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Zeitschrift
Fußball und Politik Zur Faszination eines globalen Phänomens
Heft
1-2006, |
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picture-alliance/dpa Die spielerisch wohl beste deutsche Nationalmannschaft gewann 1972 den EM-Titel. Aus diesem Team bildete sich der Stamm der WM-Mannschaft von 1974: Herausragende Individualisten brachten ihre spielerischen Fähigkeiten in einer einzigartigen Mischung zur Geltung. Aussehen und Charakter hatten sich verständlicherweise gewandelt. Aus den braven Scheitelfrisuren von 1954 wurden langhaarige Mähnen (Paul Breitner), aus genügsamen Fußballern wurden Ferrari fahrende Diven (Günter Netzer) und aus heimatverbundenen Spielern wurden Fußball-Globetrotter, die den Lockungen des Geldes ins Ausland folgten. Diese Mannschaft fiel bei vielen in Ungnade, weil sie offensiv Prämien einforderte und die Autorität der Fußballfunktionäre anzweifelte. Trotz des Titels blieb jedoch ein anderes Faktum im Gedächtnis aller Deutschen: Die blamable 0:1-Niederlage von elf »überheblichen« BRD-Individualisten gegen das Team der DDR. 1990 dann waren astronomische Prämien, Fußballmillionäre und -legionäre selbstverständlich geworden. Durch eine professionelle Medienpolitik des DFB drangen keinerlei negative Schlagzeilen an die Öffentlichkeit. Dieser Titel gewann durch die weltpolitischen Ereignisse nach dem Fall des »Ostblocks« an Brisanz, denn wenige Monate nach dem Sieg von Rom sollten sich die beiden deutschen Staaten wieder vereinen. Von dieser gesamtdeutschen Euphorie war jedoch bei den Feierlichkeiten nach dem Sieg kaum etwas zu sehen. Lediglich Teamchef Beckenbauer verstieg sich zu der waghalsigen These, die Deutschen seien nun auf Jahre hinaus unschlagbar. Nationale Aufbruchstimmung oder nationaler Pathos nach dem Triumph? Ein Symbol gar für die Wiedervereinigung? Fehlanzeige: Keine Silbe davon war in den Gazetten zu lesen.
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