Zeitschrift 

Südliches Afrika

Bilder und Realitäten

Von der Landnahme der Weißen zur Apartheid

Probleme und Chancen heute
 

Heft 1/2003 
Hrsg.: LpB

 



 

Inhaltsverzeichnis

Baustein A

Bilder und Realität


Bilder im Kopf und die Wirklichkeit

"Eine Entwicklung im Sinne nachhaltiger Armutsreduzierung wird für die meisten Länder Afrikas auch in den nächsten 30 bis 50 Jahren nicht möglich sein."

So lautet das Fast-Todesurteil namhafter deutscher Afrika-Wissenschaftler aus dem Jahre 2000. Und viele europäische Wissenschaftler und Journalisten haben Afrika in den letzen Jahren zum Beispiel einen "verlorenen Kontinent", "einen von der Globalisierung abgeschnittenen Kontinent", einen "vergessenen Kontinent", einen "Kontinent am Tropf der Katastrophenhilfe", einen Kontinent, in dem die Kreativität gestorben sei oder einen "Black-out-Kontinent" genannt. Sie haben von einem Ausverkauf der afrikanischen Reichtümer an die entwickelte Welt geschrieben. Mit Afrika ist hier übrigens immer das Afrika südlich der Sahara gemeint, üblicherweise "Schwarzafrika" genannt, das Südliche Afrika - auch Südafrika - eingeschlossen. Natürlich gab es dazu auch Widerspruch, aber mit nicht allzu lauter Stimme: Da wird dann meist auf die Demokratieansätze in den letzten Jahren verwiesen, auf die Tatsache, dass gegen die Kindersterblichkeit und gegen den Analphabetismus einiges getan worden sei - und auf einige Erfolge oder fehlende Horrorgeschichten aus dem Südlichen Afrika.

Auch Schülerinnen und Schüler tragen eine Mixtur aus Bildern, Vorurteilen, Halbwissen und Wissen mit sich herum (A 2a). Diese diffusen Einstellungen können mit Vortests ans Licht gebracht werden, bevor eine Unterrichtseinheit zum Südlichen Afrika oder zu Südafrika beginnt. Es bieten sich dafür mehrere Möglichkeiten an:

  1. Um herauszufinden, welches Wissen und welche Wissensdefizite vorhanden sind, kann ein einfaches Kreuzworträtsel oder ein Silbenrätsel mit einem möglichst positiv besetzten Lösungswort (Mandela; Regenbogennation) vom Lehrer entworfen und von den Schülern gelöst werden.

  2. Um die Vorurteile deutlicher werden zu lassen, können in Baustein A abgedruckte Karikaturen den Schülern zur spontanen Meinungsäußerung vorgelegt werden (A 1, A 2).

  3. Ein Vortest, bei dem es um Voreinstellungen geht, kann unvollständige Sätze aufweisen, die zu komplettieren sind, etwa nach dem Muster: "Wenn ich an Schwarzafrika denke, ..." - "Eigentlich würde ich gerne nach Südafrika reisen, aber..." - "Wenn ich von der Zahl der HIV-Neuinfektionen im Südlichen Afrika höre, ..."

Im Baustein A geraten die Bilder, die wir uns von Afrika machen und die Afrika bietet, ins Blickfeld. Sie sind wie Facetten sehr unterschiedlich (A 2, A 3; auch C 1), aber sie sind meist nicht zum Besten. Wenn Afrikaner positive Bilder zu Afrika von uns erwarten, muss solches natürlich im Einklang mit der Faktenlage stehen (A 4 contra A 9).

 

Realistische und positive Bilder dringend gesucht

Das ist ein Anliegen junger Menschen. Über die Ansätze der Hoffnung in diesem Baustein hinaus, die sich bei der Fokussierung auf das Südliche Afrika und auf Südafrika in den folgenden Bausteinen deutlich verstärken werden (B 19, B 27 bis B 29, C 11 bis C 18, C 23b, C 25, C 26, C 27, C 29, C 30), kann je nach persönlichen Präferenzen der faire Einkauf ("Fair-Kauf") oder gar die Mithilfe in einem Dritte-Welt-Laden, der Besuch eines Konzerts mit afrikanischen Musikern oder die Mitarbeit bei "Amnesty international" Zuversicht oder Zuneigung bewirken. In die entgegengesetzte Richtung wirken handlungsorientierte Unterrichtsangebote wie etwa ein Rollenspiel, das die Arbeitsverhältnisse, ökologische Situationen und Machtfragen in einem weltweit operierenden Früchte- oder Blumenkonzern vor Ort in Afrika simuliert. Situations- und Rollenkarten dafür sind leicht herstellbar. Dabei soll nicht etwa Mutlosigkeit, Trauer oder Wut erzeugt werden, sondern der Wechsel der Perspektive geübt werden, der uns die auf unseren Märkten so "preiswerten" Produkte in einem ganz anderen Blickwinkel sehen und beurteilen lässt.

 

Bevölkerungswachstum als Belastung

Zusätzlich zu den Aussagen in Material A 2 b sei auf die in vielen Geschichtsbüchern enthaltenen Schaubilder zur Bevölkerungsentwicklung in England und in Deutschland vor und während der Industriellen Revolution und die darauf bezogenen Phasenmodelle sowie auf die in vielen Geographiebüchern oder in Praxis Geographie 12/1991 oder in Politik & Unterricht 4/1998 (Weltbevölkerung und Welternährung) enthaltenen Vergleichsstatistiken für einzelne Regionen der Erde sowie Kurven zum Wachstum der Erdbevölkerung in den letzten Jahrtausenden verwiesen. Sie sollten den Schülern, um die Dramatik der Bevölkerungsentwicklung in Afrika selbst einschätzen zu können, zum Vergleich vorliegen. Cord Jacobeit (Der Bürger im Staat 3-4/1996, S. 156/7) hat eine Reihe von Gründen für die weiterhin so hohe Geburtenrate in Schwarzafrika zusammengestellt; ähnliche Ergebnisse könnten als Folien- oder Tafelanschrieb herausgearbeitet werden.

 

Der Problemfall Afrika

Die Bilder und die Bilanz (A 3, A 4) erlauben noch keine weitreichende Multiperspektivität der Beurteilung. Die Statistiken können durch weitere Informationen bei den Institutionen und Organisationen auf Anforderung und aus dem Internet (Weltbank, IWF, UNICEF, UNAIDS, FAO, Social Watch, Deutsche Welthungerhilfe, Amnesty international, Attac, Terre des hommes, SADCC, Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie unter Suchbegriffen wie "Welternährung", "Anti-Aids", "Globalisierungsgegner", "Afrikanische Einheit") immer aktuell ergänzt werden. Doch Suchen und Finden allein genügen nicht. Die Schüler sollten dann aufzeigen, ob die neu gefundenen Informationen ebenfalls einen "verlorenen Kontinent" charakterisieren.

 

 
Bevölkerungswachstum in Afrika
  1. Es gibt weniger Säuglings- und Kindersterblichkeit durch den inzwischen verfügbaren hygienischen und medizinisch-technischen Fortschritt.
  2. Der Altersaufbau der Gesellschaft wird noch für längere Zeit von besonders breiten geburtenstarken Jahrgängen geprägt.
  3. Eine hohe Kinderzahl entspricht immer noch einem rationalen Verhalten der Menschen und ist nachvollziehbar, weil
  • im überwiegend ländlich geprägten Afrika die Zahl der Arbeitskräfte zum entscheidenden Faktor wird,
  • eine hohe Kinderzahl für die Überlebenssicherung wie für die Ausweitung der Anbaufläche wichtig ist,
  • es keine oder nur unzureichende soziale Sicherungssysteme gibt, sodass die Eltern im Alter oder bei Krankheit auf die Versorgung durch eine möglichst große Familie angewiesen sind,
  • im traditionellen Wertesystem Fruchtbarkeit und eine hohe Zahl von Kindern den sozialen Status der Frau, der Familie und der Großgruppe bestimmen,
  • das Überleben der traditionellen Gesellschaft angesichts von Krankheiten, Naturkatastrophen und Stammeskriegen eine hohe Kinderzahl erforderte,
  • alte und neue religiöse Normen eher pronatalistisch wirken (die katholische Kirche wie einige islamische Gruppierungen sind gegen Verhütungsmittel),
  • traditionelle Faktoren, die den Bevölkerungszuwachs begrenzt haben (Mindestalter für die Heirat, Mindestabstände zwischen Geburten) durch soziale Umwälzungen oder nachlassende soziale Kontrolle innerhalb der Großfamilien und Clans abgeschwächt werden.

Cord Jakubeit: Problem Bevölkerungsentwicklung; in: Der Bürger im Staat 3-4/1996, S. 156 f.

 

 

 

Afrikaner als Migranten

Die Aussagen und Bilder in A 5 können Einstieg und erste Grundlage einer bei Schülern beliebten Diskussion "im amerikanischen Stil" sein, zum Beispiel in Religionslehre oder Ethik. Ergänzend kann der BBC-Film "Der Marsch" eingesetzt werden, damit Schüler darüber reden, ob die von der Verelendung heimgesuchten afrikanischen Massen vor unserer Haustür oder in unseren Häusern zu Recht Hilfe erwarten oder ob wir die "Festung Europa" - wie bei der letzten EU-Tagung beschlossen - gerade gegenüber Eindringlingen aus Afrika sicherer machen sollen. Dies wird dann in eine Auseinandersetzung darüber münden: Wollen wir eine multinationale Gesellschaft, ein globales Dorf oder nicht? Aber sie wird durch die Veränderung der Perspektive neu gestellt: Was für uns Gewinn sein kann (Fußballspieler, Ärzte, Krankenschwestern), ist für Schwarzafrika ein schmerzlicher Verlust. Ähnliches kann auch mit einer Diskussion zu einer anderen Frage erreicht werden: Hätten wir zu Gunsten von Südafrika auf die Fußballweltmeisterschaft verzichten sollen?

 

Schuldfragen

Wenn es um die historische Schuld Europas geht, kann eine Beschäftigung mit der Karikatur und dem Text aus Le Goffs Buch (A 6) schon weit führen, vor allem wenn die Schüler zu bewerten versuchen, ob hier übertrieben wird, und dazu historische Untersuchungen anstellen. Wenn nach der Schuld Afrikas gefragt wird, kann eine Beschreibung und Interpretation der Karikatur (A 2 c) am Anfang einer Stunde stehen. Die Auseinandersetzung mit Kofi Annans Bewertung (A 7) kann mit einer Zusammenstellung der Vorwürfe in den Mittelpunkt dieser Stunde rücken. Der folgende Text kann möglicherweise gleichzeitig mit dem von Annan von einer Gruppe bearbeitet werden.

Vielleicht fügt der Lehrer noch die Aussage hinzu, dass es für den normalen Afrikaner auf dasselbe hinausläuft, ob der Mercedes "weiß oder schwarz" ist, eine sarkastische Symbolisierung dafür, dass auch nach der Unabhängigkeit die Kluft zwischen den armen Abhängigen und den reichen Eliten erhalten blieb, ja sich sogar vergrößerte. Wer den Niedergang Afrikas unter schwarzer statt weißer Herrschaft noch deutlicher berichtet haben will, kann zu Peter Scholl-Latours Buch "Afrikanische Totenklage" greifen, wer es zynisch-satirisch verträgt, kann Patricia Highsmiths Erzählung über "Nabuti: Dem UN-Komitee ein herzliches Willkommen" (Diogenes Verlag 1988) lesen. Um ausgewogener bewerten zu können, bietet sich Ursachenerforschung an. Peter von Zahn hält schon 1960 in seinem "Bericht aus der farbigen Welt" eine Erklärung bereit: "Die jungen Eliten Afrikas sind... aufgeklärt, aber erst seit heute morgen... Es ist, als wollte man die Stahlwerker um Duisburg mit den Hintersassen und Fronbauern der Herzöge von Franken eine Organisation bilden lassen. Wo Menschen zugleich neben dem Atomreaktor und vor der Erfindung des Rades leben, versagen unsere Spielregeln." Ist es also die "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" (Ludwig Dehio), die Afrika so viel zu schaffen macht?

Die Schüler werden fragen, wo denn unser ganzes Geld an staatlicher und privater Hilfe für die einzelnen schwarzafrikanischen Länder geblieben ist und warum Verschuldungen wie in Sambia von 180 %, in Angola von 280 %, in Mosambik von über 400 % des Bruttosozialprodukts überhaupt in den letzten Jahren anwachsen konnten. Dann muss multiperspektivisch und fair diskutiert werden. Um die unterschiedlichen Sichtweisen zu strukturieren, könnten zwei vereinfachte Schaubilder eingesetzt werden.

 

 
Neue Diskriminierung

"Unabhängigkeit bedeutet in vielen Ländern unseres Kontinents nichts anderes, als dass die Fremdherrschaft durch die Eingeborenendiktatur ersetzt wurde. Es handelt sich hier nicht um eine Diskriminierung der Afrikaner durch die verdammten weißen Siedler oder Kolonialisten, sondern um die Diskriminierung der Afrikaner durch die Afrikaner, eine Diskriminierung durch den Städter im schwarzen Anzug, eine Diskriminierung durch den Gebildeten an der Macht gegenüber seinem Landsmann - gegenüber seinem eigenen Volk auf den Dörfern. Unsere Universitäten und Schulen sind Nester, in denen schwarze Ausbeuter ausgebrütet und aufgezogen werden.

Der ugandische Schriftsteller Okot p'bitek, in: Walter Michler: Weißbuch Afrika, (Dietz-Verlag) Berlin 1989, S. 104

 

 

 

  1. Schaubild 1 von Hafez Sabet (Die Schuld des Nordens, Horizonte Verlag, Frankfurt a.M., 2.Aufl. 1992, S. 67), das folgende Position darstellt: "Man geht davon aus, dass das jeweilige Entwicklungsland durch schuldhafte Verhaltensweisen seine Situation selbst verursacht hat und bei entsprechender Disziplin auch selbst in der Lage sein muss, sich aus dem Teufelskreis der Armut und der Auslandsschulden zu befreien."

  2. Schaubild 2 von Rudolf Strahm (Warum sie so arm sind. Arbeitsbuch, Hammer Verlag, Wuppertal, ab 1985), das die Ursachen im Wesentlichen exogen, bei den vom Westen geprägten und beherrschten Wirtschaftsbeziehungen und Institutionen, bei der Politik der Industriestaaten sieht und damit die Verantwortung uns zurechnet.

Möglicherweise lassen sich mithilfe des Schaubildes 3, das sich wiederum bei Sabet, S. 16, findet, auf ausgewogenere Weise die externen und internen Ursachen hier zugespitzt auf die Schuldenkrise darstellen.

 

Schaubild 1:
Teufelskreis der Armut

 

Schaubild 2: 
Die Schuldenspirale

(c) Strahm; Peter Hammer Verlag

 

Schaubild 3:
Einflussfaktoren der Schuldenkrise der Dritten Welt

 

Lehrreich ist der selten geführte Vergleich zwischen der Initiative für eine Entschuldung der ärmsten, hochverschuldeten Länder (HIPC) und der Entschuldung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.
Lehrreich ist auch, was Walter Michler durch den Vergleich des tatsächlichen Transfers für Schwarzafrika und für Ostdeutschland verdeutlichen kann. Im Jahr 1993 sollte mit 23 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung von Seiten aller Geber in Schwarzafrika die Wende herbeigeführt werden. Dem standen allein von Seiten Westdeutschlands 6300 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung für Ostdeutschland gegenüber (Der Bürger im Staat 3-4/1996, S. 187). Wenn dennoch ganze Regionen in Ostdeutschland von der Entwicklung abgehängt blieben, darf man fragen: Welche Folgen dürfen wir dann für Afrika erwarten? Die Zuspitzung der Frage auf einen "Schuldenerlass" ist logisch und für die Schüler Anlass zu einer weiteren Diskussionsrunde.

 

Alte oder neue Antworten

Die Karikaturen unter A 12 stellen provokativ den Ist-Stand dar. Auch für Schüler ist es zwingend, dass darüber hinaus gegangen werden muss. Wenn man vom Potenzial ausgeht (A 9, für Südafrika C 17) dürfte es keine Frage sein, dass es Afrika gelingt, durch eigene Leistungsfähigkeit und Zusammenarbeit bei der Globalisierung nicht zu den größten Verlierern zu gehören. Die Katastrophenszenarien, die für heute und die kommenden Jahrzehnte für Schwarzafrika aufgestellt werden (z.B. Ulrich Menzel: Der Zerfall der postkolonialen Staaten, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 18-9/2001), müssen nicht Wirklichkeit werden. Sie könnten "ausgehebelt" werden, wenn man an die "Lernfähigkeit der Menschen" und an die "Gestaltungskraft der Politik" glaubt (Franz Nuscheler in: Die Weltwoche, Millenium-Ausgabe).

Die Materialien A 11, die mit zwei von Südafrika maßgeblich getragenen Initiativen einen Aufbruch bezeichnen können, sollten im Unterricht analysiert werden. Da es auch schon einige hoffnungsvolle Ansätze für Afrika gegeben hat, die danach korrumpiert und pervertiert wurden, sollten NEPAD und AU weiter verfolgt werden. Vieles wird davon abhängen, ob Südafrika seinen auf Afrika gerichteten Kurs halten kann oder ob es zu sehr mit sich selbst beschäftigt sein wird oder gar selbst den Gefahren der "Afrikanisierung" erliegt (siehe Baustein C).

 

 
Ein Vergleich von Entschuldungskonzeptionen

Das [für die Entschuldung Deutschlands] geschlossene Londoner Schuldenabkommen regelte die deutschen Vorkriegsschulden aus der Zeit der Weimarer Republik [v.a. Reparationsverpflichtungen...] und die Nachkriegsschulden der Bundesrepublik (im Wesentlichen aus der Nachkriegs-Wirtschaftshilfe des Marshall-Plans). Das Londoner Schuldenabkommen gewährte Westdeutschland deutlich großzügigere Entschuldungsbedingungen als die HIPC-Initiative dies heute gegenüber den ärmsten Ländern tut. So wies es zum Beispiel nur eine sehr schwache Konditionalität [Auflagen] auf und reduzierte den Schuldenstand auf die Hälfte. Während für die HIPCs heute ein Schuldendienst von bis zu 15 Prozent ihrer Exporteinnahmen als zumutbar angesehen wird, lag dieser Wert... für die junge Bundesrepublik bei unter vier Prozent... Bei der Erfüllung der westdeutschen Zahlungsverpflichtungen waren die unvergleichlich besseren weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen während des Nachkriegsbooms sehr zuträglich... Der überwiegende Teil der Schulden war bereits vor 1980 zurückbezahlt... Der Vergleich... darf sicherlich wegen der völlig anderen weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Lage ("Kalter Krieg") nicht überstrapaziert werden. Dennoch verweist er auf einen größeren Spielraum für heutige Entschuldungsinitiativen.

Schlussbericht der Enquete-Kommission "Globalisierung der Weltwirtschaft", hrsg. vom Deutschen Bundestag, Leske + Budrich, Opladen, 2002, S. 111

 

 

 

Anregungen über das Heft hinaus

Zu drei Bereichen enthält dieses Heft zwar einzelne Aspekte, aber für eine Einzeluntersuchung wäre weiteres Material nötig.

Kinder. "Es ist, als lebten auf diesem Kontinent nur Kinder", hat ein Reisender seine Beobachtungen in der Öffentlichkeit zusammengefasst. Tatsächlich ist mehr als die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung jünger als 18 Jahre, und diese leben meist in wenig kind- und jugendgerechten Situationen (Aids-Waisen, Kinderarbeit, Straßenkinder, Kindersklaverei, Kindersoldaten). Eine zusammenfassende, anschauliche und inhaltsorientierte Powerpoint-Präsentation dieser Situation wäre ein anspruchsvoller Arbeitsauftrag.

Schule. In vielen Ländern Afrikas gibt es nach dem UN-Bericht des Jahres 2001 über die Weltentwicklung gar keinen Unterricht für Mädchen, oder diese kommen nicht einmal bis zur 5. Klasse. Straßenkinder in Kapstadt äußern als sehnlichsten Wunsch, in die Schule gehen zu dürfen. In Township-Schulen unterrichten in einem Raum vier Lehrer dichtgedrängt vier Klassen. Eine amerikanische Initiative des Jahres 2002, mit der 400 000 Lehrer, über vier Millionen Schulbücher, und 250 000 Stipendien für Mädchen bezahlt werden sollen, ist da eine große Hilfe. Vergleiche mit der eigenen Schulbiografie und den hier vorzufindenden Verhältnissen lassen für Schüler dann die eigenen Probleme relativ werden.

Frauen. Ihre Kraft und ihre erweiterte Gleichberechtigung braucht Afrika, um im 21. Jahrhundert erfolgreicher zu sein als im 20. Jahrhundert. Natürlich sind die meisten Frauen in der Landwirtschaft tätig; sie erzeugen 80 Prozent der agrarischen Produkte, besitzen aber nur 10 Prozent des Bodens. Die hier abgedruckte anschauliche Darstellung lädt dazu ein, sie zu interpretieren und einzelnen Aspekten genauer nachzugehen.

 


BAUSTEIN A Bilder und Realitäten

A 1 bis A 3 Bilder im Kopf und die Wirklichkeit
A 4 und A 5 Der Problemfall Afrika
A 6 und A 7 Schuldfragen
A 8 bis A 10 Potenzial
A 11 und A 12 Alte und neue Antworten


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