Heft 1/97  Europäische Währungsunion


Vorwort


Die Weichen sind gestellt; und wenn der Fahrplan eingehalten wird, dann ist es am 1. Januar 2002 soweit: Die gemeinsame europäische Währung - der Euro - wird eingeführt. Für alle, die dabei sind, wird es das gewohnte Geld - zum Beispiel die D-Mark - nicht mehr geben. Welche Zwischenstationen vorher zu passieren sind, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um dabei sein zu können, das alles ist im Vertragswerk von Maastricht geregelt und in den Vereinbarungen von Dublin konkretisiert. Für die Politik ist die Einführung einer einheitlichen europäischen Währung ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zureuropäischen Einigung und die richtige Antwort auf die fortschreitende Globalisierung der Märkte.

Alles scheint klar zu sein. Umfragen aber belegen, daß die Mehrheit der Deutschen dem Projekt skeptisch bis ablehnend gegenübersteht. Auch die Experten streiten heftig über Grundsätze und über Einzelfragen der neuen Währung. Beim Euro zeigt sich exemplarisch, daß Europa unseren Alltag in Zukunft noch stärker bestimmen wird als bisher schon. Nicht zuletzt deshalb ist das Thema auch für die politische Bildung in der Schule wichtig. Durch sachbezogene Information kann Europa noch mehr Zustimmung als bislang finden.

Im Unterricht wird man bei den aktuellen Kontroversen beginnen, dann grundlegende Informationen erarbeiten, um abschließend die Argumente auf einem höheren Niveau abwägen zu können. Für ein solches Vorgehen stellt dieses Heft von "Politik und Unterricht" geeignete Materialien, entsprechende Unterrichtsvorschläge und Zusatzinformationen bereit. Der erste und der letzte Baustein eignen sich vor allem für die Eingangs- und Schlußdiskussion; die drei mittleren können das erforderliche Grundwissen vermitteln: über die Funktionsweise der Europäischen Währungsunion, die Kriterien von Maastricht und über die Einrichtungen und Beschlüsse, welche die Stabilität des Euro sichern sollen. Im Idealfall kann es so sein, daß der Blick in den Vertragstext manche hitzige Diskussion klärt. Doch wo es um Meinungen und Interessen geht, wird es oft auch nach der Erörterung der Positionen keine eindeutig positiven oder negativen Antworten geben können.

Herausgeber, Autor und Redaktion wissen, daß es sich beim Thema des Heftes um eine schwierige Materie handelt. Auch wenn man manches nur in der Oberstufe behandeln wird: Wir haben uns angestrengt, um auch die Bedürfnisse des Sekundarbereichs I zu berücksichtigen. Die Leserinnen und Leser mögen beurteilen, wie gut uns dieser Spagat geglückt ist.


Siegfried Schiele
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg