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Zeitschrift Europa wählt - Europa wählt
Heft
1-2/2004, |
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Europa wird größerMit Recht spielt die Erweiterung der Europäischen Union in den Medien und in der Fachliteratur eine wichtige Rolle. Die EU erstreckt sich nun über einen weiten Teil des Kontinents und die Mehrzahl der europäischen Staaten vereinigt sich unter ihrem Dach. Die Aufnahme neuer Mitglieder ist seit der Gründung der Montanunion (1951) ein erklärtes Ziel der Gemeinschaft, aber die Erweiterungsrunde ab 2004 unterscheidet sich grundsätzlich von den bisherigen vier Erweiterungsschritten, die von der EWG der Sechs zur EU der 15 geführt haben: "Mit der Osterweiterung ... eröffnet sich nach den bitteren Erfahrungen vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die historische Chance, Frieden, Freiheit und Sicherheit in ganz Europa nachhaltig zu stärken" (Wolfgang Schäuble).
Zur Bedeutung der Erweiterung Die historische Bedeutung der Erweiterung der EU lässt sich mit folgenden Punkten charakterisieren:
Unterrichtspraktische Hinweise Ausmaß und Bedeutung der Erweiterung (B 1 - B 8) Die Materialien in diesem Abschnitt vermitteln einen ersten Einblick in die Tragweite der Erweiterung der Europäischen Union. Der Schwerpunkt sollte dabei zunächst auf den quantitativen Aspekt und auf die Modalitäten des Erweiterungsprozesses gelegt werden. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die Tatsache, dass ein permanenter Erweiterungsprozess für die bisherige Geschichte der Gemeinschaft charakteristisch ist. Sie sollten jedoch auch erkennen, dass der Beitritt der mittel- und osteuropäischen Länder sich grundsätzlich von den bisherigen Erweiterungsschritten - sowohl hinsichtlich der Zahl der neuen Mitglieder als auch in politischer Hinsicht - unterscheidet. Die osteuropäischen Staaten kehren nach Europa zurück. Diese "Wiedervereinigung Europas" und das Bewusstsein in den alten Mitgliedstaaten der EU, dass die Aufnahme der zehn Staaten eine unausweichliche Aufgabe und Verpflichtung darstellt, ist besonders herauszuarbeiten. Andererseits zeigen die Materialien auch die breite Zustimmung in den Kandidatenländern zu ihrem Beitritt in die Gemeinschaft (vgl. B 6 - B 8).
Der Erweiterungsprozess (B 9 - B 14) Die Aufnahme in die EU erfolgt nicht zum "Nulltarif". Um dies zu veranschaulichen, werden hier die Bedingungen für den Beitritt der Kandidatenländer und die Modalitäten der Erweiterung in kurzer und übersichtlicher Form dargestellt (B 9 und B 10). Die Lernenden sollen anhand dieser Materialien erkennen, dass den ehemals kommunistischen osteuropäischen Staaten ein umfassender Anpassungsprozess (Transformation) abverlangt wird. Gleichzeitig ist deutlich zu machen, dass erst der revolutionäre Wandel in Osteuropa seit 1988 die Ausdehnung der Europäischen Union nach Osten ermöglicht hat. In einer Diskussion mit verteilten Rollen, in welcher ein Teil der Klasse Regierungsvertreter eines osteuropäischen Kandidatenlandes spielt und eine Abschwächung der Bedingungen durchzusetzen versucht und der zweite Teil der Klasse die Rolle von Kommissionsvertretern übernimmt, die auf die strikte Einhaltung des "Acquis Communautaire" pochen, kann die Problematik der Beitrittsverhandlungen eindringlich verdeutlicht werden. Als ein anderer Zugang zum Thema "Beitrittsprozess" bietet sich die Auswertung der Karikaturen (B 11) an, wobei jeweils eine Schülergruppe die Interpretation einer Karikatur übernimmt. Die Materialien B 12 und B 13 ermöglichen einen Einblick in die Auswirkungen einer derart weit gehenden Vergrößerung der Gemeinschaft. Die Auswertung mündet in die Problemfrage, ob das Institutionengefüge und die bisherigen Entscheidungsprozesse in der EU dem Beitritt von zahlreichen neuen Mitgliedern gewachsen sind. Damit ist eine organische Überleitung zum letzten Abschnitt dieses Bausteins gewonnen, in welchem Wesen und Ziele der Integration thematisiert werden.
Wesen und Ziele der Union und der Verfassungsvorschlag des EU-Konvents (B 15 - B 26) Die hier zusammengestellten Materialien ermöglichen eine übersichtartige Zusammenfassung des EU-Systems durch die Schülerinnen und Schüler (B 15 - B 17). Dies erscheint deshalb sinnvoll, weil die Jugendlichen sich ein Bild der um die mittel- und osteuropäischen Staaten erweiterten Gemeinschaft erarbeiten sollen. Außerdem können bei der Beschäftigung mit diesem Unterkapitel die Auswirkungen, die sich durch die Vergrößerung des EU-Raumes für die innere Struktur der Union ergeben, aufgezeigt werden. In besonders motivierten und interessierten Klassen kann zusätzlich die Diskussion über die Reform der EU und die Verabschiedung einer Verfassung thematisiert werden (B 18 - B 26). Dabei ist im Unterrichtsgespräch auf die Forderung nach einer weiter gehenden Demokratisierung, nach einer Vereinfachung der Entscheidungsprozesse sowie nach der Verkleinerung der Institutionen und der größere Transparenz der Zuständigkeiten im EU-System besonderer Nachdruck zu legen. Der umfangreiche Vorschlag des Verfassungskonvents kann im Unterricht auf wichtige Aspekte verkürzt werden. Die Tatsache, dass die Verabschiedung der EU-Verfassung nach der Vorlage durch den Konvent zunächst gescheitert ist (B 25 und B 26), kann als Beispiel für die divergierenden Europavorstellungen der Mitgliedstaaten dienen: Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass einige Staaten innerhalb der 15er-EU (z.B. Großbritannien, Spanien und Dänemark) sowie die meisten osteuropäischen Beitrittsländer an einer Vertiefung der Gemeinschaft weniger interessiert sind als andere und deshalb eine neutrale oder gar ablehnende Haltung gegenüber dem Verfassungsentwurf einnehmen, während andere (z.B. Deutschland, Frankreich und die Beneluxstaaten) den weiteren Ausbau der EU und eine "verstärkte Zusammenarbeit" anstreben.
1 Wichard Woyke: Die Agenda der Europäischen Union zu Beginn des 21. Jahrhunderts, in: Wilfried Loth (Hrsg.): Das europäische Projekt am Beginn des 21. Jahrhunderts. Opladen (Leske + Budrich) 2001, S. 16.
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