Zeitschrift 

Europa wählt -
Europa wird größer!

Europa wählt

Europa wird größer

Europa wird anders

Perspektiven, Chancen und Probleme

 

Heft 1-2/2004, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Herausgebers


Europa wählt - Europa wird größer! 15 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges und 25 Jahre nach den ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament könnten die Europawahlen im Juni 2004 zum Symbol eines geeinten Europa werden, das seine künstliche Spaltung überwunden hat. Die Erweiterung der EU um zehn bzw. zwölf europäische Staaten ist ein Vorgang von historischer Bedeutung - für die Europäische Union selbst und für die Beitrittsländer. Die Gemeinschaft steht vor ihrer bislang größten Erweiterungsrunde: das ist eine historische Herausforderung und gleichzeitig eine Chance! Strukturelle und institutionelle Reformen sind dazu bereits auf den Weg gebracht. Mit der Verabschiedung einer Verfassung für das geeinte Europa ist ebenfalls im Jahr 2004 zu rechnen. Aber der Beitritt ist auch für die neuen Mitgliedstaaten eine tiefe Zäsur in ihrem Transformationsprozess. Mit großer Zustimmung der Bevölkerungen streben sie mit der Unterstützung der bisherigen EU-15 nach einer Teilhabe an den Werten der EU: Demokratie, Rechtsstaat, Schutz der Menschenrechte und der Minderheiten. Das geeinte Europa war in den vergangenen Jahren ein Garant für Frieden, Sicherheit, politische Stabilität und wirtschaftlichen Erfolg. Die mittel- und osteuropäischen Länder erhalten nun endlich die Chance auf die Teilnahme am Projekt der europäischen Integration.

Wer macht was in Europa? Wie funktioniert Europa? Und wo betrifft Europa das alltägliche Leben der Menschen? Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die sich für 2004 den thematischen Schwerpunkt "Europa" gewählt hat, nimmt mit dieser Ausgabe von Politik & Unterricht das epochale Ereignis der EU-Erweiterung und die Aktualität der Europawahlen gerne zum Anlass, Lernende und Lehrende zu einer Auseinandersetzung mit Europa einzuladen. Wir sind uns der Problematik bewusst, dass Europa oft nur als weit entfernt liegende und von den Bürgerinnen und Bürgern abgehobene "Brüsseler Bürokratie" wahrgenommen wird. Das zeigen auch die niedrigen Beteiligungsquoten bei den vergangenen Europawahlen.

Aber Europa wird von "unten" gebaut und gelebt. Durch die Erweiterung wird die Europäische Union bunter und vielfältiger. Der Reichtum Europas liegt in seiner Vielfalt: in gesellschaftlicher, kultureller und geografischer Hinsicht. Aber die Erweiterung bringt auch Schwierigkeiten mit sich, nicht nur wirtschaftlicher Art. Das geeinte Europa war jedoch schon immer ein offenes Vorhaben und eine Vision - und es wird auch weiterhin ein Projekt der Zukunft sein, nicht zuletzt ein Projekt der Jugend. Was in den vergangenen Jahrzehnten an engen Freundschaften auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene mit den bisherigen EU-Staaten gewachsen ist, wird sich gleichermaßen mit den Ländern Mittel- und Osteuropas entwickeln. Dazu bedarf es großer Anstrengungen, die auf allen Ebenen bereits unternommen werden. Die Erweiterung der EU wird das persönliche Miteinander der Menschen in Europa noch verstärken. Aber Europa bedeutet auch die Auseinandersetzung mit einem politischen System, mit politischen Vorgängen und Institutionen. Wer diese kennt, kann die Abgrenzung und das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Politikebenen besser verstehen und leichter eine Antwort auf die oben gestellten Fragen finden.

Dr. h. c. Siegfried Schiele

Direktor der
Landeszentrale für politische Bildung
Baden-Württemberg


 


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