Zeitschrift 

 

Fußball und Politik

Zur Faszination eines globalen Phänomens

 

Heft 1-2006, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

A10-A12

Fußball hat Vorbildfunktion!


A10

Jürgen Klinsmann und die »Stiftung Jugendfußball«

Aus einem Interview mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann:

Als Präsident der »Stiftung Jugendfußball« setzen Sie sich ein für Straßenfußball. Dabei sollen durch den Fußball Toleranz und Verständnis vermittelt werden. Kann Fußball das?

Natürlich. Fußball kann noch viel mehr, weil Fußball in allen Bereichen in unser Leben eingreift. Ob das in der Erziehung ist oder ob das in der Form ist, sich auszutoben, um Aggressionen abzubauen, ob es in der Form ist, sich zu integrieren in die Gemeinschaft. Ob es in der Form ist, eine Blickweise zu bekommen für die Welt, für internationale Dinge. Wenn ich mich mit Brasilien oder Argentinien als Fußballland auseinandersetze, setze ich mich automatisch auch mit der Kultur auseinander – also, der Fußball geht überall rein in unsere Gesellschaft und deswegen ist es letztendlich das optimale Transportmittel, um Leute zu erreichen.

Für die Kinder sollen die Fußballer Vorbilder sein. Nun gibt es aber Fußballer, die den Ball auch gern mal mit der Hand ins Tor schlagen oder sich einfach fallen lassen, also eine »Schwalbe« machen. Ein Nationalkeeper wie Oliver Kahn steckt seinem Nationalmannschaftskollegen Klose schon mal in einem Bundesligaspiel den Finger in die Nase. Taugen deutsche Fußballer als Vorbilder?

Ja, natürlich. Weil der Fußball voller Emotionen ist. Wenn Dinge vorkommen, die jetzt vielleicht mal ein bisschen negativer sind, dann hat das auch mit Emotionen zu tun, weil Emotionen gehen immer in beide Richtungen los, zum einen schön positiv, und zum anderen auch mal ab und zu negativ. Und das ist ja eigentlich das Faszinierende am Fußball, dass man nie vorher weiß, was in einem Spiel passieren kann. Und das gilt ja auch im Alltag, zuhause bei der Familie oder mit Freunden, dass man nicht immer alles perfekt macht und deswegen machen auch Fußballer nicht alles perfekt, wie jeder andere Mensch auch. Fehler sind dafür da, daraus zu lernen. Und ich glaube, mit jeder Aktion, jetzt sagen wir einmal, ein Tor schießen mit der Hand oder es passiert irgendwas anderes, dann lernt der Spieler und gesteht auch einen Fehler ein. Dann entwickelt er sich auch weiter.

Deutsche Welle vom 16. November 2004 (Guido Baumhauer).

 

A11

Ein Vorbild?

Wo Mario Basler der Allergrößte ist

Mario Basler spendet ohne viel Getöse und das seit Jahren. Der Ex-Nationalspieler aus der Pfalz hat sein soziales Herz in Ladenburg verloren. Genauer gesagt in der Martinsschule. Die 200 behinderten Kinder und Jugendliche sind seine größten Fans und er ihr größter Förderer. Nicht nur, dass er tief in den eigenen Geldbeutel greift, er bringt auch andere aus seinem Umfeld dazu, Gutes für Behinderte zu tun. …

Wie kam es, dass ausgerechnet einer wie er, der von sich sagt »ich kann auch ein richtiger Arsch sein«, diese Schule im Rhein-Neckar-Kreis unterstützt? Die Geschichte wird so erzählt: Als vor acht Jahren seine damalige Ehefrau in den Wehen lag, signalisierten die Ärzte, dass mit Komplikationen zu rechnen sei. Basler, damals gerade im Ausland, ließ sein Fußballspiel Spiel sein, flog zurück nach Mannheim und wartete zusammen mit seinem Manager und Freund Roger Wittmann in einer Kneipe um die Ecke. Sein Stoßgebet – »wenn das Kind gesund zur Welt kommt, dann spende ich für Behinderte« – wurde erhört. Marcel kam gesund zur Welt und Freund Wittmann wusste auch, wohin künftig die Spenden fließen sollen: nach Ladenburg in die Martinsschule. Mittlerweile heißt ein Spielplatz nach dem Kicker und das behindertengerechte Café soll selbstredend auch seinen Namen tragen.

Aber das »enfant terrible« des Fußballplatzes winkt nicht nur mit dicken Schecks. Ein paar Mal im Jahr kommt er auch – meist spontan – an den Neckar gereist, um dort mit den Martinsschülern zu spielen. Gerne lässt er sich dann belagern, gibt Autogramme, kümmert sich rührend. … Seinen Bundesliga-Fans und seinem Trainer [hat er] das Leben nicht leicht [gemacht] und [er] bekennt: »Ich bin ein Lebemann.« Jeder weiß, dass er wie ein Schlot raucht, gerne in Kneipen rumhängt und auch das eine oder andere Weißbier wegschluckt. Aber das ist nur die eine Seite. Als er 1998 zum zweiten Mal heiratete, da verzichtete er auf Geschenke und bat um Spenden. [Die] brachte er zur Weihnachtsfeier der Martinsschule mit. Das ist die andere Seite des Mario Basler.

Rhein-Neckar-Zeitung vom 21. Juni 2001.

 

A12

Vorbilder?

 

Nationaltorhüter Oliver Kahn rastete im September 2002 beim Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen – nicht zum ersten Mal – aus und packte einen Bayer-Spieler aus Wut am Genick. Für sein Verhalten war Kahn in zahlreichen Medien kritisiert worden. »Rocky Horror Olli Show«, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Kahn selbst nannte seinen Griff in den Nacken von Brdaric, der angeblich »Todesangst« verspürt haben wollte, »lächerlich«.

picture-alliance/dpa

 

 

Der Duisburger Trainer Norbert Meier (rechts) und der Kölner Albert Streit geraten am 6. Dezember 2005 im Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem 1.FC Köln mit den Köpfen aneinander. Meier, der sich zunächst als Opfer dargestellt hatte, wurde nach dem Kopfstoß von seinem Verein entlassen und vom DFB für drei Monate gesperrt.

Weder seine Entschuldigung noch die Rückendeckung von Bayern Münchens Trainer Felix Magath bewahrte ihn vor der Entlassung. »Beide haben eine Schauspieleinlage abgeliefert. Ich weiß nicht, ob bei den Sanktionen die Verhältnismäßigkeit stimmt. Wir brauchen eine neue Waage. Norbert Meier ist ein netter Kerl, das hat er nicht verdient«, so Magath.

picture-alliance/dpa

 

ARBEITSAUFTRÄGE ZU A10–A12

  • Fußballspieler werden von den Fans oft als Vorbilder angesehen. Was ist aber genau ein »Vorbild«? Welche Eigenschaften sollte ein Vorbild haben? Finde eine Definition. Hast du ein Vorbild unter den Fußballern? Stelle dein Vorbild in der Klasse kurz vor und begründe, warum dieser Spieler oder diese Spielerin ein Vorbild für dich ist.
  • Inwiefern ist Mario Basler ein Vorbild? Vergleiche sein Engagement in A11 mit dem Bild, das von ihm in der Öffentlichkeit vorherrscht.
  • Oliver Kahn ist einer der besten Torhüter der Welt und gilt als vorbildlicher Fußballprofi. Er ist aber auch für einige »Ausraster« bekannt. Vergleiche das Verhalten Kahns mit deiner Definition von Vorbild und den Aussagen von Jürgen Klinsmann in A10. Ist er ein Vorbild für dich?
  • Norbert Meier ist für seinen Kopfstoß hart bestraft worden. Manche Trainerkollegen haben die Strafe als überzogen kritisiert. Wie denkst du darüber?

 

 


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