Heft 1/97 Europäische Währungsunion


Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport



Seit der deutschen Einheit gab es für unser Volk keinen politischen Schritt in die Zukunft von einem solchen Gewicht wie die für 1999 angestrebte Europäische Währungsunion. Weil die meisten Deutschen dieses ganz deutlich spüren, ist eine heftige Auseinandersetzung um das Pro und Kontra des Euro entbrannt. Sie wird vielfach leider mehr von Emotionen als von Sachverstand getragen. Verheißungen werden gemacht, Ängste werden geschürt, und es ist anzunehmen, daß in den bis
zum Tag X verbleibenden zwei Jahren, die ohnehin durch erhebliche wirtschaftliche und soziale Probleme belastet sein dürften, die Angst vor dem Verlust der stabilen D-Mark weiter wachsen wird.

In dieser schwierigen Lage gilt es, vor allem auch bei unseren Schülerinnen und Schülern durch eine ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse die Akzeptanz der kommenden gemeinsamen Währung zu erhöhen und ihren Blick für die anstehenden Herausforderungen zu schärfen.

Für diese Aufgabe ist das didaktische Umfeld besonders günstig, denn die kontroversen Stimmen zum bevorstehenden Einschnitt machen unsere Schülerinnen und Schüler betroffen, sie fordern ihr eigenes Urteil geradezu heraus und zwingen sie zu der Erkenntnis, daß es um ihre eigene Zukunft geht, die in die Zukunft Europas eingebunden ist. Dadurch wird jedoch über die aktuelle Währungspolitik hinaus der Gedanke des europäischen Einigungsprozesses wach gehalten, was das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport - ebenso wie die Vorbereitung auf ihre zukünftige Lebenssituation - nach wie vor als eine der dringlichen Aufgaben des Unterrichts ansieht.

Darum dankt es der Landeszentrale für politische Bildung, daß sie mit dem vorliegenden Heft ein breit gefächertes Materialangebot von Befürwortern und Kritikern der Europäischen Währungsunion bereit hält, das den Schülerinnen und Schülern keine Entscheidung abnimmt, sondern sie zu einem eigenen Urteil ermuntert.


Rudolf Pfeil
Gymnasialprofessor
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg