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Zeitschrift
Fußball und Politik Zur Faszination eines globalen Phänomens
Heft
1-2006, |
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Aus einem Interview mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann: Als Präsident der »Stiftung Jugendfußball« setzen Sie sich ein für Straßenfußball. Dabei sollen durch den Fußball Toleranz und Verständnis vermittelt werden. Kann Fußball das? Natürlich. Fußball kann noch viel mehr, weil Fußball in allen Bereichen in unser Leben eingreift. Ob das in der Erziehung ist oder ob das in der Form ist, sich auszutoben, um Aggressionen abzubauen, ob es in der Form ist, sich zu integrieren in die Gemeinschaft. Ob es in der Form ist, eine Blickweise zu bekommen für die Welt, für internationale Dinge. Wenn ich mich mit Brasilien oder Argentinien als Fußballland auseinandersetze, setze ich mich automatisch auch mit der Kultur auseinander – also, der Fußball geht überall rein in unsere Gesellschaft und deswegen ist es letztendlich das optimale Transportmittel, um Leute zu erreichen. Für die Kinder sollen die Fußballer Vorbilder sein. Nun gibt es aber Fußballer, die den Ball auch gern mal mit der Hand ins Tor schlagen oder sich einfach fallen lassen, also eine »Schwalbe« machen. Ein Nationalkeeper wie Oliver Kahn steckt seinem Nationalmannschaftskollegen Klose schon mal in einem Bundesligaspiel den Finger in die Nase. Taugen deutsche Fußballer als Vorbilder? Ja, natürlich. Weil der Fußball voller Emotionen ist. Wenn Dinge vorkommen, die jetzt vielleicht mal ein bisschen negativer sind, dann hat das auch mit Emotionen zu tun, weil Emotionen gehen immer in beide Richtungen los, zum einen schön positiv, und zum anderen auch mal ab und zu negativ. Und das ist ja eigentlich das Faszinierende am Fußball, dass man nie vorher weiß, was in einem Spiel passieren kann. Und das gilt ja auch im Alltag, zuhause bei der Familie oder mit Freunden, dass man nicht immer alles perfekt macht und deswegen machen auch Fußballer nicht alles perfekt, wie jeder andere Mensch auch. Fehler sind dafür da, daraus zu lernen. Und ich glaube, mit jeder Aktion, jetzt sagen wir einmal, ein Tor schießen mit der Hand oder es passiert irgendwas anderes, dann lernt der Spieler und gesteht auch einen Fehler ein. Dann entwickelt er sich auch weiter. Deutsche Welle vom 16. November 2004 (Guido Baumhauer).
Wo Mario Basler der Allergrößte ist Mario Basler spendet ohne viel Getöse und das seit Jahren. Der Ex-Nationalspieler aus der Pfalz hat sein soziales Herz in Ladenburg verloren. Genauer gesagt in der Martinsschule. Die 200 behinderten Kinder und Jugendliche sind seine größten Fans und er ihr größter Förderer. Nicht nur, dass er tief in den eigenen Geldbeutel greift, er bringt auch andere aus seinem Umfeld dazu, Gutes für Behinderte zu tun. … Wie kam es, dass ausgerechnet einer wie er, der von sich sagt »ich kann auch ein richtiger Arsch sein«, diese Schule im Rhein-Neckar-Kreis unterstützt? Die Geschichte wird so erzählt: Als vor acht Jahren seine damalige Ehefrau in den Wehen lag, signalisierten die Ärzte, dass mit Komplikationen zu rechnen sei. Basler, damals gerade im Ausland, ließ sein Fußballspiel Spiel sein, flog zurück nach Mannheim und wartete zusammen mit seinem Manager und Freund Roger Wittmann in einer Kneipe um die Ecke. Sein Stoßgebet – »wenn das Kind gesund zur Welt kommt, dann spende ich für Behinderte« – wurde erhört. Marcel kam gesund zur Welt und Freund Wittmann wusste auch, wohin künftig die Spenden fließen sollen: nach Ladenburg in die Martinsschule. Mittlerweile heißt ein Spielplatz nach dem Kicker und das behindertengerechte Café soll selbstredend auch seinen Namen tragen. Aber das »enfant terrible« des Fußballplatzes winkt nicht nur mit dicken Schecks. Ein paar Mal im Jahr kommt er auch – meist spontan – an den Neckar gereist, um dort mit den Martinsschülern zu spielen. Gerne lässt er sich dann belagern, gibt Autogramme, kümmert sich rührend. … Seinen Bundesliga-Fans und seinem Trainer [hat er] das Leben nicht leicht [gemacht] und [er] bekennt: »Ich bin ein Lebemann.« Jeder weiß, dass er wie ein Schlot raucht, gerne in Kneipen rumhängt und auch das eine oder andere Weißbier wegschluckt. Aber das ist nur die eine Seite. Als er 1998 zum zweiten Mal heiratete, da verzichtete er auf Geschenke und bat um Spenden. [Die] brachte er zur Weihnachtsfeier der Martinsschule mit. Das ist die andere Seite des Mario Basler. Rhein-Neckar-Zeitung vom 21. Juni 2001.
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