechend umgestellt wer den". (Bundesministerium der Finanzen (Hg.): Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion, Bonn 1994, S. 45)
2. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich über den im Vertragswerk von Maastricht vorgesehenen Weg zur Europäischen Währungsunion informieren (3-Stufenplan, 3-Phasenplan und Europäisches Währungsinstitut als Vorläufer der Europäischen Zentralbank). Dadurch werden sie in die Lage versetzt, den bereits angelaufenen Prozess zur Einführung des Euro sachkundig zu verfolgen.
3. Schließlich soll in diesem Unterrichtsabschnitt die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit eines Währungsverbundes (EWS II; vgl. B 12) vermittelt werden. Dieser Verbund zwischen denjenigen EU-Staaten, welche der Währungsunion sofort beitreten können, und denen, die (vorläufig) außerhalb der Währungsunion verbleiben, hat die Funktion, einer Spaltung Europas vorzubeugen.
Die Beschäftigung mit den Materialien des Bausteins B kann Vorbehalte, Unsicherheiten und Ängste gegenüber der Währungsunion abbauen und Kritik auf eine sachliche Grundlage stellen. Dazu dienen neben Texten und Zitaten vor allem die Umrechnungstabellen, die erfahrungsgemäß auf großes Interesse bei den Jugendlichen stoßen (B 1 und B 5).
Im Unterricht müssen möglichst viele Implikationen der Währungsunion aufgezeigt und die vorgesehenen Modalitäten und Mechanismen zur Einführung der Gemeinschaftswährung erarbeitet werden. Ins besondere wird man auf das Gebot der Haushaltsdisziplin in einer Währungsunion, die Auswirkungen auf die Tarifpolitik, die Verlagerung der geldpolitischen Kompetenz auf europäische Institutionen und das Europäische Währungssystem II hinweisen.

Unterrichtspraktische Hinweise
Man erläutert den Schülerinnen und Schülern die These "Es ändern sich lediglich die Preisschilder, aber nicht der Wert des Geldes" anhand eines ein fachen Beispiels:
Bargeld in anderer Form
Bei einem Vereinsfest werden den Besuchern zur Vereinfachung der Abrechnung rote, blaue und gelbe Bons verkauft; die roten Bons haben den Gegenwert von 1 D-Mark, die blauen von 2 D-Mark und die gelben von 5 D-Mark. Mit den roten Bons kann man ein Glas Mineralwasser oder eine Butterbrezel kaufen, für einen blauen Bon gibt es eine Bratwurst oder ein Spezi, für den gelben bekommt man Maultaschen mit Kartoffelsalat oder '/2 Liter Bier; natürlich kann man für die Maultaschen auch mit 5 roten oder 2 blauen und einem roten Bon bezahlen. Die Bons sind also bares Geld in anderer Form. Genauso verhält es sich mit dem Euro, der etwa DM 1,90 entsprechen wird.
Als weiteres Beispiel könnte man die Verwendung von Chips in einer Spielbank heranziehen.
Aus den Materialien B 1 bis B 6 erarbeitet die Klasse ein Aufklärungsinfo über den Euro, das folgende Elemente enthält:
- Das Aussehen des Geldes und die Preise ändern sich, nicht aber die Kaufkraft der Löhne, Gehälter und Renten.
- Der Geldwechsel bei Auslandsreisen entfällt, weil überall in Europa das gleiche Geld Verwendung findet.
- Auf- und Abwertungen der europäischen Währungen untereinander und Währungsspekulationen gehören der Vergangenheit an.
- Die Währungsunion ist keine "Währungsreform".
- Die Währungsunion wird gründlich vorbereitet, die Stabilität des Euro wird durch strenge Beitrittskriterien zur Währungsunion garantiert.
- Das neue Geld wird nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise (bis zum 1. Juli 2002) eingeführt.
Zur Abgrenzung der Währungsunion gegenüber einer Währungsreform kann an dieser Stelle des Unterrichts das historische Beispiel der Einführung der D-Mark am 20. Juli 1948 herangezogen werden (vgl. Schaubild 3).
Schaubild 2: Die Sache mit dem Wechselkurs
LAND A |
LAND B |
1) Ausgangssituation |
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| 100 Währungseinheiten des Landes A |
1000 Währungseinheiten des Landes B |
Preis für ein Mountainbike |
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| aus eigener Produktion: 1000 WE aus B importiert: 1000 WE |
aus eigener Produktion:10 000 WE aus A importiert: 10 000 WE |
| 2) In B steigen die Preise um 10 % bei unverändertem Wechselkurs | |
Preis für ein Mountainbike |
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| aus eigener Produktion: 1000 WE aus B importiert: 1100 WE |
aus eigener Produktion:11 000 WE aus A importiert: 10 000 WE |
3) Abwertung der Währung des Landes B um 10% |
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| 100 Währungseinheiten des Landes A |
1100 Währungseinheiten des Landes B |
Preis für ein Mountainbike |
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| aus eigener Produktion: 1000 WE aus B importiert: 909 WE |
aus eigener Produktion:10 000 WE aus A importiert: 11 000 WE |
| Wo kauft der Mountainbike-Interessent des Landes B nach der Abwertung? | |
| Wo kauft der Mountainbike-Interessent des Landes A nach der Abwertung? | |
Schaubild 3: Währungsunion und Währungsreform
Europäische Währungsunion (1999/2002) - Währungsumstellung
Die Währungsunion wird nur Länder mit geordneten Währungsverhältnissen umfassen
Geld ist knapp
Stufenweise Überführung der einzelstaatlichen Währungen in den Euro
Paritätischer Umtausch des bisher gültigen Geldes in den Euro
Keine Veränderung der Kaufkraft der Löhne, Gehälter, des Taschengeldes und des Ersparten
Deutsche Währungsreform (1948) -
Währungsschnitt
Durch Kriegsfinanzierung zerrüttete Währung mit Vordringen des Tausches
Geld war überreichlich
Schlagartige Umwandlung der bisher gültigen Reichsmark in die D-Mark
Umtausch des Altgeldes (RM) im Verhältnis 100:6,5 (Umstellung von Altschulden im Verhältnis 10:1)
Preise wurden 1:1 umgestellt, danach aber freie Preisbildung am
Markt
Ausgabe eines "Kopfgeldes" von DM 60,- pro Person
Schaubilder: Gerhart Maier l vo l hö