Zeitschrift 

 

Fußball und Politik

Zur Faszination eines globalen Phänomens

 

Heft 1-2006, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport


Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Paarungen ausgelost. Die Spannung steigt, jetzt geht es los! Schon seit Monaten werden die Fußballbegeisterten in aller Welt auf das Sportereignis des Jahres eingestimmt, die FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Selbst diejenigen, die sonst den Fußballsport und seine Anhänger belächeln oder ablehnen, können sich der Faszination kaum entziehen. Denn Fußball ist Leidenschaft. Freude, Stolz, Glück, Enttäuschung – selten liegen sie näher beieinander. Im Siegesjubel oder in den Tränen der Enttäuschung bei einer Niederlage entladen sich aufgestaute Affekte. Diese starken Emotionen kann vielleicht nur verstehen, wer einmal im Stadion dabei war und das Auf und Ab, das Hoffen und Bangen der Zuschauer miterlebt hat. Fans identifizieren sich mit ihrer Mannschaft: Eine Niederlage der Mannschaft ist auch ihre Niederlage, ein Sieg lässt auch sie zu Siegern werden. Und nicht zuletzt ist Fußball immer auch Projektionsfläche für Alltagsfluchten und Lebensträume. Ob europäische Jugendliche im Trikot und mit Fußballschuhen im Verein trainieren oder ob barfüßige Jungen in Afrika einen Stoffball treten – ein wenig träumen sie alle von ihrer Entdeckung und einer Karriere als Profifußballer.

Warum aber, so mag sich mancher fragen, veröffentlicht die Landeszentrale für politische Bildung ein Heft über Fußball? Natürlich ist es ein Heft über Fußball und Politik, natürlich steht im vorliegenden Heft nicht die sportliche, sondern die politisch-gesellschaftliche Seite des Fußballsports im Mittelpunkt. Die Faszination Fußball soll nur den Weg zur Politik bahnen. Denn sobald man sich mit Fußball beschäftigt, werden auch politische und gesellschaftliche Fragen aufgeworfen. Wenn zum Beispiel der deutsche und der türkische Fußballverband um die besten in Deutschland geborenen türkischstämmigen Nachwuchsfußballer werben, dann spiegelt dies einerseits die Lebenssituation der Jugendlichen wider, die hin- und hergerissen sind zwischen ihrer Heimat und der Heimat ihrer Eltern. Andererseits wird damit auch die Frage nach der Integration berührt. Kann man die Anwesenheit ausländischer Spieler in den deutschen Mannschaften als Zeichen einer gelungenen Integration werten? Ist Sport also das beste Mittel zur Integration? Oder zeigen sich ethnische Konflikte gerade beim Fußball? Und wenn über die Nationalmannschaft diskutiert wird, wird auch die Frage nach der nationalen Identität gestellt.

Diesen und weiteren Fragen widmet sich das vorliegende Heft, das informative und anregende Materialien für eine Beschäftigung mit der Fußballweltmeisterschaft im Unterricht bietet. So bleibt zu hoffen, dass an vielen Schulen des Landes die Weltmeisterschaft als starke Motivation für einen aktuellen und lebendigen Unterricht genutzt wird, wenn die Welt zu Gast in Deutschland ist.

Johanna Seebacher Ministerium für Kultus, Jugend und Sport


 

 


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