Zeitschrift 

Europa wählt -
Europa wird größer!

Europa wählt

Europa wird größer

Europa wird anders

Perspektiven, Chancen und Probleme

 

Heft 1-2/2004, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport


Ein Fest für Europa: Ungarische Jugendliche werden in ihrer Schule in der Nacht vom dreißigsten April auf den ersten Mai feiern. Sie werden feiern, dass ihr Land in die Europäische Union aufgenommen wird. Und auf einem großen Platz in Budapest läuft eine Stoppuhr, welche die verbleibenden Stunden, Minuten und Sekunden bis zum Eintritt in die EU zählt. Hier zu Lande sucht man so viel Euphorie oft vergebens. Die öffentliche Meinung ist von Sorgen und Ängsten geprägt. Dabei sind auch in den Beitrittsstaaten kritische Stimmen zu hören. So befürchten osteuropäische Staaten, dass ihre nationale Identität und ihre politische Souveränität, die sie gerade erst mühsam gewonnen haben, im vereinigten Europa nur eine geringe Rolle spielen werden. Umgekehrt fürchten langjährige EU-Staaten gerade dies: dass osteuropäische Länder eine politische Kultur des Nationalismus mitbringen und dass sie ihre staatliche Souveränität nicht einschränken lassen wollen. In ihren Befürchtungen stehen sich alte und neue EU-Staaten also in nichts nach. Beiderseits sind mit der EU-Erweiterung zahlreiche Fragen und ungelöste Probleme verbunden.

Angesichts solcher Befürchtungen lohnt es sich, den Blick auf die ideelle Basis der Union zu lenken. Nie war die Europäische Gemeinschaft nur ein auf wirtschaftliche Interessen gegründeter Zweckbund. Immer war Europa mehr als ein Wirtschaftsverband, immer gab es die Vision eines friedlichen Miteinanders der europäischen Staaten, die von einem gemeinsamen Wertesystem und einer gemeinsamen europäischen Identität zusammengehalten werden. Dazu kommt noch etwas anderes: Das Projekt Europa ist einzigartig. Es gibt keine historischen Vorbilder. Das macht es einerseits so ungewiss, andererseits so spannend. Das Projekt Europa ist ein System, das sich dauernd weiterentwickelt und sich in ständiger Bewegung befindet, dessen Ausgang offen ist und dessen Zielsetzung einem dynamischen Prozess unterworfen ist, das im Entstehen begriffen ist und doch schon funktioniert. Es ist ein Experiment, aber es könnte auch ein Modell werden: Mit großem Interesse betrachten Asien, der Nahe Osten und Süd- und Mittelamerika den europäischen Einigungsprozess.

Die Landeszentrale für politische Bildung legt nun ein Heft vor, das aktuelle Informationen und Unterrichtsmaterialien zum Thema Europa bietet. Damit können die Schülerinnen und Schüler handlungsorientiert und altersgerecht an eine schwierige Materie herangeführt werden und es ist zu wünschen, dass sie sich neugierig und zuversichtlich mit dem spannenden Projekt Europa auseinander setzen, dass sie die neuen Beitrittsländer willkommen heißen und dass die Wahlberechtigten unter ihnen im Juni 2004 ihr Wahlrecht nutzen. Und vielleicht feiern ja auch sie ein Fest für Europa, aller Ungewissheit und allen Befürchtungen zum Trotz.

Johanna Seebacher

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg


 


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