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Zeitschrift Europa wählt - Europa wählt
Heft
1-2/2004, |
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Perspektiven, Chancen und ProblemeWirtschaftliche Schwierigkeiten und Chancen der Osterweiterung Nachdem die Schülerinnen und Schüler in den Bausteinen B und C die Bedeutung und das Veränderungspotenzial der Osterweiterung kennen gelernt haben, werden nun die zu erwartenden zukünftigen Entwicklungen in das Blickfeld der Jugendlichen gerückt. Zunächst sollen sie sich die wirtschaftlichen Perspektiven des Erweiterungsprojekts bewusst machen. Dafür wurden zwei Schwerpunkte ausgewählt:
Ziel ist es, die Befürchtungen in den Beitrittsländern und den bisherigen EU-Mitgliedstaaten an einigen Beispielen aufzuzeigen und gleichzeitig die Strategien zur Bewältigung der anstehenden Probleme zu analysieren. Die Anordnung der Texte, Grafiken und Bilder ermöglicht eine sukzessive Entwicklung des folgenden Tafelbildes auf Seite 15.
Ost-West-Begegnungen: Die Menschen kommen sich näher Nachdem bereits der Fall des "Eisernen Vorhangs" in den späten 1980er-Jahren den Auftakt für eine große Zahl von Schul- und Städtepartnerschaften zwischen Baden-Württemberg und den mittel- und osteuropäischen Ländern gebildet hat, ist nach dem Beitritt dieser Länder eine Steigerung der Begegnungen zwischen den Bevölkerungen der alten und der neuen EU-Mitgliedstaten zu erwarten und zu wünschen. Die Materialien D 15 - D 18 beschreiben Wege und Möglichkeiten von Schul- und Städtepartnerschaften und Erfahrungen bei grenzüberschreitenden Begegnungen; sie sollen das Interesse der Jugendlichen an derartigen Partnerschaften wecken. Die Schülerinnen und Schüler können in einer Selbsttätigkeitsphase ausgehend von den vorgelegten Materialien folgende Informationen erarbeiten:
Falls zwischen dem Schulort und einer oder mehreren osteuropäischen Städte bereits eine Partnerschaft besteht, ist eine Dokumentation bisheriger Begegnungen durch die Klasse sinnvoll. Recherchen im Archiv der örtlichen Zeitung oder die Befragung von Mitarbeitern der für die Partnerschaft zuständigen Behörden sind ein geeigneter Weg zur Erstellung einer solchen Dokumentation. Als - freilich anspruchsvolles und aufwändiges - Projekt bietet sich schließlich die Vorbereitung einer Schulpartnerschaft mit einer der eigenen Schule vergleichbaren Schule in einem der Beitrittsländer an.
Stößt die EU an ihre Grenzen? Die Aufnahme von zehn mittel- und osteuropäischen Staaten in die Europäische Union bedeutet keineswegs das Ende des Erweiterungsprozesses. Mit Rumänien und Bulgarien wurden bereits Beitrittsverhandlungen aufgenommen, nahezu alle übrigen Balkanstaaten haben einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Gemeinschaft gestellt. Auch einige ehemalige Sowjetrepubliken wollen der EU beitreten, und der Türkei wurde bei der Kopenhagener Gipfelkonferenz im Dezember 2002 der Kandidatenstatus zugesprochen. Bringen schon die zehn neuen Mitglieder tief greifende Veränderungen und Herausforderungen für die Union mit sich, so sind die Folgen weiterer "Beitrittswellen" für die Struktur, die Handlungsfähigkeit und die Finanzierbarkeit der EU heute noch kaum abzuschätzen. Das "Projekt Europa" ist an seinen Grenzen angekommen; eine drohende "Überdehnung" ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Im letzten Teil der Unterrichtseinheit über die Erweiterung sollen die Schülerinnen und Schüler sich mit dem Problem der räumlichen "Finalität" der EU auseinander setzen. Ausgehend von der ursprünglichen Zielsetzung, alle beitrittswilligen und -fähigen europäischen Staaten unter dem Dach der Gemeinschaft zu vereinen, werden in einer offenen Diskussion im Unterricht mögliche Grenzen Europas - und der Europäischen Union - bestimmt und die einzelnen Beitrittsaspiranten in konzentrischen Kreisen entsprechend ihrer Nähe bzw. Ferne zur EU aufgelistet. In einer Informationsphase können die Lehrerinnen und Lehrer Alternativen zur uneingeschränkten EU-Mitgliedschaft aufzeigen:
Die EU und die Türkei
Einen besonderen Schwerpunkt sollte in diesem Zusammenhang die Frage nach einer EU-Mitgliedschaft der Türkei bilden, die wahrscheinlich auch im Europawahlkampf 2004 eine Rolle spielen wird (D 27 - D 32). Die Lernenden sind darauf hinzuweisen, dass ein baldiger Beitritt der Türkei nicht zu erwarten ist, selbst wenn - was eher unwahrscheinlich erscheint - bereits im Jahr 2005 Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden. Deshalb sollte bei der Erörterung einer etwaigen (späteren) türkischen EU-Mitgliedschaft nicht vom heutigen Zustand des Landes ausgegangen werden. Vielmehr sind im Laufe der langwierigen Beitrittsverhandlungen und etwaiger "Heranführungsstrategien" tief greifende strukturelle Transformationsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Türkei die unabdingbare Voraussetzung für eine Aufnahme in die EU. Andererseits dürfen die bestehenden und teilweise berechtigten Bedenken gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei im Unterricht nicht vernachlässigt oder verharmlost werden. Die Lernenden sollen sich deshalb in diesem Zusammenhang auch mit der Möglichkeit einer verstärkten Kooperation zwischen der Union und der Türkei unterhalb der Vollmitgliedschaft ("Assoziierung plus") auseinander setzen. Eine Möglichkeit der Unterrichtsgestaltung kann die Aufteilung der Klasse in zwei Gruppen sein, von denen die eine Argumente für und die andere Argumente gegen die EU-Mitgliedschaft der Türkei sammelt und in einem anschließenden Streitgespräch verteidigt. Aus den Materialien D 27 - D 32 kann ein großer Teil der jeweiligen Argumentationslinien herausgearbeitet werden.
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